Kunststoffmaterial

Auch im Kreis Olpe droht Granulat-Verbot auf Kunstrasenplatz

Der Kunstrasenplatz des SV Listerscheid in Weschede sollte eigentlich mit einer neuen Granulat-Schicht überzogen werden, doch die Stadt Attendorn hat sich nun für eine Sand-Variante entschieden. 

Der Kunstrasenplatz des SV Listerscheid in Weschede sollte eigentlich mit einer neuen Granulat-Schicht überzogen werden, doch die Stadt Attendorn hat sich nun für eine Sand-Variante entschieden. 

Foto: Stadt Attendorn

Kreis Olpe/Attendorn.   Stadt Attendorn reagiert auf ein aktuelles Schreiben des Städte- und Gemeindebundes und disponiert beim Kunstrasenplatz in Weschede nochmal um.

Eigentlich sollte der Kunstrasenplatz des SV Listerscheid in Weschede mit einer neuen Granulat-Schicht überzogen werden. Doch buchstäblich im letzten Moment zog die Stadt Attendorn die Notbremse. Statt des Kunststoffs kommt nun Quarzsand auf das grüne Rechteck. Ein plötzlicher Sinneswandel, der auf ein Schreiben des Städte- und Gemeindebundes (DstGB) NRW zurückzuführen ist. Der Verband verweist in einem aktuellen Brief nämlich darauf, dass künftig bestimmte umweltschädliche Mikroplastiken wie eben das Granulat verboten werden könnten. Hintergrund ist eine Empfehlung der Europäischen Chemikalienagentur an die EU-Kommission. Wie die Kommission am Ende entscheidet, sei noch völlig unklar.

Sollte es tatsächlich zu einem Verbot kommen, dann wären Städte und Gemeinden als Betreiber der Sportstätten sowie die Vereine aber erheblich betroffen, betont der Städte- und Gemeindebund und spricht in diesem Zusammenhang von nicht unerheblichen Kosten, die zur Umgestaltung der Plätze aufgebracht werden müssten. „Es besteht jetzt ein gewisses Risiko, dass wir das bestehende Material auf unseren Plätzen austauschen müssen, falls ein entsprechendes Gesetz erlassen wird“, betont Manuel Vogt, stellvertretender Tiefbauamtsleiter der Stadt Attendorn, im Gespräch mit dieser Redaktion.

Vogt macht keine Nachteile aus

Deshalb disponierte die Verwaltung im Listerscheider Fall kurzfristig um und setzt nun auf den Sanduntergrund. Nicht die gängigste, aber durchaus keine unbekannte Methode. Wäre die Stadt, wie ursprünglich geplant, bei der Granulat-Variante geblieben und hätte dann eines Tages das Material wieder austauschen müssen, dann hätte man laut Sportdezernent Klaus Hesener nochmal rund 35.000 Euro oben drauf gezahlt.

Manuel Vogt sieht in der Sand-Variante allerdings auch keinen Nachteil. „Die Kosten sind nahezu deckungsgleich und auch die Spieleigenschaften sind identisch.“ Weniger begeistert äußert sich der stellvertretende Tiefbauamtsleiter über die Verfüllung der Plätze mit dem Material Kork, was laut Städte- und Gemeindebund ebenso denkbar sei. „Das kommt bei uns nicht in die Tüte, weil Kork zum einen teurer ist und zum anderen das Material bei Starkregen hochkommt und sich auf die Nebenflächen verteilt.“

Faire Übergangslösungen

Die Sportvereine selbst, so ergab eine kurze Stichprobe, haben das Thema noch gar nicht groß auf dem Schirm. So teilte Torben Jäkel, Geschäftsführer des FC Lennestadt, mit, dass er nur zufällig in einer Dokumentation von dem Thema erfahren habe. Im Verein sei es aber noch kein Thema gewesen. „Für uns wäre das auch schlecht, denn wir haben unseren Platz erst im vergangenen Jahr mit einer neuen Granulat-Schicht versehen und haben so gesehen für die nächsten 15 bis 18 Jahre Ruhe.“

Sollte es tatsächlich zu einem Granulat-Verbot kommen, so der Geschäftsführer, dann müsse es zu einer fairen Übergangslösung kommen. Die könnte beispielsweise so aussehen, dass die Vereine sich von dem umweltschädlichen Kunststoff dann verabschieden, wenn der Platz seine Lebensdauer überschritten hat und sowieso erneuert werden muss. Deswegen fordert auch der Städte- und Gemeindebund im Fall der Fälle eine Übergangsfrist von mindestens sechs Jahren und appelliert: „Ein Verbot direkt bei Inkrafttreten der Beschränkung wäre unverhältnismäßig. Es würde zu hohen, unerwarteten Umstellungskosten führen und bei fehlender Finanzierbarkeit dieser Mehrkosten muss zudem von einer Schließung der Sportplätze ausgegangen werden.“

Das alles ändere jedoch nichts daran, dass die Verschmutzung der Umwelt durch Mikroplastik verhindert werden müsse, heißt es weiter.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben