Ostern

Auf den Spuren des Attendorner Osterfeuerwegs

Familie Arens und Familie Stinn wohnen im Osterfeuerweg in Ennest. Für sie war die Aussicht ins Tal einer der Höhepunkte vom Osterfeuer.  

Familie Arens und Familie Stinn wohnen im Osterfeuerweg in Ennest. Für sie war die Aussicht ins Tal einer der Höhepunkte vom Osterfeuer.  

Foto: Riem Karsoua

Ennest.  Was verbirgt sich hinter der Namensnennung dieser Straße? Die Anwohner erinnern sich an das letzte Osterfeuer vor 21 Jahren.

Für viele Familien in Attendorn ist Ostern etwas ganz Besonderes. Groß und klein packen mit an, wenn es an die Vorbereitungen des nächsten Osterfeuers geht. Bis 1998 fand das lodernde Fest in Ennest auf einer großen Wiese statt. Es war das letzte Osterfeuer auf dem Hügel in Attendorn.

Denn unmittelbar neben dem Osterfeuerplatz entstand ein neues Wohngebiet. Um die spektakulären Kreuze, die die Stadt jahrelang erleuchteten, nicht zu vergessen, trägt die Straße den Namen Osterfeuerweg. „Die Straße heißt so, weil der Weg früher tatsächlich zum Osterfeuerplatz geführt hat“, erklärt Stadtarchivar Otto Höffer.

Anwohner des Osterfeuerwegs wie Frank und Dana Arens sind Mitglieder des Osterfeuervereins Ennest. Ob die Nähe zum Osterbrauchtum und die Liebe zum Verein ein Grund für sie war, in diese Straße zu ziehen? Frank Arens lacht. „Das hatte nichts damit zu tun.“

Auch für seine Frau gibt es keine direkte Verbindung zu Ostern, eine emotionale Bindung besteht dennoch: „Ich mag den Namen unserer Straße wirklich sehr. Mein Sohn sagte früher immer, dass er im Feuerwehrweg wohnt.“

Aussicht über ganz Attendorn

Manchmal vermisse sie das Osterfeuer, das damals auf der grünen Fläche stattfand. „Früher war es unglaublich schön hier. Wir hatten eine tolle Aussicht in das Tal“, erzählt sie. Von oben habe man direkt auf Attendorn blicken können und alle Po(o)rten gesehen, erinnert sie sich.

Der neue Platz im Wiebusch biete zwar nicht die wunderschöne Aussicht wie damals, für die Familie ist das Osterfeuer dennoch etwas Besonderes. Denn vor allem das Beisammensein werde gestärkt: „Die Kinder helfen beim Aufstellen des Kreuzes mit. Bei dieser Arbeit wird die ganze Familie eingebunden“, sagt Frank Arens.

Vier Wochen vor Ostern ziehen die Poskebrüder und Kinder in die Wälder, um trockenes Fichtenholz zu sammeln. Spätestens dann begrüßen sie sich mit dem plattdeutschen Schlachtruf „Guet Füer!“ und wünschen sich ein „Gutes Feuer“. Nach getaner Arbeit werden die ersten Semmel und Knödel vor einem kleinen Lagerfeuer gegessen. „Das ist eine Tradition von uns“, lacht Holger Stinn, der gemeinsam mit Frau Bettina ebenfalls im Osterfeuerweg wohnt.

Am Gründonnerstag versammeln sich die Poskebrüder auf dem Dorfplatz. Von dort geht es in den Wald, um die Fichte, die als Osterkreuz dienen soll, zu fällen und einzuholen. „Der Dockepeiter unseres Vereins ist für das Aussuchen und den Transport des Stamms verantwortlich“, erklärt Mario Hessmann, 1. Vorsitzender des Osterfeuervereins Ennest. Ist der Baum gefällt, werden die ersten Meter nur mit Muskelkraft bewältigt. „Sobald wir hinter dem Wald sind, laden wir den Baum mit 60 Mann auf den Trecker“, erzählt er.

Wichtig sei vor allem, dass die Fichte von Hand gesägt wird. „Und, dass sie als ganzes Stück abgesägt wird“, lacht Bettina Stinn. Die vielen schlauen Sprüche, die währenddessen fallen, sind für die Anwohner und Vereinsmitglieder ebenfalls Tradition, erzählen sie.

Ganze Familie packt mit an

Am Karfreitag ist wieder pure Manneskraft gefragt, wenn die ca. 35 Meter lange Fichte für das Feuer vorbereitet wird. Auch die Kinder packen mit an und dürfen die Anzünder – unter Aufsicht eines Erwachsenen – an die Balken nageln.

Nachdem die Streben, Querbalken und mit Paraffin getränkten Filzplatten angenagelt sind, wird alles mit Stroh umwickelt. Die Halteseile werden angebracht und das Osterkreuz mit Hebeböcken durch Muskelkraft hochgedrückt. Anschließend wird das mühsam gesammelte Osterholz um den Stamm geschichtet. Am Ostersonntag ist es dann endlich soweit: „Gegen 21 Uhr wird das Osterfeuer angesteckt“, sagt Hessmann.

Ursprünglich wurde das Osterfeuer auf dem Ritterlöh abgebrannt. An der gleichen Stelle befindet sich heute die Vogelstange. Auch oberhalb des Osterfeuerwegs wurde der Platz oft gewechselt, bis es letztendlich im Wiebusch seinen offiziellen Platz fand.

Die Anwohner der Straße vermissen zwar ihr Osterfeuer mit der wunderschönen Aussicht, jedoch geht es ihnen vor allem um eins: Sie lieben die Vorbereitungen und das Beisammensein mit der Familie. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Kreuz oberhalb des Osterfeuerwegs brennt oder im Wiebusch.

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