Interview

Bernward Koch: „Das Sauerland ist eine Inspirationsquelle“

Bernward Koch aus Brün hat nun seine 14. CD auf dem Markt. Seine Musik wird millionenfach gestreamt. In Corona-Zeiten erreichen ihn besonders viele Zuschriften aus der ganzen Welt, weil seine Kompositionen tragen. Auch die New York Times wurde auf ihn aufmerksam.   An seiner neuesten CD beteiligt waren auch seine Frau und seine beiden Kinder. Ein tolles Familienprojekt.

Bernward Koch aus Brün hat nun seine 14. CD auf dem Markt. Seine Musik wird millionenfach gestreamt. In Corona-Zeiten erreichen ihn besonders viele Zuschriften aus der ganzen Welt, weil seine Kompositionen tragen. Auch die New York Times wurde auf ihn aufmerksam.   An seiner neuesten CD beteiligt waren auch seine Frau und seine beiden Kinder. Ein tolles Familienprojekt.

Foto: Birgit Engel

Brün.  Die Musik des in Brün lebenden Bernward Koch ist weltweit gefragt. Jetzt hat er sein 14. Albaum herausgebracht. Wir sprachen mit ihm.

Wir sind zu Besuch bei Bernward Koch in der beschaulichen Ortschaft Brün im Wendener Land. Hier in der alten Dorfschule wohnt, lebt und arbeitet der Musiker, komponiert im ehemaligen Klassenzimmer, probt im Bombenkeller und nimmt unterm Dach seine Alben auf, die millionenfach gestreamt werden.

Seine Melodien gehören zum Genre Entspannungsmusik und werden nicht erst seit gestern von großen Airlines gegen Flugangst gespielt, in Therapiezentren eingesetzt und sind vom Antistress-Forschungszentrum der Weber State University in Ogden/Utah zertifiziert. Jetzt in Corona-Zeiten erreichen den 63-Jährigen besonders viele Zuschriften.

Im Alter von zwölf Jahren hat der gebürtige Hünsborner mit der Trompete beim örtlichen Musikverein angefangen, mit 15 entdeckte er das Klavier für sich und studierte schließlich in Köln Musik. Vergangene Woche ist mit „Becoming“ sein inzwischen 14. und neuestes Album auf den Markt gekommen.

In Amerika sind Sie mit Ihrer „New Age Musik“ schon seit vielen Jahren bekannt, nun hat Sie auch die übrige Welt entdeckt.

Tatsächlich wurde schon meine erste CD, die 1989 unter dem Titel „Flowing“ erschien, in Amerika, speziell in Kalifornien, rauf und runter gespielt. Anders als hier gibt es in den USA viele Radiostationen, die auf bestimmte Genres spezialisiert sind und prominent gehört werden. Und auch wenn ich bei größeren Verlagen wie EMI oder Virgin war, gab es in Europa Probleme mit dem CD-Vertrieb. Mit den Streamingdiensten, über die mittlerweile 80 Prozent der Musik gehört werden, ist Musik globaler geworden. Das ist für Studiomusiker ein klarer Vorteil.

Seit Corona bekommen Sie besonders viele Rückmeldungen aus der ganzen Welt.

Ja, das ist tatsächlich auffallend. Der Lockdown ist ja überall und das Virus wie eine dunkle Wolke, die sich nicht verzieht. Auf Platz eins ist zurzeit Mexico City, Deutschland ist mit Platz acht unter den Top Ten und die USA auf Platz 13 mit Städten quer durch das ganze Land von San Francisco über Dallas und Chicago bis Miami. Meine Musik scheint besonders gut zu tun, weil sie, so die Rückmeldungen, positiv stimuliert und die Leute runterbringt und erdet. Um nur ein paar weitere Beispiele zu nennen: eine Kinderpsychologin aus Irland hat sich bei mir gemeldet, ein Ingenieur aus Indien, eine Ordensschwester aus Malta oder eine Innenarchitektin aus Südafrika. Auch der Journalist, Abenteurer und Pulitzerpreisträger Ian Urbina, der unter anderem für die New York Times schreibt. Das ist schon etwas ganz Besonderes. Die New York Times schaut normalerweise auf Menschen wie Merkel oder auf Oscar-Preisträger, aber nicht unbedingt auf einen Sauerländer.

Wie beschreiben Sie Ihre Musik und welche Anforderungen stellen Sie an sich selbst?

Die Musik mache ich ja auch für mich, ich muss sie spüren. Musik muss atmen, darf nicht welken. In ihr muss man bei jedem Hören etwas Neues entdecken. Es ist ein Erzählen von Geschichten mit Tönen. Dabei steht das Wichtige nicht in den Noten, das sind lediglich Hilfsmittel, das Wichtige steht dazwischen. Wenn ich im Studio bin, denke ich nur an Melodien, Harmonien, Rhythmen, Phrasierungen. Dann arbeite ich zwar an der Musik, aber mit dem Ziel, Gefühle rüberzubringen.

Was unterscheidet „Becoming“ von den vorherigen Alben. Und wie haben Sie sich weiterentwickelt?

Bei jedem Album fange ich bei null an, sozusagen mit einem weißen Blatt Papier. Natürlich gibt es immer eine Fortführung, da die Zeit immer eine andere ist und jede ihre eigenen Gefühle kreiert. Technisch ist da natürlich auch eine Weiterentwicklung, weil immer andere, spezielle Instrumente hinzukommen. Es gibt ganz viele Feinheiten, die man erst merkt, wenn man die Musik öfter hört. Dominierend ist wie auf allen meinen Alben das Klavier, dann Synthesizer, Keyboard, Gitarre, viel Percussion und beispielsweise Glöckchen, Schellen, Gongs. Von Anfang an dabei ist übrigens für wichtige Melodien und als Klangfarbe die Querflöte, die meine Frau Christiane Böhm spielt.

Spielt im Studio die Flötistin oder die Ehefrau?

Eine gute Frage. Aber Christiane ist Profi, hat Musik studiert und leitet die Musikschule der Stadt Drolshagen. So können wir auf professioneller Ebene gut zusammenarbeiten. Manchmal kommt es natürlich zu Haarspaltereien. Und dann fragen wir unseren Sohn Moritz, der auf dem letzten Album mit der Gitarre zu hören ist. Ebenso wie mein Bruder Christoph mit Gitarre und Percussion. Ja, und unsere Tochter Hannah hat das Cover gemalt. Allerdings unabhängig von der CD. Aber meinem Label in Los Angeles hat es gefallen und ich finde, es passt perfekt, weil es eben echt ist, dazu ein Unikat. So ist „Becoming“ schließlich zu einem ungeplanten Familienprojekt geworden.

Woher holen Sie sich Ihre Inspiration?

Aus der Natur, aus der Landschaft, aus der Umgebung. Auch aus dem Sauerland mit seinen sanften Hügeln und dem saftigen Grün. Es ist eine herrliche Gegend und Inspirationsquelle und ich liebe sie. Das alles ist in meiner Musik enthalten. Da kann es vorkommen, dass morgens auf dem Weg zum Brötchen holen eine Melodie entsteht…

„Becoming“ ist vor Corona entstanden. Wird Corona Ihr nächstes Album beeinflussen?

Wahrscheinlich, wenn auch eher unbewusst. Schließlich bestimmt es derzeit unser aller Leben. Ich habe aber noch nie darüber nachgedacht, meine Musik an bestimmte Begebenheiten anzupassen oder sie für bestimmte Situationen zu produzieren. Ich freue mich aber, wenn sie den Menschen gefällt, hilft und so verstanden wird.

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