Bäckereien

Beschäftigte bekommen mehr Lohn: Brötchen werden teurer

Auch bei Innungsobermeister Georg Sangermann werden die Brötchen nach der Tariferhöhung für die Beschäftigten des Bäckerhandwerks teurer. Von derzeit 35 Cent geht es vermutlich um 2 Cent herauf.

Auch bei Innungsobermeister Georg Sangermann werden die Brötchen nach der Tariferhöhung für die Beschäftigten des Bäckerhandwerks teurer. Von derzeit 35 Cent geht es vermutlich um 2 Cent herauf.

Foto: Josef Schmidt

Kreis Olpe.  Die Tariferhöhung im Bäckerhandwerk wird ihre Spuren hinterlassen: Die Brötchenpreise dürften um ein bis zwei Cent steigen.

Für den Obermeister der Bäckerinnung Westfalen-Süd, Georg Sangermann aus Oberveischede, besteht kein Zweifel: „Das können wir nicht einfach ignorieren, darauf müssen wir reagieren und unsere Preisgestaltung anpassen. Schon ab dem 1. Juli.“ Was Sangermann, der in Oberveischede und einem etwa 10 km-Radius drumherum sechs Filialen betreibt, meint, liegt auf der Hand: Die Brötchen, aber nicht nur die, müssen teurer werden, wenn die Bäcker ihre Beschäftigten nach Tarif bezahlen wollen. Sangermann will das: „Betriebe, die der Innung angehören, sind dazu angehalten. Wir werden das bei uns jedenfalls machen.“

Hohe fünfstellige Summe

Seine Brötchen wird der Obermeister deshalb künftig wohl für 37 Cent verkaufen statt bisher für 35 Cent. Die jetzige Lohnerhöhung schlage mit einem hohen fünfstelligen Euro-Betrag in der Betriebs-Bilanz zu Buche. „Da muss sich etwas tun.“ Eigentlich wäre im Bäckerhandwerk ein Brötchenpreis von 40 Cent gerechtfertigt, den Preis könne man im Kreis Olpe aber nicht durchsetzen. Sangermann: „In anderen Regionen unseres Innungsverbandes ist das bereits so.“

Dabei müsste Sangermann den Tarifvertrag gar nicht zwingend anwenden, denn der ist nur für die Beschäftigten zwingend vorgeschrieben, die auch Gewerkschaftsmitglied sind, wie Isabell Mura, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für Südwestfalen, auf Anfrage mitteilt: „Der Tarifvertrag im Bäckerhandwerk ist nicht allgemeinverbindlich.“ Rein rechtlich müssten die Bäckereibetreiber den Mitarbeitern ohne NGG-Zugehörigkeit die jetzt ausgehandelte Erhöhung gar nicht zahlen. Aber: „Der Großteil der Arbeitgeber zahlt allen Beschäftigten den vollen Tariflohn, auch wenn sie nicht in der Gewerkschaft sind, um die NGG nicht zu stärken.“

Meist außergerichtliche Einigung

Bedauerlich sei es, wenn dennoch NGG-Mitgliedern eine Tariferhöhung vorenthalten werde. Mura: „Auch im Kreis Olpe kommt es nicht selten vor, dass selbst die bei uns organisierten Mitarbeiter das mit unserer Hilfe durchsetzen müssen.“ Meist werde das allerdings außergerichtlich geklärt. Grundsätzlich, so Mura, sei die Organisationsquote im Bäckereihandwerk im Kreis Olpe überschaubar. Wie viele NGG-Mitglieder es hierzulande gebe, könne sie spontan nicht beantworten. Beschäftigt seien in der Branche im Kreis rund 1100 Menschen.

Personell schwierige Situation

Wilhelm Voßhagen aus Drolshagen, stellv. Obermeister der Bäcker-Innung Westfalen-Süd, ist wie sein Kollege Sangermann der Ansicht, dass seine Beschäftigten in den Genuss der ausgehandelten Lohnerhöhung kommen sollen: „Wir zahlen nach Tarif.“ Das sei schon angesichts der personellen Situation im Bäckerhandwerk geboten. Aber auch Voßhagen sieht kaum eine Alternative, als an der Preisschraube zu drehen. „Etwa 40 Prozent meiner Kosten sind nun mal Lohnkosten.“ In welcher Größenordnung das Brötchen teurer werde - derzeit 35 Cent - habe er noch nicht abschließend entschieden, aber „ein oder zwei Cent können das werden.“ Die Traditions-Bäckerei Voßhagen ist ein eher kleiner, reiner Handwerksbetrieb mit zwei Gesellen, einem Auszubildenden und ihm selbst. Neben dem Preisdruck drücke die Branche auch der hohe Energiekostenanteil, und last not least der Fachkräftemangel. Seinen Azubi, einen jungen afghanischen Flüchtling, hole er seit neun Monaten jeden Tag mit dem Auto vom Wohncontainer aus Olpe ab. „Das ändert sich jetzt aber hoffentlich, der junge Mann hat voraussichtlich eine Wohnung gefunden.“

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