Start-Up-Unternehmen

Das Localino-Ortungssystem findet alles und jeden

Dr. Steffen Heuel (links) und David Löher präsentieren die Grundausstattung ihres Indoor-Lokalisierungssystems.  

Dr. Steffen Heuel (links) und David Löher präsentieren die Grundausstattung ihres Indoor-Lokalisierungssystems.  

Foto: Volker Eberts

Lennestadt.   Lennestädter Unternehmen erfindet Indoor-Lokalisierungssystem. Basis für unzählige Anwendungen in allen Bereichen.

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Es gibt technische Entwicklungen, bei denen man sich fragt, warum sie nicht schon früher erfunden wurden. Das Indoor-Ortungssystem Localino des Start-Up-Unternehmens Heuel & Löher GmbH & Co. KG aus Altenhundem gehört dazu.

Dr. Steffen Heuel (34) und David Löher (35), die beiden Chefs und Macher des Unternehmens, wären wahrscheinlich selbst nicht darauf gekommen, hätte Steffen Heuel, promovierter Elektrotechniker, Tüftler und Fachmann für Radartechnologie, nicht vor vier Jahren bei einer Weihnachtsfeier den Chef eines Einrichtungshauses getroffen, der ihn mit folgender Frage konfrontierte: Wie kann ich die Bewegungen meiner Kunden im Möbelhaus aufzeichnen und analysieren, also erkennen, welche Bereiche oder welche Dekorationen besondere Aufmerksamkeit erzielen?

Kaum zu glauben: Bis dato gab es nur die Möglichkeit, die Laufwege der Kunden von Mitarbeitern unbemerkt nachzuzeichnen, weil eine Aufzeichnung mit Kameras aus rechtlichen Gründen tabu war.

Es geht also darum, Ortungsfunktionen, wie man sie von GPS-Systemen aus dem Auto oder von Outdoor-Trackern kennt, in Gebäude zu übertragen, wo GPS nicht funktioniert.

Hört sich banal an, ist es aber nicht. In unzähligen Stunden Arbeit musste manch harte Nuss geknackt werden, bis die komplexen Steuerungsalgorithmen funktionsfähig waren.

Das System

Das Lokalisierungssystem Localino besteht aus zwei fest installierten Satelliten (Anchor) in Größe einer Zigarettenschachtel und mobilen Empfängern, die wie eine Uhr am Handgelenk oder mit einem Clip versehen fast überall angesteckt werden können. Durch drahtlose Funk-Kommunikation und Laufzeitmessung in einem bestimmten Wellenbereich - und mit viel geringerer Strahlungsintensität als zum Beispiel bei Parksensoren und Abstandswarnern im Auto - wird die Position von den Empfängern zentimetergenau in einem definierten Raum bestimmt. Die Positionsdaten werden in einer zentralen PC-Applikation in Echtzeit visualisiert, verarbeitet und gespeichert.

Mit David Löher, der mit Steffen Heuel nicht nur die Schulbank des Städtischen Gymnasiums in Lennestadt drückte, sondern auch viele Jahre zusammen in der Party- und Coverband „Night Delight“ Musik machte – David an den Keyboards, Steffen an den Drums – fand er den idealen Partner. Wirtschaftsingenieur und Prozessmanager Löher hat den gesamten Prozess eines Projektes, bei dem ein Kundenwunsch bis zum Ende gedacht wird, im Auge.

Anfangs bedienten sich die beiden noch Komponenten von Fremdsystemen, um den Markt zu testen. Aber schon bald wurde klar, wie viele Anwendungsmöglichkeiten in unterschiedlichsten Branchen in ihrem System stecken, das sie seit 2016 komplett, also Hardware und Software, selber entwickeln und produzieren.

Die Anwendungsgebiete

Gesundheitswesen: In großen Kliniken lassen sich Ärzte, Geräte, Betten etc. in Sekundenschnelle lokalisieren. Auch lassen sich zum Beispiel Demenzkranke kontrollieren, in dem ein Warnsignal ausgelöst wird, sollte die Person einen bestimmten Bereich verlassen.


Industrie: Localino ortet Güter und Werkzeuge und hilft Unfälle im Betrieb zu vermeiden. David Löher: „Es gibt unglaublich viele Unfälle mit Flurförderfahrzeugen oder Gabelstaplern.“ Localino kann ein Blink- oder Tonsignal abgeben, sollten sich ein Gabelstapler oder eine Baumaschine und die Mitarbeiter bei der Arbeit zu nahe kommen.
Naturschutz/Bergbau/Unterhaltung: Seit 2018 bietet das junge Unternehmen kundenorientierte Komplettlösungen an, hat mittlerweile bereits in 40 Länder geliefert. Dabei sind zum Teil recht skurrile Aufträge. In Australien überwacht ein Localino das Paarungsverhalten von Koala-Bären, in Chile werden Minenarbeiter unter Tage mit der Technik aus Lennestadt geortet, in Italien die Teilnehmer an Big Brother TV. Auch bei einem Drohnen-Racing oder zum Schildkröten-Tracking wird Localino eingesetzt.

Unternehmens-Philosophie

Neben einem Basis-System, das in zwei Minuten eingerichtet werden kann, bietet das Start-Up Produkte, die genau auf den Kunden und seine Anforderung zugeschnitten sind. Heuel: „Wir begreifen Digitalisierung als eine von zwei Medaillen. Nur wenn man Digitalisierung und Prozessmanagement beherrscht, kommt man zu effizienten Lösungen.“

Seine Produktpalette, aber auch sein Dienstleistungsangebot will das Unternehmen in diesem Jahr noch erweitern. David Löher: „Routine langweilt uns, wir wollen immer etwas Neues machen.“

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