Landwirtschaft

Gegenseitiger Respekt bei Landwirten im Kreis Olpe

Bernd Eichert mit seinen Kühen und Kälbern auf der Weide in Bebbingen. Die Haltung der Tiere ist nach den Richtlinien des Ökoverbandes Biokreis streng geregelt.

Bernd Eichert mit seinen Kühen und Kälbern auf der Weide in Bebbingen. Die Haltung der Tiere ist nach den Richtlinien des Ökoverbandes Biokreis streng geregelt.

Foto: Roland Vossel

Bebbingen.   Biobauern und konventionelle Landwirte beharken sich nicht, sagt der Vize-Chef des Kreisverbandes, Bernd Eichert. Man lerne voneinander.

Er nennt sich Bio-Bauer-Bernd und ist Öko-Landwirt aus Leidenschaft. Seit einem Jahr ist Bernd Eichert aus Bebbingen zudem stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Olpe. „Das hätte es vor Jahren nicht gegeben, dass jemand mit einem Nebenerwerbsbetrieb und dann auch noch ein Biobauer für diesen Posten gewählt wird. Aber das hat sich etabliert und wird anerkannt“, sagt der 45-Jährige auf Anfrage dieser Zeitung. Einen Kampf Öko- gegen konventionelle Landwirtschaft gebe es im Kreis Olpe nicht: „Wir beharken uns nicht gegenseitig. Es herrscht auf beiden Seiten Respekt. Man hält am Acker an und informiert sich bei den anderen. Die Landwirte sind jetzt dabei, ­voneinander zu lernen.“

Die Zeiten, in denen Biobauern auch im Kreis Olpe belächelt wurden, seien vorbei, betont Eichert: „Das Verständnis füreinander ist größer geworden. Insgesamt ist der Abstand zwischen Öko- und konventioneller Landwirtschaft geringer geworden. Auch die konventionellen Landwirte müssen mehr nachweisen und dokumentieren. Die Landwirtschaft hat sich weiterentwickelt.“ Und: „Jeder Betrieb muss für sich entscheiden, was er besser kann. Das ist völlig okay. Man darf die konventionelle Landwirtschaft nicht verteufeln. Es braucht auch keiner Bio machen, wenn er nicht dahinter steht. Es gibt auch Biobetriebe, da machst du besser das Scheunentor zu.“

Mehr Platz für die Tiere

Im idyllischen Bebbingen ist die Welt jedoch in Ordnung. In dem 20-Einwohner-Dorf im Wendschen gibt es gleich drei Biohöfe mit Mutterkuhhaltung im Nebenerwerb. Neben Bernd Eichert sind hier noch Rainer Engel und Gerd Solbach tätig. „Als Biobetrieb müssen wir immer transparent sein. Mindestens einmal im Jahr gibt es eine Kontrolle, dazu kommen unangemeldete Überprüfungen. Biolebensmittel dürfen sich nur Bio nennen, wenn sie auch ein Zertifikat haben“, so Eichert, der seit 2001 Ökolandbau betreibt.

Die Viehdichte sei reguliert mit höchstens zwei Kühen auf einem Hektar. Zu den 17 Mutterkühen der Rasse Limousin besitzt der 45-Jährige mit Nachzucht und Kälbern insgesamt 45 Stück Vieh. Die Haltung ist nach den Richtlinien des Ökoverbandes Biokreis streng geregelt: „Die Tiere haben im Stall ein größeres Platzangebot, sind nicht angebunden und laufen frei herum. Sie haben Platz, Luft und Bewegung. Außerdem brauchen die Tiere bei uns länger, bis sie das Schlachtgewicht erreicht haben. Durch eine intensivere Fütterung erreichen die Tiere in der konventionellen Landwirtschaft das Schlachtgewicht schneller. Wir haben die Auflage, dass sie mindestens ein halbes Jahr auf der Wiese gehalten werden. Die Kälber bleiben acht Monate bei der Mutter. Das ist die natürlichste Art, Rinder zu halten.“

Verzicht auf chemische Mittel

Neben der Leidenschaft für die Tierhaltung hat der 45-Jährige, der im Hauptberuf angestellt ist bei der Katholischen Hospitalgesellschaft und die Senioreneinrichtungen in Rothemühle und Rüblinghausen betreut, eine Passion für die Grünlandflächen. Und die sind gerade bei einem Ökobetrieb ganz wichtig: „Wir verzichten auf chemische Spritz- und Düngemittel und dürfen kein Grünland umbrechen. Für uns ist das Bodenleben das Entscheidende. Das gilt es zu erhalten. Es ist wichtig, dass wir wertvolle Futtergräser für die Kühe haben.“

Der Ökolandbau lebe von der Fruchtfolge und vom Wechsel, betont Bernd Eichert: „Wir haben als Fruchtfolge nicht Mais, Mais, Mais, sondern zum Beispiel ein Jahr Gerste, Hafer, dann kann auch mal Mais dabei sein und Kleegras. Im Ökolandbau spielt der Klee eine große Rolle.“

Unkrautbekämpfung nur mit Striegel

Leguminosen wie Rot- und Weißklee, Wicken oder Erbsen hätten die Fähigkeit, aus der Luft den Stickstoff zu filtern und in den Boden einzubringen, erläutert der 45-Jährige. Das diene als Düngung für Wiesen und Gräser. Unkrautbekämpfung im Ökolandbau erfolge rein mechanisch mit dem Striegel. „Viele der Techniken, die wir im Ökolandbau benutzen, haben unsere Großväter schon angewendet“, so Bernd Eichert.

Die Folgen der Trockenheit im vergangenen Jahr sind natürlich auch an Bio-Bauer-Bernd nicht spurlos vorbei gegangen: „Wir müssen nach dem Dürrejahr sehen, dass der Futtervorrat wieder voll wird. Das hat vielen Landwirten im Kreis Olpe zu denken gegeben. Man merkt, dass sich die Erde noch nicht von der Dürre erholt hat. Das Wasser, das jetzt herunterkommt, nehmen die Pflanzen auf. Das hilft nicht dem Grundwasser. Wir versuchen, durch Nachsäen die Grasbestände aufzuwerten, damit diese längere Trockenperioden besser überstehen. Wichtig ist für uns ein vernünftiger PH-Wert. Durch regelmäßige Kalkung kann man das Wasserhaltevermögen der Böden verbessern. Man muss mit dem Ganzen pfleglich umgehen.“

Bernd Eichert ist rundum zufrieden beim Blick auf seine 22 Hektar Grünland, 1,5 Hektar Acker und seine Limousin-Herde: „Ich kann mich zwar über Langeweile nicht beschweren, aber es macht einfach Spaß. Es gibt Abwechslung und Vielfältigkeit. Das ist der schönste Beruf, den es gibt. Es erfüllt einen mit Stolz, auf der eigenen Scholle zu stehen und die Tradition weiterzuführen.“

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