Hospiz Balthasar

Hospiz Olpe: So arbeitet Kinderkrankenschwester Anna Temme

Kinderkrankenschwester Anna Temme arbeitet im Hospiz Balthasar in Olpe. Sie liebt ihre Arbeit, freut sich über das Lächeln der Kinder.

Kinderkrankenschwester Anna Temme arbeitet im Hospiz Balthasar in Olpe. Sie liebt ihre Arbeit, freut sich über das Lächeln der Kinder.

Foto: Verena Hallermann

Olpe.  Anna Temme ist Kinderkrankenschwester im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe. Unsere Zeitung hat sie einen Tag begleitet.

Sechs Tropfen in den Mund. Anna Temme zählt leise mit. Dabei streichelt sie dem Mädchen im Krankenbett über die Wange, lächelt sie an. Auf dem Tisch liegen Spritzen und Medikamente. Eine Schüssel mit lauwarmen Wasser steht bereit für die Morgenwäsche. „Gleich hast du es geschafft und dann gibt es Frühstück“, sagt die Kinderkrankenschwester im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe. Unsere Zeitung durfte sie einen Tag bei ihrer Arbeit begleiten.

Mehr als nur Pflege

Es ist ein heller Raum. Draußen ziehen Regentropfen ihre Bahnen am Fenster. An den Wänden hängen Zeichnungen von den Peanuts. Snoopy und Charly Brown grinsen gewohnt verhalten aus den Bilderrahmen. Im Regal stehen Bücher. Eines trägt den Titel „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?“. Im Bett des Kinder- und Jugendhospizes Balthasar liegt Süreyya. Das Mädchen ist 14 Jahre alt und hat seit ihrer Geburt eine Fehlbildung am Gehirn. Sie kommt regelmäßig mit ihrer Mutter vorbei, verbringt hier ein paar Tage, wird von Kinderkrankenschwestern wie Anna Temme gepflegt – oder besser – verwöhnt. Denn den jungen Gästen soll es während ihres Aufenthaltes an nichts fehlen. An gar nichts.

Anna Temme ist 29 Jahre alt und wohnt in der Nähe von Schmallenberg. Ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin hat sie in Paderborn gemacht, arbeitet seit 2011 im Olper Hospiz Balthasar. Heute hat sie Frühschicht. „Die Arbeit ist nicht so belastend, wie viele es sich vorstellen“, erzählt Anna Temme. „Hier gibt es ganz viel Leben und sehr schöne Momente. Es ist das Lachen der Kinder, die Dankbarkeit der Eltern, was einem wirklich viel Kraft schenkt. Die Kinder wachsen einem richtig ans Herz.“

So wie Süreyya. Sie kann nicht selber Essen. Anna Temme gibt ihr das Frühstück über eine Magensonde. Püriertes Brot und Sondenkost mit reichlich Vitaminen. Noch ein paar Spritzen mit Medikamenten und dann steht das Verwöhnprogramm an. Die junge Kinderkrankenschwester wäscht das Mädchen und massiert sie mit ein bisschen Öl. „Und dann mache ich dich fein“, erzählt sie dem Mädchen. „Deine Anziehsachen habe ich dir schon rausgelegt und der Friseur kommt auch gleich. Ist das nicht aufregend?“

Nähe und Geborgenheit

Antworten kann Süreyya nicht. Sie sieht Anna Temme nur in die Augen. „Sie macht sich mit Gestik und Mimik verständlich“, erklärt die Kinderkrankenschwester. „Man lernt sie mit der Zeit zu verstehen.“ Von irgendwoher ertönt ein Piepton. Die Rufanlage schlägt Alarm. Auf irgendeinem Monitor scheinen die Werte nicht zu stimmen. Die Tür geht auf. Eine Frau steckt den Kopf in Süreyyas Zimmer. „Ist alles in Ordnung?“, fragt sie. Anna Temme beruhigt ihre Kollegin, während sie Süreyya anzieht. Einen Body, der extra für die Magensonde ausgeschnitten ist. Jeans, Weste, Halstuch – und ein paar Hausschuhe, passend zu den rot lackierten Fingernägeln des Mädchens.

Anna Temme ist nicht nur Krankenschwester. Sie ist für die Kinder, Jugendlichen und Eltern eine Bezugsperson, eine Freundin. Es geht um Nähe, um Geborgenheit. Es geht darum, dass das Halstuch zur Weste passt. Dass die Jeans nirgendwo drückt.

„Klopf, klopf“, ertönt es von draußen. Eine Kollegin kommt rein, grüßt Süreyya freundlich. Die beiden tragen das Mädchen in ihren Rollstuhl. Er ist gefüttert, ein Spaziergang steht an. Süreyya friert nämlich immer recht schnell. Das mobile Beatmungsgerät läuft bereits. Auch das Notfallset wird mit in den Rollstuhl gepackt. Sicher ist sicher. „Jetzt kann ich dir noch das Gesicht eincremen“, sagt Anna Temme und greift zur Creme-Dose. „Mama sagt dann immer, du riechst so gut.“ Süreyya fallen die Augen langsam zu. Die Medikamente, das Waschen, das Essen, das Anziehen – es strengt sie an. Anna Temme löst ihren geflochtenen Zopf und kämmt ihr durch die Haare. Ganz vorsichtig, damit es nicht ziept. „Ja, gleich kommt der Friseur“, sagt sie. „Wir müssen Mama nur noch fragen, was du für eine Frisur bekommst.“ Anna legt ihr noch zwei Kuscheltiere unter die Arme, eine wärmende Decke auf die Beine und schaut durchs Fenster nach draußen: „Schau mal, Süreyya, es hat aufgehört zu regnen.“

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