Ausbildungsmarkt

Immer weniger Bewerber auf dem Ausbildungsmarkt

Präsentation des Ausbildungsmarktes der Bundesagentur für Arbeit: (von links) Daniela Tomczak (Bundesagentur), Matthias Heider (MdB) und Stephan Stracke (Arbeitgeberverband Kreis Olpe)

Präsentation des Ausbildungsmarktes der Bundesagentur für Arbeit: (von links) Daniela Tomczak (Bundesagentur), Matthias Heider (MdB) und Stephan Stracke (Arbeitgeberverband Kreis Olpe)

Foto: Foto: Josef Schmidt

Kreis Olpe.  Azubis sind Mangelware. Aber wie gegensteuern?

Lehrlinge, die hundertfach Bewerbungen verschicken und monatelang bangen mussten nach dem Motto: Klappt es denn nun mit der Lehrstelle oder nicht? Früher einmal Normalfall in vielen Familien - auch im Kreis Olpe. Doch diese Zeiten sind lange vorbei. Der Arbeitsmarkt hat den Spieß herumgedreht. Daniela Tomczak, Chefin der Bundesagentur Siegen-Olpe, macht bei der Vorstellung der Ausbildungs-Jahresbilanz unmissverständlich klar: „Es ist für uns eine große Herausforderung, auf diese Entwicklung zu reagieren. Rein rechnerisch gibt es auf jeden Bewerber fast zwei Ausbildungsstellen. Das ist für die jungen Menschen zwar eine komfortable Situation, für die Arbeitgeber aber eine prekäre Lage.“

Auch Qualifikation ein Problem

Der Trend, über den Daniela Tomczak spricht, hat sich vom Ausbildungsjahr 2017/2018 zum gerade ausgelaufenen Ausbildungsjahr 2018/2019 fortgesetzt - auch im Kreis Olpe: „Die Zahl der gemeldeten Bewerber ist deutlich zurückgegangen, von 993 zu 863. Ein Minus von 13,1 Prozent.“

Die Zahl der Ausbildungsstellen habe sich zwar auch reduziert, aber deutlich weniger, um gerade mal 4,4 Prozent oder 71 Lehrstellen. Auf zuletzt 1539 Ausbildungsplätze kommen also gerade einmal 863 bei der Agentur gemeldete Bewerber.

Neben Daniela Tomczak und ihrer Pressesprecherin Nina Appel sind zur Präsentation des Ausbildungsmarktes auch Stephan Stracke vom Arbeitgeberverband für den Kreis Olpe und CDU-Bundestagsabgeordneter Matthias Heider gekommen. Stracke macht deutlich, dass das Missverhältnis von Bewerbern zu Lehrstellen für die überwiegend in der Metallverarbeitung tätigen Betriebe alles andere als angenehm sei: „Die Tendenz ist in vielen Elternhäusern immer noch da, dass ein Studium für die Kinder das einzig Wahre sei. Über 50 Prozent eines Jahrgangs streben einen akademischen Beruf an.“ Und das, obwohl damit kein höherer Lebensverdienst garantiert sei, manchmal eher das Gegenteil.

Die Zahlen der Bundesagentur zeigen die Dramatik gerade in den Berufen, die die Metaller dringend brauchen: 2018/2019 wurden bei den Zerspanungsmechanikern, Industriemechanikern und Werkzeugmechanikern zusammen 190 Ausbildungsstellen bei der Agentur gemeldet, in der Top Ten-Rangliste der Bewerber, was die Zahlen angeht, tauchen demgegenüber gerade mal 24 Industriemechaniker auf, kein Zerspanungsmechaniker, kein Werkzeugmechaniker.

Nachsitzen in Betrieben

Stephan Stracke: „Viele Unternehmen finden auch immer weniger qualifizierte Bewerber.“ Im Klartext: Was mitunter von den Schulen auf den Lehrstellenmarkt ströme, sei wenig brauchbar. Stracke: „Das darf man aber nicht alles auf die Lehrer abwälzen, Viele Pädagogen sind überlastet und frustriert. Die Schule kann das Elternhaus hier nicht ersetzen.“ Nicht verwunderlich: „Viele Betriebe machen heute bei der Einstellung von Lehrlingen sehr viel größere Zugeständnisse als früher, qualifizieren selbst nach.“ Soll heißen: Azubis müssten in den Betrieben „nachsitzen“, um zu erlernen, was Schule nicht leiste.

Quälen durchs Studium

Daniela Tomczak berichtet von Gesprächen mit dem Siegener Uni-Rektor, Prof. Dr. Holger Burckhart: „Manch ein Studienbewerber quält sich durch sein Studium, ist offensichtlich gar nicht für den akademischen Beruf geeignet, den er anstrebt.“ Genau an diesem Punkt wolle die Agentur für Arbeit einhaken, so Tomczak: „Unsere Präsenz in der Sekundarstufe I ist bereits sehr gut, demnächst wollen wir aber unser Engagement auch in der Sekundarstufe II verstärken und eben in der Universität.“ Wenn ein Student beispielsweise nach einigen Semestern erkenne, dass ein anderer Weg vielleicht ein besserer für ihn sei, „dann wollen wir da sein“, so Tomczak.

Nicht zuletzt für solche Fälle habe die Agentur für Arbeit bereits ein eigenes Büro in der Universität Siegen.

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