Thyssenkrupp Steel

Keine Kündigungen bis Ende 2019 bei Thyssenkrupp Steel

Der geplatzte Deal mit dem Tata-Konzern hat auch bei den Beschäftigten von Thyssenkrupp Steel, die am Standort in Finnentrop arbeiten, für ein ungutes Gefühl gesorgt. Doch mit dem Übergangsvertrag ist die Verunsicherung zumindest ein Stück weit gewichen.

Der geplatzte Deal mit dem Tata-Konzern hat auch bei den Beschäftigten von Thyssenkrupp Steel, die am Standort in Finnentrop arbeiten, für ein ungutes Gefühl gesorgt. Doch mit dem Übergangsvertrag ist die Verunsicherung zumindest ein Stück weit gewichen.

Foto: Flemming Krause

Finnentrop.   Uwe Schulte, Betriebsratsvorsitzender des Finnentroper Werkes, ist froh über den Ergänzungstarifvertrag. 2000 Stellen entfallen im Stahlsegment.

Mit einem unguten Gefühl sind die Beschäftigten von Thyssenkrupp Steel in Finnentrop am Montagmorgen zur Arbeit gefahren. Die Nachricht, dass ihr Arbeitgeber in Deutschland nach dem geplatzten Joint Venture mit dem indischen Tata-Steel-Konzern rund 2000 Stellen im Stahlsegment streichen will, hat die 230 Mitarbeiter am Standort in Finnentrop kalt erwischt. Darüber hinaus hatte der Konzern mitgeteilt, unter anderem über den Börsengang der Aufzugs-Sparte nachzudenken und eine Holding-Struktur zu etablieren.

Natürlich sei die Stimmung am Montagmorgen gedrückt gewesen, betonte der Betriebsratsvorsitzende Uwe Schulte auf Nachfrage. Dafür habe die Nachricht vom Montagabend in der Belegschaft für eine erste Erleichterung gesorgt: Konzern- und Stahlvorstand hatten nämlich gemeinsam mit dem Gesamtkonzern-Betriebsratsvorsitzenden und der IG Metall einen Ergänzungstarifvertrag für den Stahlbereich ausgehandelt, der bis Ende 2019 gilt und in diesem Zeitraum keine betriebsbedingten Kündigungen erlaubt. „Dennoch müssen wir jetzt schauen, was auf uns zukommt und wie sich die Situation entwickelt“, so Schulte.

Tarifvertrag garantiere langfristige Sicherheit

Überraschend kam die Meldung des geplatzten Joint Venture auch für André Arenz. „Auch wenn es nie ganz klar war, ob das Joint Venture zustande kommt, haben wir doch damit gerechnet“, erklärte der Bevollmächtigte der IG Metall Olpe. Er forderte im Gespräch mit dieser Redaktion genau das ein, was am Montagabend zumindest teilweise Realität wurde. Nämlich: „Wir gehen davon aus, dass die Vereinbarungen, die für den Fall eines Joint Ventures mit Tata gegolten hätten, auch jetzt noch gelten: Es darf keine betriebsbedingten Kündigungen geben.“ Arenz’ Zusatz: „Auch nicht über 2019 hinaus.“

Größere Sorgen, dass Arbeitnehmer am Standort in Finnentrop ihren Arbeitsplatz betriebsbedingt verlieren könnte, plagen den Gewerkschafter weniger. „In Finnentrop wird ein einmaliges und sehr gutes Produkt hergestellt“, sagte er mit Blick auf die Feuerbeschichtungsanlage, mit der die Beschäftigten spezielle Feinbleche herstellen können. Ähnlich wie Arenz hatte sich zuvor auch Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW, geäußert. Aus seiner Sicht sei auch ein Joint Venture immer mit Gefahren für Arbeitsplätze verbunden gewesen. „Darum haben wir dafür gesorgt, dass ein Tarifvertrag den Beschäftigten im Falle des Zustandekommens langfristig Sicherheit gegeben wird. Diese langfristigen Sicherheiten braucht es auch unter den neuen Voraussetzungen.“

Er ergänzte: „Das Geld, das ein möglicher Börsengang der Aufzugssparte in die Kasse von Thyssen Krupp spült, muss für die Stabilisierung des Konzerns eingesetzt werden. Dies betrifft alle Bereiche des Konzerns.“

Wettbewerbsfähigkeit stärken

Auf Nachfrage dieser Redaktion teilte ein Pressesprecher von Thyssenkrupp Steel schriftlich mit: „Wir werden den Stahlbereich nun konsequent innerhalb des Konzerns entwickeln und unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken. Dazu gehört auch, dass wir rund 2000 Stellen abbauen werden. Dieser Stellenabbau war bereits für das Joint Venture angekündigt worden und ist weiterhin notwendig.“ Um jedoch Zeit für entsprechende Planungen zu bekommen, habe sich thyssenkrupp mit der IG Metall eben darauf geeinigt, die Beschäftigungs- und Standortgarantien für die deutschen Stahlstandorte bis zum Ende dieses Jahres aufrecht zu erhalten.

Hintergrund ist, dass der im Dezember 2017 geschlossene Tarifvertrag „Zukunft Stahl“ nur bei Zustandekommen des Joint Venture gültig gewesen wäre. In dem Vertrag waren weitreichende Beschäftigungs- und Standortgarantien formuliert worden, die nun nicht mehr gelten, heißt es vom Unternehmen. Der Pressesprecher ergänzte: „Auf Basis des jetzt unterzeichneten Zusatztarifvertrags können wir in den nächsten Monaten Details ausarbeiten und mit dem Betriebsrat besprechen. Mit der Mitbestimmung wurde vereinbart, dass betriebsbedingte Kündigungen nach Möglichkeit vermieden werden sollen.“

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