Plädoyers

Kinderpornografie: Mann aus Kirchhundem soll lange in Haft

Am Landgericht Siegen gab es am Mittwoch die Plädoyers im Prozess gegen einen Mann aus Kirchhundem, bei dem Kinderpornos gefunden wurden.

Am Landgericht Siegen gab es am Mittwoch die Plädoyers im Prozess gegen einen Mann aus Kirchhundem, bei dem Kinderpornos gefunden wurden.

Foto: Hendrik Schulz / WP

Kirchhundem/Siegen.  Weil er Kinderpornografie besessen haben soll, steht ein Mann aus Kirchhundem vor einer weiteren Verurteilung. Am Mittwoch gab es die Plädoyers.

Der Angeklagte zeigt sich einsichtig. „Ich habe diese pädophile Neigung, und sie geht auch nicht mehr weg. Ich muss damit leben“, sagt er und versichert, alles dafür zu tun, um nicht wieder straffällig zu werden. Genau das ist ihm allerdings passiert. Der Mann aus Kirchhundem, der bereits von 2010 bis 2014 für sexuellen Missbrauch und den Besitz kinderpornographischer Schriften in Haft war und später noch einmal 18 Monate wegen eines Rückfalles, ist im Corona-Lockdown erneut in Versuchung geraten. Dafür soll er nach Ansicht des Staatsanwaltes erneut vier Jahre und sechs Monate eingesperrt werden. Der Verteidiger beantragt ein Jahr weniger.

Es dauert allerdings gut fünf Stunden, bevor beide Schlussvorträge gehalten sind. Zwischendurch müssen die Kammermitglieder noch die Ordner mit den Unmengen an Fotos in Augenschein nehmen, die auf den Datenträgern aus der Wohnung des 39-jährigen Angeklagten sichergestellt werden. Dann äußert sich dieser umfangreich und offen zur Person und seiner problematischen Neigung. Schließlich gibt es ein sehr langes Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Dr. Brian Blackwell aus Hagen.

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Der kommt zur Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, die den Angeklagten zusammen mit seiner pädophilen Neigung in einen suchtartigen Zustand versetze, der es ihm deutlich erschwere, Widerstand gegen den Druck zu leisten, jugend- und vor allem kinderpornographische Bilder und Videos zu konsumieren. Der Angeklagte sei bei seinen Taten im Frühjahr 2020 erheblich in der Schuldfähigkeit eingeschränkt gewesen.

Staatsanwalt Johannes Giesing schloss sich ausdrücklich der Beurteilung des Gutachters an und reduzierte seine Forderung daher erheblich. Einen Anlass, den Angeklagten in einer psychiatrischen Einrichtung unterzubringen, sehen aber weder Gutachter noch Staatsanwalt. Grundsätzlich sei eine weitere Gefährlichkeit des Mannes aus Kirchhundem nicht auszuschließen.

Angeklagter will sich von Kindern fernhalten

Der Beschuldigte selbst hat versichert, sich von allen Orten fernzuhalten, wo er mit Kindern in Kontakt kommen könne, mit den Kindern seiner Schwester nur unter Aufsicht zusammenzutreffen und unbedingt auch in Zukunft an sich arbeiten zu wollen. Kontakt mit Kindern hat es in den Fällen des aktuellen Verfahrens nicht gegeben. Er bedauert, während seiner ersten Haft, die er in einer sozialtherapeutischen Einrichtung verbrachte, drei Jahre lang bewusst den Fortschritt „torpediert“ zu haben, „weil ich es nicht einsehen wollte“. Wobei ihm Dr. Blackwell nun attestiert, auch das sei keine wirklich bewusste Entscheidung gewesen, sondern ebenfalls Ausdruck der Persönlichkeitsstörung.

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Auch Verteidiger Thomas Trapp lehnt eine Unterbringung als unverhältnismäßig ab. Trapp betont zudem die Offenheit seines Mandanten gegenüber dem Sachverständigen und auch am Mittwoch im Gericht zu seiner Vergangenheit und zu seiner Neigung, sowie dessen große Bereitschaft zu einer Therapie. Sein Antrag fällt mit drei Jahren und sechs Monaten unter anderem deswegen geringer aus, weil er das Hochladen von japanischen Comics sexuellen Inhalts auf einer russischen Internetplattform deutlich weniger strafwürdig sieht, als Johannes Fehling. Die eine Tat liege schon drei Jahre zurück, es seien eben „nur“ Zeichnungen gewesen, „obwohl ich auch nichts verharmlosen will“, und jeweils nur wenige Bilder.

Sein Mandant sagt am Ende nichts mehr, weil das alles „nur noch beschönigend oder rechtfertigend“ sein könne. Dass er gerade dies nicht will, hat der Angeklagte vorher schon klar formuliert. Das Ansehen der Bilder habe ihm lange die Möglichkeit gegeben, sich selbst einzureden, dass die Kinder Spaß daran hätten und nicht gezwungen würden. Inzwischen wisse er, dass jeder sexuelle Kontakt zu einem Kind diesem Schaden zufüge.

Die Kammer wird ihre Entscheidung am kommenden Montag verkünden.

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