Kabarett

Lennestadt: Szenenapplaus für Malmsheimer in Höchstform

Malmsheimer

Malmsheimer

Foto: Werner Riedel / WP

Lennestadt.  Jochen Malmsheimer ist weitaus mehr als ein begeisternder Kabarettist, er ist ein begnadeter Sprachvirtuose.

Was erwartet einen, wenn Jochen Malmsheimer da ist? Den Veranstalter – am Nikolausabend die Kulturgemeinde Hundem-Lenne - ein volles Haus. Die Besucher: ein Kabarettabend der absoluten Spitzenklasse. Auf einem Niveau, das jeglichen Vergleich verbietet mit dem nervtötenden Gehampel und Gestammel sogenannter Comedians oder den Akteuren, die sich selbst für einen ebensolchen halten.„Flieg Fisch, lies und gesunde! oder: Glück, wo ist Dein Stachel!?!“ -so das auf den ersten Blick schwer zu erschließendem Thema des aktuellen Programms von Malmsheimer.

Der epische Kabarettist

Auf dem zweiten und dritten wird’s nicht leichter. Wer sich auf diesen nach eigenem Bekunden „epischen Kabarettisten“ einlässt, muss hellwach sein. Malmsheimer sprüht vor Spiellaune. Spiel mit der deutschen Sprache. In die er nicht nur verliebt, sondern regelrecht vernarrt ist. Spiel mit dem Publikum. Er erzählt, berichtet. Von der guten alten Zeit, in der natürlich nicht alles besser war. Nur früher eben. Da war der September schon im Mai, oder so. Die Sittengeschichte des gemeinen Wurstbrotes. Genauer: des Cervelatbrotes. Kernig, bodenständig, lecker. Aber heutzutage verdrängt von einer unwürdigen Pampe aus Teig, Salatblatt, Tomatenscheibe und Remoulade. O tempora, o mores.

Die Schönheit des Lesens

Die nächtliche Erweckung der Bücher in der eigenen Bibliothek. Eine irrwitzige Hommage an kulturelle Errungenschaften wie Literatur. Und eine Hymne an die Schönheit des Lesens und die Freude am Lesen. Die Vita des Künstlers samt Germanistik-Studium und Buchhändler-Ausbildung lässt grüßen. Der Maestro schlüpft erneut in verschiedene Rollen, stimmlich exzessiv modulierte Vielfalt, offener Szenenapplaus. Schier unglaublich, zu welchen Leistungen sich Malmsheimer bei seinen irrwitzig schnellen Rezitationen seiner gedruckten und gebundenen Werke aufschwingt. Der Künstler präsentiert sich im PZ in Meggen in Höchstform. Auch er selbst scheint sein Spiel zu genießen. Verliert sich in der und an die Sprache. Minimiert seine Gestik, setzt gekonnt seine Mimik ein, überfällt sein Publikum mit ungeahnten stimmlichen Eskapaden. Malmsheimer strahlt.

Es bereitet ihm sichtlich Spaß. Der Funke ist längst übergesprungen. Bereits nach den ersten Minuten. Diese Spannung weiß der Künstler gekonnt zu schüren. Spannt die ZuschauerInnen rhetorisch brillant auf die Folter, erlöst sie erst nach Minuten. Oder doch nicht. Ein herrliches Katz-und-Maus-Spiel. Superbe Unterhaltung. Die morgendliche Schreckens-Symphonie eines Mittfünfzigers im Badezimmer, der das erste graue Haar entdeckt, hängende Tränensäcke, Falten. Ein einziger Aufschrei einer gequälten Kreatur, in faustischer Verzweiflung, geschmeidig in Versform und Metrum gebettet. Ein zerbrechendes menschliches Wesen, von dem es in diesem Augenblick sicherlich nur ein einziges Exemplar auf der ganzen weiten Welt gibt. Ach, ja, nicht nur die Mädels haben es schwer.

Der Wind im Rücken

Malmsheimer war hier. Und hinterließ nach Atem beraubenden Stunden ein nach seiner Glanzleistung ebenso verzücktes wie sprachloses Publikum. Was vom Meister mit Segenswunsch „Möge der Wind hinter dir nicht dein eigener sein“ und einem neuen Slogan in die nasskalte Nacht entlassen wurde: „Wenn’ne Stadt, dann Lennestadt!“ Noch rechtzeitig vor dem Finale des Jubiläumsjahres der größten Kommune im Kreis Olpe. Der Künstler sollte sich schleunigst die Urheberrechte sichern.

Malmsheimer ist weitaus mehr als ein begeisternder Kabarettist, begnadeter Sprachvirtuose und „Lettore prestissimo“. Begeisterter, rhythmischer Applaus des verwöhnten Publikums im Theater der Lennestadt war mehr als verdient. Und so manche Besucherin, so mancher Besucher, wird auf dem Heimweg bestens gelaunt gesummt haben: Junge, komm bald wieder.

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