Gericht

Messerstiche in Olpe: Drei Jahre und zehn Monate Haft

Im Messerstich-Prozess von Olpe verkündete die 2. Große Strafkammer des Landgerichtes Siegen am Donnerstag das Urteil.

Im Messerstich-Prozess von Olpe verkündete die 2. Große Strafkammer des Landgerichtes Siegen am Donnerstag das Urteil.

Foto: Roland Vossel / WP

Olpe/Siegen.  Wegen versuchten Totschlags verurteilte das Gericht einen 22-Jährigen. Er hatte einem 38-Jährigen ein Messer in den Bauch gerammt.

Im Messerstich-Prozess von Olpe hat die 2. Große Strafkammer des Landgerichtes Siegen am Donnerstag einen 22-Jährigen wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Er habe am 26. Juni 2020 in einem Zimmer in der Zentralen Flüchtlingsunterkunft (ZUE) „Regenbogenland“ in Olpe einen Mitbewohner (38) zweimal mit einem Messer in den Bauch gestochen. „Der Angeklagte hat den Tod billigend in Kauf genommen. Er hat gerufen, dass er ihn umbringt. Wenn die Zeugen nicht eingegriffen hätten, hätte er weitergemacht“, sagte die Vorsitzende Richterin Sabine Metz-Horst.

Unterbringung in Entziehungsanstalt

Das Gericht folgte zudem der vom psychiatrischen Gutachter Dr. Thomas Schlömer empfohlenen zweijährigen Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Diese soll sich an die Haft anschließen. Bei der Tat hatte der junge Marokkaner unter starkem Einfluss von Alkohol, Drogen und Medikamenten gestanden. „Er hat einen Hang, Alkohol und Drogen zu nehmen. Die Tat steht ganz klar im Zusammenhang damit. Wir haben keine Zweifel an einer Wiederholungsgefahr“, so Richterin Metz-Horst.

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Angeklagter und Opfer waren Freunde geworden in der Flüchtlingsunterkunft. Am Tattag hatte der 22-Jährige zunächst am Olper Bahnhof gezecht. Er wollte zurück in die Kneipe, durfte aber nicht. Dann urinierte er an die Wand der Gaststätte. Die Polizei hielt den jungen Mann an, weil er keine Maske trug und brachte ihn ins „Regenbogenland“. Dort fragte er den 38-Jährigen in einem Zimmer nach dem zuvor in der Stadt gekauften Essen. Dieser sagte aus Spaß, er habe es weggeworfen. Die Situation eskalierte.

Griff unters Kopfkissen

Der junge Mann griff unter sein Kopfkissen, holte ein Messer hervor, klappte es auf und stach zu. Nur durch eine Notoperation im Olper Krankenhaus konnte der 38-Jährige gerettet werden. Noch heute leidet er unter den Folgen der Tat. Wegen des Konsums von Alkohol, Drogen und Medikamenten erkannte das Gericht auf erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit.

Zugunsten des Angeklagten wertete die Kammer sein junges Alter, seine Lebenssituation und dass er enthemmt gewesen sei. „Er hat sich den Aufenthalt hier völlig anders vorgestellt“, so Metz-Horst. Auf der anderen Seite habe der Angeklagte zwei Tatbestände erfüllt. Er habe das Messer in den Streit eingeführt. Die Richterin sprach von einem „massiven aggressiven Vorgehen des Angeklagten.“

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