Gartenserie

Mit Rosskastanien wurde früher das Bier gekühlt

Schon früher waren Kastanienbäume beliebt: Das kühle Erdreich reichte den Brauern nicht aus, um das frische Bier kalt zu halten. Also pflanzten sie Rosskastanien über ihre Gewölbekeller um durch den Schatten der Bäume ein Aufheizen des Bodens zu verhindern.

Schon früher waren Kastanienbäume beliebt: Das kühle Erdreich reichte den Brauern nicht aus, um das frische Bier kalt zu halten. Also pflanzten sie Rosskastanien über ihre Gewölbekeller um durch den Schatten der Bäume ein Aufheizen des Bodens zu verhindern.

Foto: Thomas Kramer

Die Gartensaison geht wieder los und hier finden Sie wöchentlich wertvolle Tipps rund um das Thema Garten, zusammengestellt von Thomas Kramer.

Was gut gelaunte Menschen an heißen Sommertagen suchen, konnte man am letzten Montag in Olpe auf dem Ümmerich wieder wunderbar beobachten – Schatten unter Bäumen und kaltes Bier. Vor einiger Zeit bin ich zufällig auf einen Bericht gestoßen, in dem deutlich gemacht wurde, wie wichtig früher Bäume für gerade letzteres waren. Kaltes Bier gibt es nicht nur in Olpe, sondern auf allen Schützenplätzen des Sauerlandes und wehe, wenn nicht. Da kennen wir keine Gnade. Ist ja heute durch moderne Kühlanlagen auch kein Problem mehr.

Früher war das anders. Da hatte jeder Brauer einen Bierkeller, der entweder mit Erdreich überdeckt und angefüllt war oder aber in den Hang gebaut wurde. Das kühle Erdreich reichte den Brauern aber nicht aus, um das frische Bier kalt zu halten.

Also pflanzten sie Rosskastanien über ihre Gewölbekeller um durch den Schatten der Bäume ein Aufheizen des Bodens zu verhindern. Kastanien deshalb, weil sie sich als Flachwurzler gut über den Kellern entwickeln konnten und keinen Schaden durch tiefe Wurzeln am Gewölbe anrichteten.

Der Biergarten wurde geschaffen

Die Brauer verkauften damals ihr Bier direkt frisch aus dem Keller und die Kunden brachten eigene Gefäße mit, um es zu transportieren. Wiederum andere – ich vermute es waren Sauerländer – kamen aber auch auf die Idee, das Bier nicht mit nach Hause zu nehmen, sondern es direkt im Schatten der Kastanien zu trinken. Was machte da der kluge Brauer? Richtig, er stellt Bänke und Tische auf und nannte es Biergarten.

Sie sehen also, es braucht nicht viel für ein gemütliches Beisammensein im Garten. Ein Baum für den Schatten, Tisch und Bänke und etwas Kühles aus dem Kühlschrank und schon ist man fertig. Ein Gewölbekeller muss es ja heutzutage nicht mehr unbedingt sein. Wer es allerdings in den letzten Jahren immer schwerer hat, sind die Kastanien.

Erst kam die Kastanienminiermotte und jetzt ein Bakterium, das zu schweren Schäden führen kann. Wenn ein Baum von der Miniermotte befallen wird, färben sich die Blätter schon im Juli braun und fallen ab. Dann ist es vorbei mit dem Schatten und in solch einem Fall sollten die Blätter sofort entfernt und über die braune Tonne entsorgt werden.

Bleiben sie im Garten oder auf dem eigenen Kompost, werden die Larven der Motten dort überwintern und die Kastanien im nächsten Jahr erneut befallen.

Eine bakterielle Erkrankung von Kastanien ist erst seit einigen Jahren zu beobachten. Das Bakterium greift den Stamm und die Äste an und es bilden sich große schwarze Flecken, die aussehen, als wenn der Baum blutet. Sind diese Flecken erst mal da, siedeln sich schnell Pilze an, die die stabilen Holzteile zerstören, die Leitbahnen durchtrennen und das Holz aufreißen lassen.

Wenn die Leitbahnen zerstört sind, ist es wie bei dem Borkenkäfer – Nährstoffe werden nicht mehr zur Baumkrone transportiert und sie stirbt ab. Als Flachwurzler macht der Rosskastanie natürlich auch eine langanhaltende Trockenheit zu schaffen. Wenn sie zu wenig Wasser bekommt, schützt sie sich selbst und beginnt ebenfalls mit dem frühen Abwerfen der Blätter.

Rosskastanien werden mit so einigem fertig

Trotzdem sollten wir Kastanien pflanzen. Die Bäume aus den Baumschulen sind gesund und wenn wir den Rosskastanien den Platz und den Boden geben, den sie brauchen, werden sie schon mit so einigem fertig. Wer jetzt keine Früchte von Kastanien zum Basteln braucht oder Angst hat, dass ihm so eine dicke Frucht ins Bierglas fällt, der nimmt am besten die Sorte Aesculus hippocastanum ‘Baumannii’.

Sie wird nur 20 Meter hoch, hat üppig gefüllte Blüten und trägt keine Früchte. Ideal für den Biergarten, der übrigens nach der bayrischen Biergartenverordnung von 1999 besonderen Schutz genießt. Biergärten haben dort aus Sicht der Politik eine wichtige soziale Funktion, denn Sie werden als Treffpunkt für Menschen aus allen Bevölkerungsschichten geschätzt.

Wer daran zweifelt und das genauer studieren will, braucht jetzt aber nicht nach Bayern zu fahren. Einen Tag im Schatten der Bäume auf dem Olper Schützenfest und Sie werden sehen – es stimmt.


Viel Spaß beim Gärtnern
wünscht Ihnen Ihr
Thomas Kramer

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben