WP Mobil: Sporke und Hespecke

Nur der Steinbruch trübt die gute Stimmung in Sporke

Das WP-Mobil macht Halt auf dem Schützenplatz in Sporke.

Das WP-Mobil macht Halt auf dem Schützenplatz in Sporke.

Foto: Dominik Brendel / WP

Sporke.  In den Orten Sporke, Hespecke und Neukamp in Lennestadt ist das Dorfleben intakt, nur die geplante Erweiterung des Steinbruchs sorgt für Sorgen.

Rudi Clemens, mit 93 Jahren Sporkes ältester Bürger, war der erste, der das WP-Mobil an der Schützenhalle besuchte und einer der letzten, der nach gut 90 Minuten Meinungsaustausch mit der WP-Redaktion wieder nach Hause ging. Mehr als 20 Bürgerinnen und Bürger von eins bis 93 Jahren trafen sich zum lockeren Gespräch auf dem Schützenplatz, um zu erzählen, was die Dorfgemeinschaft in Sporke ausmacht, aber auch, welche Sorgen die Bürgerinnen und Bürger umtreibt.

Steinbrucherweiterung

Es dauerte nicht lange, bis das Thema Nummer 1 aus der Bürgerschaft angesprochen wurde, die geplante Steinbrucherweiterung der Rheinkalk Grevenbrück GmbH um bis zu 20 Hektar. Das Warten auf den Ausgang des Genehmigungsverfahrens zerrt an den Nerven, das ist keine Frage. Und viele Sporker und Hespecker und Neukamper hoffen, dass die aktuelle Diskussion um Umwelt- und Klimaschutz vielleicht Einfluss auf die Entscheidung haben könnte, damit der Raubbau an der Natur durch die Erweiterung des Steinbruchs doch noch eingedämmt wird. Andreas Vetter: „Diese geplante riesige Wasserentnahme passt einfach nicht in die heutige Zeit bei dieser Trockenheit, das muss das LANUV doch berücksichtigen.“ Viele Bäche seien nur noch Rinnsale. Die Sporker haben Angst, dass durch das Abpumpen von jährlich rund sechs Millionen Kubikmetern Wasser aus dem Steinbruch der Grundwasserspiegel sinkt und die Brunnen ihres Wasserbeschaffungsverbandes ebenfalls versiegen.

Lärm und Dreck

Aber auch der Lärm und der Dreck durch den Steinbruchbetrieb ärgert die Bürgerinnen und Bürger. Je nachdem wie der Wind steht, klettere die Lärmbelästigung auf mehr als 70 Dezibel. „Das ist mehr als nur eine Lärmbelästigung“, so Andreas Vetter von der Interessengemeinschaft gegen die Steinbrucherweiterung.

Für Tobias Puspas reicht die Zufahrtsstraße von Neukamp nach Sporke und Hespecke, über die auch der gesamte Verkehr von und zum Steinbruch läuft, nicht mehr aus, um die Verkehrsbelastung aufzunehmen. Täglich werde die Straße von den Schwerlast-Lkw verschmutzt. „Da hilft auch die tägliche Reinigung nicht“, so Puspas. Morgens um 6 Uhr reihen sich die Lkw auf der Straße auf und warten, dass das Tor zum Steinbruch aufgeht. „Ich habe gedacht, ich komme nicht nach Hause“, so ein Bürger. Puspas fordert den Steinbruchbetrieb auf, auf dem riesigen Gelände eigene Straßen mit mehreren Ein- und Ausfahrten herzustellen und nicht die öffentliche Straße zu belasten. „Wenn man soviel Erdmassen bewegen will, dann kann man dort auch neue Straßen bauen“, so der Sporker.

Intakte Natur wird weggebaggert

Regelmäßig mache der Nabu Exkursionen auf den Wiesen oberhalb des jetzigen Abbaugebietes, Menschen kämen von weit her, um Kiebitze und andere Vögel zu beobachten und das solle nun einfach weggebaggert werden.

Dass die Kalkwerke das neue Abbaugebiet vor einigen Monaten mit einem stabilen Stacheldrahtzaun eingezäunt und einen beliebten Rundweg blockiert haben (wir berichteten), ist vielen ebenfalls sauer aufgestoßen. „Es müsste eine Möglichkeit geschaffen werden, zu Fuß oder mit dem Fahrrad nach Grevenbrück zum kommen“, so Manfred Cremer. Einen Radweg an der B 236 im Lennetal entlang gibt es nicht.

Klar ist für die Bürger auch, dass die Straße von Sporke nach Neukamp anders an die B 236 angebunden werden muss. Und zwar spätestens, wenn der neue Raiffeisenmarkt mit Tankstelle dort gebaut wird. „Als Linksabbieger kommt man schon jetzt nicht auf die Bundesstraße“, so Rita Cremer.

Gaststätte fehlt

Aber es ging nicht nur um Kritik und Sorgen. Bei der Frage „Was hat Sporke, was braucht Sporke?“, skizzierten die Bürgerinnen und Bürger, warum das Leben in den beiden Orten so lebenswert ist, auf dem Fundament einer intakten Dorfgemeinschaft. Acht Vereine und organisierte Gruppen gibt es in den beiden kleinen Orten, mit den unterschiedlichsten Aufgaben (siehe Steckbrief). Der größte Verein ist der Schützenverein, mit mehr als 300 Mitgliedern bei nur rund 230 Einwohnern.

Seitdem die letzte Gaststätte geschlossen hat, ist die Schützenhalle Dreh- und Angelpunkt des Dorflebens. Ob Tischtennis-Club, Gemischter Chor oder Frauenturngruppe, sie alle nutzen die schmucke Halle. Jeden ersten Freitag im Monat ist hier Dorfabend. Derzeit ist der Schützenverein dabei, den Speiseraum neu zu gestalten, gemütlich mit Kneipenatmosphäre – natürlich in Eigenleistung erstellt.

Bäckerei wäre gut

Und was brauchen die Sporker? Natürlich gibt es auch in dem Ort einen Wunschzettel. Manfred Cremer: „Es bleibt hier nur so schön, wenn der Steinbruch Auflagen bekommt“. Tobias Puspas, Geschäftsführer des Schützenvereins, ruft zu Spenden für die neue Theke im neuen Dorfgemeinschaftsraum in der Schützenhalle auf. Dank einer 1000-Euro-Spende der Sparkasse ALK fehlen dafür ca. 3000 Euro. Außerdem hätte er gerne frische Brötchen im Ort: „Eine Bäckereifiliale wäre nicht schlecht.“ Das einzige Lebensmittelgeschäft im Ort hat schon 1980 geschlossen. Die Damen vom Verein für dörfliche Belange ärgern sich darüber, dass die Tempo 30-Schilder im Dorf demoliert und eins sogar geklaut wurden. Birgit Voucko vom Vorstandsteam würde sich freuen, wenn die neuen Straßenlaternen endlich auch leuchten würden, am besten bis zum Martinszug am 6. November.

Bauplätze für die Jugend

Marvin Zentgraf, Vertreter der Sporker Jugend, appelliert, neue Bauplätze auszuweisen, damit Jugendliche nicht abwandern müssen. „Die meisten wollen hier bleiben und nicht weggehen müssen, weil es keine Baumöglichkeiten gibt.“ Derzeit gibt es noch zwei öffentliche Bauplätze. Einige ältere Bürger ärgern sich über den Abfuhrrhythmus der Biotonnen. Ausgerechnet jetzt im Herbst, wo sehr viel Laub anfällt, werde die Tonne nicht mehr wöchentlich abgefahren.

Und: Im Ort wird zu viel gerast. Doch da müssen sich die Sporker an die eigene Nase fassen, denn einen Blitzer auf der Mondscheinstraße, wie er scherzhaft ins Spiel gebracht wurde, den wird es wohl nicht geben.

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