Besichtigung

Olper Bahnhof: Es geht um Erhalt oder Abriss

Wenn es um den Erhalt des Bahnhofs geht, treffen verschiedene Rationalitäten und Wahrnehmungen aufeinander

Wenn es um den Erhalt des Bahnhofs geht, treffen verschiedene Rationalitäten und Wahrnehmungen aufeinander

Foto: Engel / WP

Olpe.  50 Olper machten sich ein Bild vom Zustand des Bahnhofs. Er ist besser, als viele vermutet haben

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„Wir haben das alte Bahnhofsgebäude mit Gummistiefeln begangen“ – als Rainer Kalscheuer von der Planungsgesellschaft DSK im vergangenen Juni auf der Bürgerversammlung zum Städtebaulichen Entwicklungskonzept Innenstadt diesen Satz kundtat, stieß das bei nicht wenigen Bürgern sauer auf.

Dadurch werde schon eine Bewertung vorgenommen und man solle doch das Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich machen, damit sich jeder selbst ein Bild machen könne, so Kritik und Verlangen. Vergangenen Samstag nun hatte die Stadtverwaltung dazu eingeladen, sich einen Eindruck zu verschaffen. Rund 50 Interessierte aus Bürgerschaft und auch der Politik kamen zur Besichtigung und ließen sich von Bernd Sundermann, Abteilung Hochbau, durch die Räumlichkeiten führen. Parallel dazu hatte Kunsthistorikerin Andrea Arens eine Ausstellung zum Werdegang des Bahnhofs konzipiert, der für die Entwicklung Olpes und das Selbstverständnis seiner Bürger von weitreichender Bedeutung war und immer noch ist.

Der erste Spatenstich

Mit dem Spatenstich 1873 und schließlich der Inbetriebnahme 1875 begann eine Zeitenwende, bildete der Bahnhof doch einen bedeutenden Verkehrsknotenpunkt in drei Richtungen – nach Betzdorf, ins Rheinland und ins Ruhrgebiet - und verschaffte der Stadt einen immensen Aufschwung in Wirtschaft, Mobilität und Lebensqualität. Wenn es um den Erhalt des Bahnhofs geht, treffen verschiedene Rationalitäten und Wahrnehmungen aufeinander – es geht um Finanzierung, architektonisches und historisches Verständnis und nicht zuletzt um ganz persönliche Verbindungen, Erinnerungen und Emotionen, deutlich zu spüren an denjenigen, die am Samstag durch das Gebäude gehen.

So wie Heinz Benkel. Lange Jahre hat er hier gelebt, sein Vater August war von 1960 bis 1982 Bahnhofsvorsteher. „Meine Frau Marianne und ich sind mit unserer Tochter hier, um die alte Wohnung zu sehen“, erzählt er, als er das Schmuckstück an Flügeltür – die mechanische Klingel funktioniert einwandfrei - öffnet: „Da liegt ja immer noch unser alter Teppich.“ Die Wohnung steht heute leer, die anderen drei im alten Bahnhof sind indes noch bewohnt. Zwei davon seit 60 bzw. 45 Jahren von den gleichen Mietern. Was die wohl alles erzählen könnten?

Etwas enttäuscht über die Resonanz seitens der Bürger ist Axel Stracke vom Heimatverein. „Es hätten ruhig mehr sein können. Aber es hat sich heute nochmal bestätigt, dass die Substanz des Gebäudes ausreichend und der Erhalt finanztechnisch durchführbar ist“, so sein Fazit. Die insgesamt gute Bausubstanz und die Qualität an Materialien und handwerklicher Ausführung betont ebenso Andrea Arens, auch als Bernd Sundermann Probleme mit Wassereinbruch anführt. „Das Wasser macht den Fundamenten nichts aus. Schon damals hat man danach gebaut.“

Beeindruckende Architektur

Zweifelsohne, ein Gang durch den Alten Bahnhof, dessen Architektur beeindruckende Merkmale des Klassizismus trägt, ist ein Gang durch die Geschichte und so ist er eben auch Denkmal dieser selbst. Er ist Zeugnis vom Werden und Sein der Stadt, war für Reisende Tor zur Welt und Tor, durch das man die Stadt betrat, erzählt vom Kommen und Gehen seiner Bürger, von ihrem Leben und ihren Schicksalen. „Wie der Vergleich mit den ältesten bekannten Darstellungen zeigt, hat sich seine Gestalt bis heute kaum verändert“, ist Andrea Arens begeistert ob der Authentizität insbesondere des Empfangsgebäudes. „So ein Gebäude gibt der Stadt Charakter“, sagt Maximilian Pleß, 22 Jahre alt.

Persönliche Beziehung

Er ist zwar zu jung, um eine wirkliche persönliche Beziehung zum Bahnhof zu haben, vertritt indes auch die Haltung vieler Olper quer durch alle Altersstufen. „Es ist gut zu erhalten, was zur Geschichte gehört.“ Bedauernswert, so der Tenor, dass das Gebäude schon so lange verlassen liegt. Bedauernswert auch, dass er um viele historisch wertvolle Inventarien beraubt ist und unter Vandalismus zu leiden hat. Und dennoch gibt es immer noch so einiges zu entdecken. Zum Beispiel die zwei vor mehr als einem halben Jahrhundert in der Empfangshalle auf den Putz - vermutlich von Johannes Rademacher - gemalten monumentalen Wandkarten, die Sehenswürdigkeiten und Handwerke im Kreis Olpe zeigen.

Positive Stimmung

Von einer positiven Stimmungslage in der Politik in Sachen Erhalt spricht der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Markus Arens. „Der Abriss ist keinesfalls gesichert. Und sowieso gibt es immer noch einen gültigen Ratsbeschluss, den Bahnhof in einen Rathausneubau zu integrieren.“ Unter den Besuchern am Samstagmorgen ist auch Stadtarchivar Josef Wermert. „Olpe wäre nicht das was es ist ohne den Bahnhof“, betont er. „Hier wird die Schützenfestmusik abgeholt. Wenn das Gebäude nicht mehr wäre, wer von den nachkommenden Generationen sollte das verstehen“, sagt Andrea Arens mit einem Blick auf die weitereichende Historie des Gebäudes und einen weiteren von vielen guten Gründen, es zu erhalten. Apropos Gummistiefel: die hat niemand gebraucht und so manche sarkastische Stimme war dahingehend zu vernehmen.

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