Projekt

Ottfinger einstimmig für genossenschaftlichen Dorfladen

Die Projektgruppe „Dorfladen“ der Zukunfts-Werkstatt-Dorfladen kann weiterarbeiten: Olaf Arns, Stefan Klör, Jochen Bruch und Stefan Clemens (von links)

Die Projektgruppe „Dorfladen“ der Zukunfts-Werkstatt-Dorfladen kann weiterarbeiten: Olaf Arns, Stefan Klör, Jochen Bruch und Stefan Clemens (von links)

Foto: Birgit Engel / WP

Ottfingen.  Die Ottfinger stimmten für die Gründung einer Genossenschaft. Damit kann die Projektgruppe „Dorfladen“ die Planungen weiterführen.

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Die Bürgerinnen und Bürger von Ottfingen möchten eine Genossenschaft gründen, um einen Dorfladen zu betreiben. Das ist das einstimmige Ergebnis der Versammlung am Sonntag. Für die Projektgruppe „Dorfladen“ der Zukunfts-Werkstatt-Ottfingen e.V. (ZWO) heißt das, die Planungsaktivitäten weiterzuführen. Damit es aber nun endgültig zur Gründung einer Genossenschaft kommen kann, muss das benötigte Kapital mittels verbindlicher Absichtserklärungen für den Kauf von Genossenschaftsanteilen abgesichert werden. In Zahlen heißt das: verbindliche Zusagen für mindestens 350 Anteile bis zum 1. Dezember 2019 sowie für mindestens weitere 150 Anteile bis zum 1. Januar 2020, wobei wiederum von insgesamt mindestens 380 Genossen, d. h. Haushalte mit Anteilen, ausgegangen wird. Zum Einzug des Geldes kommt es indes nur, wenn die Genossenschaft wirklich gegründet wird.

Große Resonanz

Sonntagmorgen halb elf Uhr im örtlichen Schützenheim: Die Stühle reichten nicht aus und selbst Mineralwasser musste nachgeholt werden. Der Raum platzte aus allen Nähten. „Mit 100 Bürgerinnen und Bürger haben wir gerechnet. Dass es doppelt so viele sind, überrascht und freut uns gleichermaßen“, sagte Olaf Arns von der vierköpfigen Projektgruppe „Dorfladen“, zu der weiter Stefan Klör, Jochen Bruch und Stefan Clemens gehören. „Die heutige Abstimmung ist eine weitreichende Entscheidung. So wissen wir, das es weitergehen kann.“

Jede Menge Arbeit haben die vier Ottfinger jedenfalls schon geleistet, seit sie vergangenen Juni auf der Mitgliederversammlung der ZWO damit beauftragt wurden, die Gründung einer Dorfladen-Genossenschaft zu prüfen, haben ein Gesamtkonzept entwickelt, erste Kontakte mit potentiellen Lieferanten aufgenommen, Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen angestellt und eine ortsweite Befragung durchgeführt, bei der es von den insgesamt 800 Ottfinger Haushalten eine Rücklaufquote von 40 Prozent gab. Von diesen halten mehr als 90 Prozent eine Einkaufsmöglichkeit vor Ort für sehr wichtig.

Sollten nun also in Summe verbindliche Zusagen für mindestens 500 Anteile in Höhe von je 250 Euro getätigt werden, wird der Dorfladen Wirklichkeit. Das Konzept sieht neben dem Angebot von Lebensmitteln und Getränken zum Beispiel auch ein Bistro vor sowie Infrastrukturmaßnahmen wie Geldautomat, Lieferservice, Öffnung auch in der Mittagszeit und Paket- und Wäschereidienst. Ebenso sind spezielle regionale Produkte und Unverpackt-Waren angedacht. „Wir müssen mit der Zeit gehen. Immer mehr Kunden wünschen sich auch ein solches Angebot“, so Jochen Bruch. Vorstellbar sind zudem mögliche Zusatzangebote wie Staffelrabatte und Zahlung per Rechnung für Genossenschaftsmitglieder.

190.000 Euro Startkapital

Runde 190.000 Euro jedenfalls sind an Startkapital für den zukünftigen Dorfladen notwendig: für die eigentlichen Gründungsmaßnahmen, die Inbetriebnahmen und die Warenausstattung. Neben den erforderlichen 500 Genossenschaftsanteilen in Höhe von insgesamt 125 000 Euro rechnet man mit 55 000 Euro an LEADER-Förderung und 10 000 Euro an Eigenleistung.

„Wir müssen sehen, dass der Laden läuft. Kaufen muss jeder“, konstatierte Stefan Clemens, der die Wirtschaftlichkeitsrechnung vorstellte. „Wir haben valide Zahlen, sind konservativ bis realistisch unterwegs und bauen keine Luftschlösser. Wir haben den Vorteil, dass wir von einer konkreten Basis abspringen können “, betonte er und schickte dahingehend einen ganz besonderen Dank an den bisherigen Eigentümer des Lebensmittelladens Michael Arns, der das Projektteam unterstützte, seine Zahlen offengelegte und seine Erfahrungswerte einbrachte.

Mehr Umsatz

Tatsache ist, dass der zukünftige Dorfladen mehr Umsatz machen muss, als 2018 generiert wurde. Grund sind die Raum- und Personalkosten. „Wenn ein Dorfladen ehrenamtlich betrieben wird, geht er kaputt. Das ist schon mehrfach bewiesen worden“, so Clemens. Die zusätzlich erforderlichen Einnahmen sollen mit dem Verkauf von handgemachten Backwaren sowie von frischem Fleisch und frischer Wurst - die Fleischerei Alterauge macht in jetziger Form nicht weiter - generiert werden. „Das führt zu einem neutralen Ergebnis. Die Umsatzabsicherung ist das A und O. Das Konzept hat Daseinsberechtigung, wenn die Bürger das wollen.“

Gas geben, ist jetzt also die Devise für den genossenschaftlichen Dorfladen in Ottfingen. „Je eher wir wissen, wie die Resonanz ist, desto größer ist die Planungssicherheit“, unterstrich Olaf Arns.

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