Gericht

Pfefferspray-Prozess gegen Attendorner endet mit Freispruch

Wegen gefährlicher Körperverletzung war ein 61-jähriger Attendorner im Amtsgericht Olpe angeklagt.

Wegen gefährlicher Körperverletzung war ein 61-jähriger Attendorner im Amtsgericht Olpe angeklagt.

Foto: Roland Vossel / WP

Olpe/Attendorn.  Um gefährliche Körperverletzung ging es im Olper Gericht. Ein Attendorner (61) sollte seinem Nachbarn Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben.

Freunde werden sie nicht mehr, der 61-jährige Attendorner und sein Nachbar (29). Ständig gab es Zoff in dem Mehrfamilienhaus in der Hansestadt. Am 17. Dezember 2018 eskalierte der Streit im Treppenhaus und brachte den 61-Jährigen auf die Anklagebank im Olper Amtsgericht. Der Attendorner sollte seinem Nachbarn laut Anklage mehrfach mit Pfefferspray ins Gesicht gesprüht und ihn gegen den Kopf gestoßen haben. Es ging um gefährliche Körperverletzung, eine Tat, für die der Gesetzgeber eine Mindeststrafe von sechs Monaten Freiheitsstrafe vorsieht. Pfefferspray gilt als gefährliches Werkzeug.

Notwehr nicht auszuschließen

Nach einstündiger Verhandlung fiel die Anklage aber wie ein Kartenhaus zusammen. Das vermeintliche Opfer verstrickte sich in Widersprüche, der Angeklagte schilderte dem Richter eine Version, nach der der 29-Jährige ihn im Treppenhaus zuerst geschlagen hätte. Am Ende gab es einen Freispruch für den 61-Jährigen. „Es ist total unverständlich, dass der Zeuge hinter ihm hergeht. Eine Notwehrsituation kann nicht ausgeschlossen werden. In dubio pro reo“, so Richter Markus Gerndorf. Für Freispruch hatte auch Staatsanwalt Klein plädiert: „Der Anklagevorwurf hat sich nicht bestätigt. Ich glaube, dass der Zeuge ihn angegriffen hat und der Angeklagte in Notwehr gehandelt hat.“

Der 61-Jährige hatte behauptet, dass der Streit vom 29-Jährigen ausgegangen sei: „Er sagte zu mir: Du bist hier nicht der König. Da habe ich zu ihm gesagt: Ich bin hier nicht der König, aber auch nicht dein Butler.“ Zudem sei es um einen Gefrierschrank des 29-Jährigen unten im Treppenhaus gegangen: „Ich habe ihm gesagt: Wenn der in drei Tagen nicht weg ist, hole ich die Flex raus und mache ihn handlich. Er kam dann hoch und hat mir eine aufs Ohr gehauen.“ Dann habe er das Pfefferspray herausgeholt, was aber nicht richtig funktioniert habe, so der Angeklagte: „Es gab keinen langen Strahl, nur eine Wolke.“

Kosten trägt Staatskasse

Wie immer habe der 61-Jährige nur Stress mit ihm gewollt, hatte der 29-Jährige gesagt: „Ich wollte mit ihm reden, aber er war sofort aggressiv. Er hat mich geschlagen und sofort von oben mit dem Pfefferspray gesprüht. Ein bisschen habe ich ins Gesicht bekommen.“ Ein von den alarmierten Polizeibeamten nach der Tat gemachtes Foto zeigte allerdings keine Spuren von Pfefferspray im Gesicht des 29-Jährigen.

Wie gesagt: Der Prozess endete mit einem Freispruch. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

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