Lesung

Toni Schumacher in Olpe: Auf „Anpfiff“ folgt der „Einwurf“

Toni Schumacher liest aus seinem neuen Buch "Einwurf" in der Olper Stadthalle vor.

Foto: Flemming Krause

Toni Schumacher liest aus seinem neuen Buch "Einwurf" in der Olper Stadthalle vor. Foto: Flemming Krause

Olpe.   Toni Schumacher, Vizepräsident und Torwart-Legende des 1. FC Köln, hat sein Buch "Einwurf" in Olpe vorgestellt. Es war ein unterhaltsamer Abend.

Dienstagabend, kurz nach 20 Uhr: In der Olper Stadthalle kehrt Ruhe ein. Die rund 250 fußballbegeisterten Gäste schauen gebannt nach vorn. Georg Spielmann betritt die Bühne. Der Geschäftsführer der Buchhandlung Dreimann aus Olpe spricht nur wenige Worte ins Mikro: „Was soll ich Ihnen sagen? Er war der beste Torwart der 1980er Jahre, Europameister, WM-Held...“ Atempause. „Und dann schrieb er ein Buch. Doch er ist und bleibt eine Legende.“

FC-Legende Toni Schumacher in Olpe

Toni Schumacher, Kölner Torwart-Legende, begeistert seine Fans bei einem Lesevortrag in Olpe. Video: Hartwig Sellmann
FC-Legende Toni Schumacher in Olpe

Wenige Augenblicke später betritt Harald, genannt Toni Schumacher die Bühne. Die Legende. Tosender Applaus keimt auf. „Ich hätte nicht geglaubt, ihm einmal die Hand zu schütteln“, mag Spielmann immer noch nicht so recht glauben, dass der Vizepräsident des 1. FC Köln für eine Lesung in die Kreisstadt gekommen ist.

Doch das ist er. Schumacher ist gekommen, auf Einladung der Buchhandlung und dank der Vermittlung des Fanclubs „Olper Geissböcke“, um aus seinem neuen Buch „Einwurf“ zu lesen. Schumachers zweites Buch. Sein erstes, das ist nicht nur Insidern bekannt, schlug damals, 1987, hohe Wellen. Der ehemalige Nationaltorwart und langjährige Profi vom 1. FC Köln sprach in seiner ersten Veröffentlichung schonungslos von Dopingvorwürfen, Sex- und Alkoholeskapaden und plauderte Interna aus. Die Konsequenz: Sein FC schmiss ihn raus.

Borussia Dortmund und Fortuna Köln

In „Einwurf“ schreibt der gebürtige Dürener über sein Leben danach. Über seinen Wechsel in die Türkei, über seine Stationen bei Borussia Dortmund oder Fortuna Köln. Genauso über Verletzungen, Schmerzen und seine Mutter. Ein paar wenige Inhalte gab er am Dienstagabend preis. „Aber ich erzähle nicht alles, sonst kauft ja niemand mehr mein Buch.“

Der Ex-Weltklasse-Torwart erinnert sich: „Ich stand vor dem Nichts, meine Zeit war abgelaufen. Ich habe mich gefragt: Welcher Verein würde mich, einen Verräter, aufnehmen?“ Doch es gab Interessenten. Fast wäre Schumacher in Frankreich gelandet, doch weil die Franzosen (viel) zu spät zu einer Verabredung erschienen, entschied sich „Toni“ für den FC Schalke 04. Danach ging die Reise nach Istanbul, in eine ganz neue Welt. „Dort gab es nicht mal Cornflakes oder Nutella“, betont er – und sorgt für Gelächter im Publikum. Doch es sei eine wunderbare Zeit gewesen, weil „die Türken mich in einer für mich extrem schwierigen Lebensphase aufgenommen haben.“ Und sie haben ihn geliebt. Er war der Star. Wie ein Held wurde er nach drei Jahren verabschiedet.

Selfies zum Abschied

In dem Buch hat Harald Schumacher all diese Erfahrungen zusammengefasst. Er habe Dinge erlebt, die kaum zu glauben seien. Heute kann er darüber lachen. Zum Beispiel, dass er der erste und wahrscheinlich auch letzte Cheftrainer bleibt, der während eines Spiels, in der Halbzeitpause, seines Amtes enthoben wurde. Geschehen bei einem Spiel in Mannheim, als seine Mannschaft, Fortuna Köln, nach 45 Minuten mit 0:2 in Rückstand lag.

Toni Schumacher in Olpe: Erster Anpfiff 1973

Toni Schumacher, Vize-Präsident des 1. FC Köln, ist ein schlagfertiger Typ.
Toni Schumacher in Olpe: Erster Anpfiff 1973

Lange ist das her. Zeitsprung. Natürlich wollen die Gäste, überwiegend FC-Fans unter vereinzelten Gladbach-, Dortmund-, und Schalke-Liebhabern, mehr wissen über seine Rückkehr zum FC. Schumacher spricht über sein Comeback 2012, die damals schwierige finanzielle Situation beim Dom-Verein. Dann hat er genug erzählt. Nach rund einer Stunde ist die Zeit für Fragen gekommen.

Wie es sich anfühle, beide WM-Finals verloren zu haben, lautet eine Frage. Eine andere, wie er den Wechsel von Torjäger Anthony Modeste bewerte. Oder wie es um den Neubau eines Stadions bestellt sei. Er beantwortet die Fragen, signiert im Anschluss ein paar Bücher, steht für Selfies bereit – und schleicht sich um kurz nach zehn Uhr durch den Nebeneingang raus.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik