Gartenserie

Wunderschön und doch gefährlich: Der giftige Fingerhut

Auf der einen Seite wunderschön anzuschauen - auf der anderen Seite sehr giftig: Der Fingerhut

Auf der einen Seite wunderschön anzuschauen - auf der anderen Seite sehr giftig: Der Fingerhut

Foto: Thomas Kramer

Kreis Olpe.  Die Gartensaison geht wieder los und hier finden Sie wöchentlich wertvolle Tipps rund um das Thema Garten, zusammengestellt von Thomas Kramer.

Na, keinen Bock mehr auf Schwiegermutter? Rainhard Mey hat es auch schon gewusst, als er das Lied sang: „Der Mörder ist immer der Gärtner“. Ganz so schlimm ist es aber nicht. In einer Fachzeitung war kürzlich zu lesen, dass von 481.062 im vergangenen Jahr angezeigten Straftaten in der deutschen Hauptstadt nur eine am Gartenzaun stattfand. Aber als Landschaftsgärtner kennt man schon die ein oder andere Giftpflanze, die durchaus tödlich wirken kann.

Giftig, aber dennoch wunderschön

Eine dieser Pflanzen ist der Fingerhut. Auf der einen Seite wunderschön anzuschauen - auf der anderen Seite sehr giftig. Wissen sollte man, dass die ganze Pflanze giftig ist und auch schon das Berühren Reaktionen auslösen kann. Kindern sollten wir das erzählen, denn der rote Fingerhut steht ja vielfach in der Natur an Weges- oder Waldrändern und schon der Verzehr von drei bis vier Blättern kann tödlich sein. Es soll aber sehr bitter schmecken, so dass es nur zu verhältnismäßig wenigen Vergiftungen kommt. Warum ich ihn trotzdem als Gartenpflanze empfehle? Eben weil er wunderschön ist. In Kombination mit Stauden oder auch Rosen kann man wahre Kunstwerke schaffen.

So habe ich schon Rosenbeete gesehen, die strahlend weiß blühten und zwischen den Rosen stand roter Fingerhut, deren Blüten wie Tropfen über den Rosenblüten hingen. Umgekehrt ist weißer Fingerhut in Kombination mit blauem Geranium oder blauen Salvien ein echter Hingucker im Garten. Schön ist es auch, wenn die Pflanzen vor Hecken stehen. Durch den Kontrast leuchten die Blüten regelrecht und auch die Bienen sind begeistert.

Beim Fingerhut muss man allerdings noch etwas wissen: Die Pflanzen sind genau wie Stockrosen zweijährig und damit sehr kurzlebig. Das bedeutet, dass sich nach der Aussaat im August oder September noch Blätter entwickeln, die auch über den Winter bleiben. Im nächsten Jahr wächst die Pflanze dann weiter, es kommt in der Zeit von Juni bis August zur Blüte und anschließend zur Samenreife. Danach stirbt die Pflanze ab und der Samen fällt auf den Boden. Da er sehr gute Keimeigenschaften besitzt, bilden sich schnell wieder Blätter und der Kreislauf schließt sich. Somit kann sich der Fingerhut auch weiter verbreiten als gewünscht. Sie können ihn dann einfach rausziehen oder ausgraben und an einer anderen Stelle wieder einsetzen.

Fingerhut fühlt sich am wohlsten im Halbschatten

Wenn Sie den Fingerhut nicht aussäen möchten, kann man ihn auch in Töpfen genau wie andere Stauden kaufen und gezielt einpflanzen. Aber auch dann muss er sich im nächsten Jahr wieder selbst aussäen damit er dauerhaft im Beet bleibt. Fingerhut fühlt sich am wohlsten im Halbschatten, verträgt aber auch die Sonne, wenn es entsprechend feucht bleibt. Für Menschen, die es lieber etwas bunter mögen, gibt es fertige Samenmischungen. Die Mischung ‘Excelsior’ besteht aus Fingerhüten mit weißen, rosafarbenen, purpurnen und gelben Blüten. Die Sorte Digitalis purpurea ‘Alba’ ist rein weiß mit purpurnen Sprenkelungen im Inneren der Blüte. Übrigens war das mit der Schwiegermutter nur so daher gesagt und keine Handlungsaufforderung.
Viel Spaß beim Gärtnern wünscht Ihnen Ihr Thomas Kramer

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