Gründungsdatum Oestrichs auf 30 Jahre eingegrenzt

14 wichtige Zeilen in der "Großen Vogteirolle"

Foto: IKZ

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Oestrich. Dem Oestricher Heimatfreund und langjährigen Vorsitzenden des Heimatvereins Ortsring Oestrich, Willi Mönig, ist es zu verdanken, dass das Gründungsdatum des Dorfes Oestrich noch näher eingegrenzt werden kann.

Mönig besuchte vor einiger Zeit das Archivamt des Landesverbands Westfalen-Lippe in Münster. Dort gibt es eine Kopie der Vogteirolle der Grafen von Isenberg aus dem Jahr 1220. Diese Vogteirolle wurde im Original 1955 im Fürstlichen Archiv Rheda durch den Reichsarchivrat a. D. Moritz Graf zu Bentheim entdeckt.

Das Dokument ist etwa 1,70 Meter lang und rund 28 Zentimeter breit. Von außerordentlichem Wert für Oestrich ist eine Ergänzung von 14 Zeilen im Anschluss an die „Große Vogteirolle”, in kleinerer Schrift und anderer Schriftart, die der Zeit vor 1250 zugeschrieben wird.

Diese letzten 14 Zeilen beschreiben die Güter und Zinspflichten, die zur „Cometia Osteric” gehören.

Das Gründungsdatum Oestrichs kann also vermutlich auf den Zeitraum zwischen 1220 und 1250 eingegrenzt werden. Er deckt sich also mit Angaben in einem Beitrag des Heimatforschers Walter Ewig, der einen Bericht unter der Überschrift „Die Grafschaft Oestrich - Ursprung der Grafschaft Limburg” veröffentlicht hat und in dem er auf die Entstehung Oestrichs einging. Bisher ging man vom Jahr 1243 als Gründungsjahr aus, weil zu diesem Zeitpunkt die kölnisch-isenbergischen, beziehungsweise isenbergisch-märkischen Auseinandersetzungen durch Erbteilung ein Ende fanden.

In den letzten 14 Zeilen, die am Ende des Originaldokumentes zu finden sind, heißt es in der von Latein in Deutsch übersetzten Passage: „Diese sind die zur Cometia Osteric gehörenden Menschen und die zur selben Cometia gehörenden Güter und die Abgaben, welche sie zu zahlen gehalten sind”.

Es sind die Güter mit ihren Besitzern aufgeführt mit der Höhe der Abgaben in Denaren. Mit „Osteric” dürfte Oestrich gemeint sein, da ein großer Teil der genannten Güter in dessen Nähe gerückt werden kann. (Güter zu Lasbeck, Stenglingsen, Grüne, Genna, Rheinen, Oestrich, Letmathe und zu Nordlohn. Noch nicht genau geklärt ist die Bezeichnung „Cometia”. „Cometia Osteric” ist vielleicht mit „Freigrafschaft Oestrich” zu übersetzen.

Willi Mönig: „Mit diesen Ausführungen ist belegt, dass der Name Oestrich erstmals vor 1250 gefunden wird und die „Große Vogteirolle” quasi die Geburtsurkunde für Oestrich darstellt.

Beim Treffen der Geschichtswerkstatt überreichte Willi Mönig dem Vorsitzenden Friedhelm Siegismund ein Foto mit einem Ausriss der Vogteirolle mit den für Oestrich so wichtigen Zeilen.

Der ausdrückliche Dank Mönigs galt seiner Durchlaucht, Erbprinz Maximilian zu Bentheim-Tecklenburg und Dr. Worm vom Westfälischen Archivamt in Münster für die Unterstützung bei seinen Forschungen.

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