Stadtleben

Abschied von einem „Schul-Dino“

Hans-Jürgen Luhmann

Hans-Jürgen Luhmann

Foto: Michael May

Letmathe.   Leiter Hans-Jürgen Luhmann verlässt die Brabeckschule nach mehr als 20 Jahren.

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„Wenn man sich Schulleiter backen könnte, dann müsste der so sein wie Hans-Jürgen Luhmann“ – Ulrich Gelsing von der Bezirksregierung Arnsberg hat es am Dienstag auf den Punkt gebracht. In einer mehr als zweistündigen Abschiedsfeier wurde der scheidende Leiter der Brabeckschule von zahlreichen Rednern gewürdigt.

Kein Wunder, war Luhmann doch 22,5 Jahre Leiter der Schule, nachdem er von Februar 1989 bis Juli 1995 an der Carl-Sonnenschein-Schule als stellvertretender und einige Monate als kommissarischer Leiter im Einsatz war. So schloss sich am Dienstag ein Kreis, als die Charly-Sunshine-Band mehrere Lieder zwischen den Reden präsentierte. Karl-Heinrich Werner, der die Band betreut, erklärte: „Ohne Hans-Jürgen Luhmann würde es die Band gar nicht geben. Er hat sich damals bei unserem Schulleiter, der von Rockmusik nicht viel hielt, dafür stark gemacht.“

Aus einer Schule wurdeein ganzer Verbund

Doch auch an der Brabeckschule hat Luhmann bewegte Zeiten erlebt. Zum 1. August 1995 trat er die Leiterstelle an, 2004 wurde der Offene Ganztagsbereich eröffnet, 2006 wurde die Einrichtung eine Ganztagsschule. Ein Verbund mit der Schule für Kranke, die am Bethanien-Krankenhaus angesiedelt ist, wurde 2010 auf den Weg gebracht. Im September 2013 wurde Luhmann an die Iserlohner Pestalozzischule abgeordnet, die ein knappes Jahr später mit der Brabeckschule fusionierte. 2015 schließlich folgte die Zusammenlegung mit der Hemeraner Pestalozzischule – so ist die Letmather Brabeckschule inzwischen an vier Standorten zu Hause. Für einen Schulleiter eine überaus schwierige Situation, wie auch Tanja ­Tschöke von der Lüdenscheider Schulaufsicht unterstrich.

„Mit dir geht einer der letzten Schulleiter-Dinos im Märkischen Kreis“, erklärte sie bei der Verabschiedung. Sie hatte im Vorfeld die Unterlagen zu Luhmanns insgesamt 42,5 Dienstjahren durchgearbeitet und darin immer wieder eine Beschreibung gefunden – „außerordentlich engagiert“ sei er gewesen, ob als Lehrer, Stellvertreter oder als Leiter. „Ruhe, Verbindlichkeit, Sensibilität, Flexibilität“, als Charakteristika waren nicht in den Unterlagen vermerkt, sondern gehören zu Tanja Tschökes persönlichen Eindrücken. Und weiter: „Man konnte dich immer um Rat fragen, du hast immer zugehört.“

Auch die Familiewar dabei

Das unterstrich auch Peter Ueter, Leiter der Kilian-Grundschule. „Wir sind nicht nur die engsten Nachbarn, sondern haben auch viel Zeit miteinander verbracht. Für mich als jungen Schulleiter hattest du immer ein offenes Ohr.“ Als Symbol für die Nachbarschaft überreichte Ueter Luhmann ein großes Bild von den Nordfeldschulen. Als Ueter meinte, dass Luhmann dafür sicherlich „ein schönes Plätzchen zu Hause“ finden könne, schlug sich seine Ehefrau Dagmar die Hände mit einem unüberhörbaren „Nein“ vors Gesicht. Nicht nur die Ehefrau, sondern auch die vier Kinder mit Partnern und Enkelkindern waren zur Verabschiedung gekommen. Während Sohn Justus ein Gedicht vortrug, erhielt der scheidende Schulleiter aus einer „Notfalltasche“ die passenden Utensilien: Reisepass, Buch, Bier, Badesalz und eine Tüte Kröten.

Karsten Meininghaus als stellvertretender Bürgermeister überbrachte die Grüße der Stadt Iserlohn und bescheinigte Luhmann große Verdienste für das Bildungssystem Iserlohns: „Für die Brabeckschule hätte es keine bessere Besetzung geben können, Sie waren immer ein engagierter Streiter, haben sich auch für andere Schulen eingesetzt.“

Auch Pfarrer Burckhardt Hölscher wünschte Luhmann alles Gute, erinnerte äußerst humorvoll an Fußballturniere und die Schulgottesdienste. Die Reihe der Redner komplettierte Schulpflegschaftsvorsitzende Sibylle Klinge.

Nachfolge istnoch nicht geregelt

Hans-Jürgen Luhmann selbst erklärte: „Ich ziehe jetzt einen ganz klaren Schlussstrich in Sachen Schule. Die Dinge, die ich versprochen habe, regele ich natürlich noch.“ Damit meint er auch die Übergabe an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin – zweimal wurde die Stelle bereits ausgeschrieben, gefunden allerdings noch niemand. Der 65-Jährige freut sich nun auf „den ersten Urlaub außerhalb der Ferien, Teneriffa wartet schon“. Mit seinem Haus und dem dazugehörigen Garten habe er eine Menge zu tun, außerdem möchte er sein altes Hobby Malen wieder aufgreifen. „Fußball spielen kann ich wegen meines Knies nicht mehr“, so Luhmann, der ab sofort auch dem Wandern und der Fotografie frönen möchte.

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