30 Jahre Mauerfall

Als der Trabi nach Letmathe kam

Willkommen in Letmathe: Ekbert Schwarz aus Zwickau (re.) wird vor 30 Jahren von Dieter Wydra begrüßt.

Willkommen in Letmathe: Ekbert Schwarz aus Zwickau (re.) wird vor 30 Jahren von Dieter Wydra begrüßt.

Foto: IKZ Archiv

Letmathe/Hohenlimburg.  Dieter Wydra hatte am 13. November 1989 den ersten Ost-Volkswagen auf dem Prüfstand

Der Blick ins Innere des DDR-Volkswagen vermochte zu erstaunen: Nach der Öffnung der Mauer am 9. November erreichen in den folgenden Tagen die ersten Trabanten nebst ihren Fahrern hiesige Autowerkstätten – und stellen diese vor ungewöhnliche Aufgaben. So mancher Kfz-Meister nämlich, so heißt es in einem Bericht der Heimatzeitung vom 14. November, „fühlt sich bei dem Anblick des Motorraums in seine Lehrzeit zurückversetzt“.

Denn so mancher Trabi versagt nach der langen Reise seinem Besitzer den Dienst – und kommt darum auf die Hebebühne. Fehlende Ersatzteile machen in den meisten Fällen eine rasche Reparatur unmöglich. „Zumindest im Bereich der Elektronik aber kann den Trabanten fachgerecht geholfen werden“, heißt es in dem Artikel weiter.

Am 13. November indes rollt an der Grenze zwischen Letmathe und Hohenlimburg der erste Trabi auf den Prüfstand von Dieter Wydra, der noch heute einen Kfz-Service-Betrieb an der Hagener Straße betreibt. Ohne Probleme hatte das 20 Jahre alte Auto seinen Besitzer, Ekbert Schwarz aus Zwickau, nach Hohenlimburg gebracht, bis an besagtem Tag allerdings die Lichtmaschine den Geist aufgibt. Die 6-Volt-Lichtanlage bereitet Dieter Wydra und den Mitarbeitern kein Kopfzerbrechen – sämtliche Verschleißteile lassen sich durch westliche Fabrikate ersetzen.

„Das war ein ganz einfaches Ding. Man muss sich wundern, dass er es überhaupt bis hierher geschafft hat“, sagt Wydra, heute auch bekannt als Chef der Fermo-Körner-Compagnie. „Das war Abenteuer pur.“

An den damals 27-jährigen Ekbert Schwarz aus dem Osten hat Wydra nur noch vage Erinnerungen. „Er war sehr freundlich und hat von seiner Reise erzählt“, sagt er. „Und hatte einen starken Dialekt.“

Freitagnacht um 0.30 Uhr war Schwarz allein in Zwickau gestartet, um seine Schwester in Hohenlimburg zu besuchen. Seinem Trabi gönnt er nur zwei kurze Tankpausen. „Bereits am Samstagmittag konnte Ekbert Schwarz seine Schwester umarmen, die bereits seit 1958 im Westen lebt“, berichte diese Zeitung 1989.

In Eisenach geht es über die Grenze, die Abfertigung klappt schnell. Schnell macht Schwarz erste Bekanntschaft mit den westdeutschen Begebenheiten: drei Stunden steht er im Stau.

„Bei 100 km/h ist der Wagen kaum zu beherrschen“

Insgesamt 40 Liter Zwei-Takt-Gemisch füllt der junge Mann unterwegs aus Reservekanistern nach. Rund acht Liter Sprit pro 100 Kilometer schluckt der kleine Trabant 601 während der Fahrt – eine gemäßigte Reisegeschwindigkeit vorausgesetzt. „Bei 100 Kilometern pro Stunde ist es ohnehin gefährlich, dann ist der Wagen kaum noch zu beherrschen“, wird Ekbert Schwarz zitiert.

Den Wagen indes hat er von seinem Vater übernommen. 1983 war bereits eine Totalrestauration sowie ein Motortausch fällig.

Mindestens eine Woche will Schwarz bei der Schwester bleiben. Übermäßiges Heimweh verspüre er nicht, sagt er. Wenn er einen Arbeitsplatz bekäme, sagt der Fliesenleger, würde er gerne bleiben.

Was genau aus dem damals 27-jährigen Zwickauer geworden ist, ob er gar in Letmathe oder Hohenlimburg lebt, weiß Dieter Wydra nicht. Wohl aber, dass er damals in der Waldstadt eine Anstellung gefunden hatte.

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