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Andreas Klement und fünf Minuten Vollgas

Auch wenn die Brunnen-Schönheit im Foyer des Wichelhovenhauses lieber an der Muschel lauscht – Andreas Klement hätte auch ihr bestimmt viele Tipps zur Selbst-Optimierung mitzugeben.

Auch wenn die Brunnen-Schönheit im Foyer des Wichelhovenhauses lieber an der Muschel lauscht – Andreas Klement hätte auch ihr bestimmt viele Tipps zur Selbst-Optimierung mitzugeben.

Foto: Michael May

Oestrich/Wiesbaden.  Oestricher Unternehmens-Coach beeindruckt Speaker Slam-Jury mit Erfolgs-Parallelen zum Profi-Sport.

„Beim internationalen Speaker Slam hat der Oestricher Andreas Klement den Excellenz Award erhalten. Nach New York, Wien, Frankfurt, Hamburg und München fand der internationale Speaker Slam nun erstmals in Wiesbaden statt. Weit gereist sind die Teilnehmer, um sich der Herausforderung zu stellen – genauer gesagt aus 14 Nationen – sind die Speaker nach Wiesbaden gekommen, um bei diesem besonderen Event gegeneinander anzutreten und sich einem harten Kampf zu stellen.“

So beginnt eine Pressemitteilung, die in diesen Tagen auf den Tisch der Heimatzeitung flatterte. Und weil schon der Vorspann mehr Fragen aufwarf, als dass er tatsächlich Antworten gab, wurde eben jener Andreas Klement dann auch umgehend dann zum Gespräch in die Redaktion „einbestellt“. Zur Person: Geboren wird der heute 44-jährige Klement im oberschlesischen Gleiwitz. Da aber seine Familie, die heute, wie er sagt, über die ganze Erdkugel „gesplittet“ lebt, aber ursächlich mal aus Lübeck stammt, siedelt er als Junge ebenfalls mit seinen Eltern an die Ostsee. Noch im Kindesalter geht es dann aber weiter Richtung Iserlohn, denn der Vater findet als Messinggießer in der Region eine Arbeitsstelle.

Vor der Selbstständigkeit warKlement ein „Bakelitaner“

Weitere Lebensstationen sind der Hombruch und schließlich zunächst Lössel, wo Andreas Klement auch sportlich ankommt und zwischenzeitlich sogar Trainer der ersten Herrenmannschaft des TV Lössel wird. Nach der Hochzeit geht es dann nach Dröschede und schließlich nach Oestrich. Befragt nach seinem Berufsstart sagt er ein Wort, das bei vielen Letmathern natürlich Erinnerungen und auch Emotionen wecken dürfte. „Ich bin ein Bakelitaner!“ Er sei gelernter Industriekaufmann und als solcher bei dem damaligen Traditionsunternehmen unter anderem für die Märkte in Südosteuropa zuständig gewesen, habe dadurch früh schon reichlich Auslandserfahrung sammeln können.

Vor 16 Jahren schließlich hat sich Klement dann als Seminar-Trainer selbstständig gemacht. Mit Vertriebstrainings sei es damals losgegangen, sagt er, „aber dann hat mich die Wirksamkeit von Weiterbildung und von Veränderungsprozessen viel mehr interessiert“.

Und dann sei es aber noch einmal zu einer ganz besonderen Drehung in der Betrachtungsweise gekommen. „Ich habe gerade in der Anfangszeit viele Profi-Sportler kennengelernt und schnell gedacht: Die sind irgendwie anders. Besser!“ Immer wenn es darum gehe, wie man mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen klarkommt, wie die Geheimnisse der Selbstmotivation funktionieren, wie man seine persönliche Einstellung und Haltung findet, wie man Ziele erreicht. „Daraus habe ich eben den Ansatz gefunden, dass der erfolgreiche Manager im Unternehmen sehr viel aus dem Profisport lernen kann und muss.“

Schnell kommt es für Klement in der Sportszene zu engen und nachhaltigen Kontakten: „Seit 2005 arbeite ich schon mit Urs Meyer, dem wohl legendären FIFA-Schiedsrichter zusammen.“ Der erfolgreichste Schwimmer Deutschlands Thomas Lurz gehört ebenso zum Bekanntenkreis und Linda Bresonik, erfolgreiche deutsche Fußball-Nationalspielerin, die sogar als Markenbotschafterin für die Klement-Marke „Leadership meets Sports“ gewonnen werden konnte. „Ich bringe einfach beide Welten zusammen“, sagt Klement.

Allerdings unter der Maßgabe, dass es eben wichtig sei, Dinge zu kapieren und nicht zu kopieren. Dazu gehört für Klement dann eben auch ein Vier-Phasen-System, wie Veränderungen erfolgreich, eigenständig und nachhaltig umgesetzt werden können. Und zur Vervollständigung seines Profils erwähnt der Oestricher auch noch eher am Rande, dass er aktuell auch noch einige Profi-Sportler coacht, um ihnen erfolgreiche Wege nach dem Ende ihrer Karriere aufzuzeigen.

Themen so abwechslungsreichund bunt wie das Leben

„Die Erfolgsfaktoren im Profisport“ sind dann auch das Thema, das überleitet zu eben diesem oben beschriebenen „Speaker Slam“. Was ist das überhaupt? Andreas Klement: „Der Speaker Slam ist eine echte Härteprüfung und verlangt den Teilnehmern Nerven wie Drahtseile ab. Die besondere Herausforderung: Der Sprecher hat nur fünf Minuten Zeit, sein Publikum mitzureißen und zu begeistern. „Einen Vortrag auf diese Zeit zu kürzen und trotzdem alles zu sagen, was wichtig ist, und sich dann noch mit seinem Publikum zu verbinden, ist wohl die Champions League im professionellen Speaking.“ Die Themen seien vielfältig, „so bunt und abwechslungsreich wie das Leben selbst“. Andreas Klement verband in seinem Vortrag zwei Welten, bei denen die Führung mittlerweile zu einem echten Kampf geworden ist. „Kampf um die besten Talente und um Mitarbeiterbindung. Kampf um Identifikation und Loyalität.“

Eine professionelle Jury prüfte alle 69 Teilnehmer auf Herz und Nieren. Es war auch eine Herausforderung für die Jury, da Internationaler Speaker Slam bedeutet, dass es Reden gab, die mehrsprachig waren.

Am Ende hat man sogar sechs Reden gezählt, die nicht auf Deutsch gehalten wurden. Die Jury bestand diesmal aus Vertretern von Funk und Fernsehen. Dazu gesellten sich Redneragenturen und aktuelle Top-Speaker. Als Bewertungskriterien zählten Performance des Speakers, Emotionalität und das Gespür, die 200 Zuschauer zu begeistern. Zudem zeigt ein Dezibel-Messgerät auf der Bühne die Lautstärke des Beifalls an und bestimmt damit die Begeisterungsfähigkeit der Zuschauer. Im Vorfeld gab es eine Qualifizierungsrunde. Wer die erfolgreich überstanden hat, der war für das Finale qualifiziert. Andreas Klement: „Das Finale war eine organisatorische Meisterleistung und dauerte sechs Stunden. Um 0.25 Uhr wurde dann verkündet, dass der Weltrekord geknackt wurde.“

Der „Speaker Slam“ hat sich in der Rednerszene bereits einen Namen gemacht. Dementsprechend groß war auch der Andrang, die Plätze waren allesamt ausgebucht und die Warteliste entsprechend lang. Mit 69 Teilnehmern wurde nun erneut ein Weltrekord aufgestellt und der Oestricher reiht sich somit in die Liste namhafter Speaker auf der Welt ein. Sein ganz persönliches Fazit: „Ich halte zwar viele Vorträge im Jahr, aber der Speaker Slam ist brutal. In diesen fünf Minuten musst du Vollgas geben.“

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