Letmathe. Philipp Röttgers und Doothee Schröder aus Letmathe geben in ihrem Sachbuch Einblicke in die Morde von Jack the Ripper. So hebt sich das Buch ab.

„Ich habe eine England-Macke“ sagt Anglistin Dorothee Schröder offen und genau die vererbte sie offenbar an ihren Sohn Philipp Röttgers aus Letmathe. Nach zahlreichen Reisen ins Land zeigte sich auch ein starkes Interesse an den Fall Jack the Ripper, der 1888 mehrere Morde in London beging. Gemeinsam entschied sich das Duo, ein Sachbuch zum Thema zu veröffentlichen. „Jack the Ripper – Die Whitechapel-Morde 1888: Eine Chronologie“ bietet überraschende Spannung und gibt, untypisch für den deutschen Buchmarkt, tiefe Einblicke in den Fall.

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Röttgers reiste im Rahmen des Studiums vor zehn Jahren nach London und merkte, dass er sich mit der Stadt verbunden fühlt. Später schrieb er über den Geist, den die Stadt ausmacht. „Wer sich mit der Historie Londons beschäftigt, kommt an Jack the Ripper nicht vorbei. Es ist ein lebendiger Teil der Stadt mit Querverbindungen zu Gebäuden, Queen Victoria und mehr“, sagt der Autor, der mit 16 Jahren aus einer Laune heraus den Namen des Serienmörders googelte.

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Jack the Ripper ist das Pseudonym eines Serienmörders, dem die Morde an mindestens fünf Frauen im Herbst des Jahres 1888 im Londoner East End zugerechnet werden. Der Mörder wurde nie gefasst, seine mögliche Identität ist auch noch heute Anlass für Spekulationen. Röttgers findet die Zeit spannend, kam mit Tourenführern zum Thema in Kontakt und gab auf deutsch selbst schon Führungen vor Ort. Dort wurde er gefragt, ob es ein Buch zum Thema gibt und ob er nicht Interesse hätte, eines zu schreiben. „Den Begriff kennt man, aber die Fakten kaum. Diese Lücke möchten wir mit unserem Wissen füllen.“ Rein faktenbasiert, nicht reißerisch und lediglich auf den Herbst der Morde konzentriert.

Tatorte sorgen noch heute für eine bestimmte Atmosphäre

„Die Geschichte wird oft reißerisch dargestellt, ist aber eigentlich ganz anders. Wir schauen: Wie konnte das passieren? Welche Umstände gab es damals? Wer waren die Opfer? Das ist sehr spannend, denn das East End war damals mit das Schlimmste, was man sich vorstellen kann“, ergänzt Co-Autorin Dorothee Schröder, die auch schon ein Kinderbuch veröffentlicht hat. Die berühmten Ecken entlang gehen würde noch heute eine Atmosphäre verbreiten, die nach Gesellschaft hoffen lässt. „Diese Atmosphäre wollten wir abbilden.“

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Der Mörder wurde nie gefasst. Die Identität ist bis heute unklar, regt aber weiterhin zu Spekulationen an. Für Röttgers einer der Gründe, warum das Thema Jack the Ripper noch heute so interessant ist. Immer wieder gibt es neue Verdächtige. Er erklärt, dass in der Gesellschaft ein falsches Bild der Person existiert. Die dunkle Silhouette einer Person mit Zylinder und Mantel sei eine verklärte Vorstellung, die über die Jahre entstand. „Bei der Fülle an reißerischen Artikeln war es schwer, herauszuziehen, was stimmt. Er war der erste bekannte Serienmörder der Welt. Das sorgte weltweit für Interesse. Es gibt nur wenig, was man mit Sicherheit weiß“, so Röttgers.

Material zu Jack the Ripper musste übersetzt werden

Viel Material musste übersetzt werden. Hier kommt es schon auf die Wortwahl an. Die Tatorte kennt das Duo nach eigener Aussage schon auswendig nach mehreren Besuchen. Experten zum Thema wurden ebenfalls befragt. „Es war alles da. Wir mussten es nur sichten und in eine vernünftige Chronologie bringen. Es entsteht schnell ein Gespräch bei dem Thema und Diskussionen entstehen über die Geschehnisse. Der Prozess war ein riesiger Spaß“, freut sich Schröder.

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Röttgers war überrascht, wie gut sich die Nächte der Morde rekonstruieren ließen. Bei manchen Opfern sogar minuziös. Zeugenaussagen hielt er nebeneinander und kam nicht drum herum, mit zu raten, wer nun der Mörder gewesen sein könnte. Auch wenn das natürlich weiterhin unklar bleibt. Ein Ausblick und die Auswirkungen der Morde werden im Buch ebenso behandelt.

Weiteres Buch mit London-Bezug aus Letmathe ist bereits geplant

Das Mutter-Sohn-Gespann hat schon ein neues Projekt im Auge: Geistergeschichten spielen in London eine große Rolle und erneut fehlen laut dem Experten die entsprechenden Nachschlagewerke dazu in deutscher Sprache. „Das ist ein spannendes Thema zu dem ich mit Schülern schon eine Tour gemacht habe.“