Lokalpolitik

„Aus Betroffenen Beteiligte machen“

„Die Iserlohner“: Bürgermeisterkandidat Michael Joithe und der 1. Vorsitzende Uwe Albert beim Bürgerdialog im Vereinsheim von Borussia Dröschede.

„Die Iserlohner“: Bürgermeisterkandidat Michael Joithe und der 1. Vorsitzende Uwe Albert beim Bürgerdialog im Vereinsheim von Borussia Dröschede.

Foto: Miriam Mandt-Böckelmann

Dröschede.  Bürgermeisterkandidat Michael Joithe („Die Iserlohner“) läuft sich warm.

Draußen trainiert der Fußball-Nachwuchs des FC Borussia Dröschede, drinnen weht ein Hauch von weiter Welt – und das liegt nicht am schwarz-gelben BVB-Altar hinter der Theke des Vereinsheimes. Es liegt an dem Mann, der während der rund zweistündigen One-Man-Show wie nebenbei Kennedy zitiert: „Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann – frage, was Du für Dein Land tun kannst!“. Michael Joithe, der Spitzenkandidat der Wählergemeinschaft „Die Iserlohner“ hat hier seinen ersten Auftritt, seitdem er zum Bürgermeisterkandidaten nominiert worden ist.

Und so kann das, was Joithe nun bei der monatlichen Gesprächsrunde der Wählergemeinschaft ablieferte, gut und gerne als Wahlkampf-Auftakt verstanden werden: Reden, sich erklären, kommunizieren – das kann der 45-Jährige offenbar. Und so nahm Michael Joithe die rund 20 Zuhörer mit auf einen Parforceritt durch die Unwägbarkeiten der Kommunalpolitik.

Gesamtschule am Seilersee ist ein Millionengrab

Das geht von der neuen Gesamtschule am Seilersee („Eine Fehlentscheidung und ein Millionengrab. Es ist der falsche Standort für eine Schule“) über die dortige prekäre Parkplatzsituation, die Anzahl der städtischen Beigeordneten – eine Stadt wie Iserlohn könnte mit zwei Beigeordneten auskommen – die abgerissene Parkhalle, die in ihrer bisherigen Form gestrichene Einwohnerfragerunde („Ein wichtiges Werkzeug für mehr Transparenz im Rathaus wurde uns einfach genommen“), bis zu alternativen Wohnkonzepten („Die Obere Mühle ist eine Oase, ein Biotop an Lebensmöglichkeiten. Heute sind die Mieter glücklich und das war all unseren Einsatz wert“).

Eines stört Joithe besonders: „Seit zehn Jahren planen wir jedes Jahr fünf bis neun Millionen Euro Schulden zu machen. Wenn ich das als Unternehmer so machen würde, dann würde mir meine Bank ganz schön was erzählen.“

Joithe redet die Menschen atemlos, er kann begeistern, kritisieren und hat auf alles eine Antwort. Und dabei will er die doch eigentlich gar nicht geben. „Wir haben eine andere Herangehensweise. Wir wollen nicht Patentrezepte bieten, sondern alle Betroffene an einen Tisch holen und gemeinsam die Lösung erarbeiten. Wir denken nicht in Parteien, wir denken in Lösungsansätzen.“ Sein Wahlspruch: „Aus Betroffenen Beteiligte machen!“ Trotzdem könne man es nicht jedem Recht machen und „wir wollen auch nicht everybodys darling sein“, so Joithe. Trotzdem: Die Vorteile einer Wählergemeinschaft liegen auch für den 1. Vorsitzenden Uwe Albert auf der Hand: „Wir haben keine Mutterpartei, der gegenüber wir Verpflichtungen haben, wir konzentrieren uns nur auf unsere Stadt. Fraktionszwang und Parteidenken lehnen wir ab.“

Die Besucher nahmen den Kandidaten in die Pflicht: „Haben Sie ein Netzwerk im Rathaus oder Erfahrung in der Verwaltung?“, wollte eine Dame wissen. Kein Problem meint Joithe, und verweist auf seine Aufgaben als Sprecher der Wirtschaftsjunioren, da habe er sich viel mit Verbandsarbeit beschäftigen müssen, auch habe er die Mühlen einer Behörde durch seine sechsjährige Arbeit im Rundfunkrat des WDR kennengelernt. Natürlich sei er kein „gelernter Verwaltungsmann“, aber das schade nicht. „Schließlich haben wir 90 Millionen Euro in zehn Jahren mehr ausgegeben, als wir einnehmen – und das mit einem Verwaltungsexperten an der Stadtspitze“, sagte Joithe. Neue Schulden? Das sei mit ihm ganz bestimmt vorbei. Kurz gesagt: Der Bürgermeisterwahlkampf ist eröffnet!

Bürgerin wünscht sich anderen Wind im Rathaus

Joithes Worte kommen bei den Besuchern an. Cornelia Meyerding ist, wie sie sagt, „eine politisch interessierte Bürgerin“. Sie will sich über Alternativen zu den etablierten Parteien informieren und sagt: „Es muss ein anderer Wind ins Rathaus einziehen. Ich habe das Gefühl, dass sich etwas verändert, die Menschen engagieren sich wieder mehr und mischen sich ein.“ Einen Schritt weiter ist bereits Harry Plautz. Der Iserlohner saß früher selbst zehn Jahre für die CDU im Stadtrat, jetzt unterstützt er „Die Iserlohner“ als Mitglied. Warum? „Es muss mehr Transparenz in der Politik geben. Die Politiker stellen sich zur Wahl und hinterher haben sie keine Zeit für die Bürger.“

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