Corona

Außergewöhnlicher Muttertag in Letmather Altenheimen

Nach sieben Wochen Kontakt über Telefon und Skype war Gabi Ilgert froh,ihre Mutter Elfriede Knips im Altenzentrum St. Kilian sehen zu können.

Nach sieben Wochen Kontakt über Telefon und Skype war Gabi Ilgert froh,ihre Mutter Elfriede Knips im Altenzentrum St. Kilian sehen zu können.

Foto: Torsten Lehmann / IKZ

Letmathe.  Nach teilweise bis zu acht Wochen und einem organisatorischen Kraftakt der Mitarbeiter konnten sich Bewohner und ihre Angehörigen wiedersehen.

Das war wirklich ein außergewöhnlicher Muttertag auch für die drei Altenheime in Letmathe und Oestrich. Und das sowohl emotional für die Bewohner und ihre Angehörigen, die sich zumeist nach acht Wochen das erste Mal wieder, wenn auch mit Abstand, direkt in die Augen schauen konnten, als auch organisatorisch für die Mitarbeiter, die eben das in einem gewaltigen Kraftakt und mit nur wenigen Tagen Vorlauf ermöglichten.

„Für die älteren Menschen ist diese Zeit viel schlimmer als für uns Angehörige, die ja jederzeit raus können: Die sterben an gebrochenem Herzen, nicht an Corona“, findet beispielsweise Gabi Ilgert, die bereits am Samstag ihre 89-jährige Mutter Elfriede Knips im Altenzen­trum St. Kilian besuchte, und denkt dabei unter anderem an die auf das nächste Jahr verschobene Hochzeit ihres Sohnes, bei der die Oma doch so gerne dabei wäre. Vieles sei für ihre Mutter und sie, die sich sonst jeden Tag gesehen hätten, notgedrungen zuletzt auf der Strecke geblieben. Auch wenn die Mitarbeiter des Hauses halfen, wo sie konnten, so auch beim Skypen, das das tägliche Telefonat ergänzte. Um so wichtiger war Gabi Ilgert aber auch der persönliche Besuch zu, wenn auch nicht an Muttertag selbst. „Da waren schon alle Termine vergeben.“ Dafür war sie bereits ein zweites Mal in der Woche da.

„Denn bei uns hat der Muttertag schon am vergangenen Montag begonnen“, berichtete Heimleiter Wolfgang Eberz, dass aufgrund des großzügigen Außengeländes Lockerungen früher möglich und auch nötig waren. „Denn bei 143 Bewohnern hätten wir sonst auch alle Besuchswünsche nicht erfüllen können.“ Bis zu 13 Termine gab es jeden Tag, jetzt noch mal zehn am Wochenende, alles streng nach den Vorschriften, mit strikter Desinfektion, Mundschutz, Aufklärung und vor allem einem Screening, bei dem Erkältungssymptome bei den Besuchern abgefragt wurden. „Und bald messen wir vorsorglich auch noch Fieber“, kündigte Johanna Gabor vom Sozialen Dienst an, die Geräte seien bestellt. Für die insgesamt halbstündigen, stets von einem Mitarbeiter begleiteten Besuche steht neben dem dafür umgestellten Außenmobiliar im Zufahrtsbereich seit Mittwoch zudem im Garten nebenan der „St. Kilians Klön-Treff“ bereit, bestehend aus zwei Pavillonzelten, in denen getrennt durch ein Folienfenster wetterunabhängig die Treffen stattfinden können.

Wie in St. Kilian so wird auch nebenan im Seniorenzentrum Letmathe auf ein Screening und eine strikte Trennung der Wege von Bewohnern und Gästen geachtet. „Ich habe jeweils zwei Mitarbeiterinnen für die zwölf pro Tag möglichen Besuche abgestellt, durch die jeder unser 80 Bewohner theoretisch einmal pro Woche einen Angehörigen sehen kann“, hat Leiterin Ilona Gornischeff zusammen mit ihrem 64-köpfigen Team auch schon in den vergangenen Wochen alles, was sich „an Schreibtischen fernab der Realität in der Pflege“ ausgedacht worden sei, umgesetzt und möglich gemacht. Und auch wenn das vielleicht gar nicht nötig war: „Das ganze Dramatisieren der Zustände mit sozialer Isolation und Suizidgefahr – das ist von den Politikern dermaßen hochgezogen worden.“ Die Bewohner mussten zwar für eine mögliche Rückverfolgung etwaiger Infektionsketten auf ihren Wohnbereichen bleiben, seien sehr gut damit umgegangen: „Es gab keinen, der in irgendwelcher Art und Weise psychisch oder körperlich daran erkrankt ist, nur weil er seinen Angehörigen nicht gesehen hat.“ Das Problem sei mehr emotional auf deren Seite gewesen: „Die möchten mit eigenen Augen sehen: Geht es Mama gut?“ Die Sorge hatte sich Iris Becker nicht gemacht, weiß sie doch ihre Mutter Elisabeth Greiner im Seniorenzentrum in guten Händen und freute sich gestern, sie auch mal wieder näher als nur auf dem Balkon im zweiten Stock sehen zu können. Zumal die 87-Jährige im März im Krankenhaus war, sich aber wieder berappeln konnte: „Da ist es umso schöner, dass wir diesen Muttertag mit ihr erleben können.“

Auch Joachim Renfordt freute sich zusammen mit seiner Frau Bärbel gestern ganz besonders seine Mutter Helma bei guter Gesundheit im Diakoniezentrum Oestrich sehen zu können. „In der vergangenen Woche war sie nämlich wegen Herzrhythmus-Störungen im Krankenhaus, wo wir sie nicht besuchen konnten.“ Obwohl die 85-Jährige deswegen jetzt zurück im Heim in Quarantäne musste, war ein Besuch dank der offenen Bauweise des Zentrums problemlos möglich. Auch in Oestrich waren so schon die ganze Woche Besuche der 48 Bewohner möglich. „Und für schlechtes Wetter haben wir unser Café jetzt entsprechend hergerichtet“, berichtete Leiterin Veronika Kaiser. Natürlich werde dabei auf die Einhaltung von Abstand und Hygiene geachtet, aber immer auch mit Augenmaß: „Wir wollen die Welt nicht komplizierter machen, als sie ohnehin schon ist.“

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