Hospiz

Autorin möchte etwas Dauerhaftes für Iserlohn hinterlassen

| Lesedauer: 7 Minuten
Susanne Hilpke arbeitet im Hospiz Mutter Teresa in Letmathe an der Publikation ihrer Texte für Kinder und Erwachsene. Eine wiederkehrende Figur ist die „kleine Haselmaus“.

Susanne Hilpke arbeitet im Hospiz Mutter Teresa in Letmathe an der Publikation ihrer Texte für Kinder und Erwachsene. Eine wiederkehrende Figur ist die „kleine Haselmaus“.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  Susanne Hilpke (80) ist unheilbar erkrankt. Jetzt sucht sie Unterstützung um ihre Gedichte und Geschichten zu veröffentlichen.

Viele Künstler und Autoren sind erst nach ihrer Lebenszeit zu Ruhm gelangt. Susanne Hilpke erwartet nicht, auf diese Weise die nächste Annette von Droste-Hülshoff zu werden – dafür ist die 80-jährige Iserlohnerin viel zu bodenständig. Aber es würde sie freuen, wenn eine Auswahl ihrer Gedichte und Geschichten professionell veröffentlicht würde. Im besten Fall könnte sie die ersten Exemplare eines solchen Buchs noch eigenhändig signieren.

Wie viel Zeit dafür bleibt, weiß niemand genau. Vor zwei Wochen hat Susanne Hilpke ein Zimmer im Hospiz Mutter Teresa bezogen. Sie leidet an einer unheilbaren Blutkrebsvariante, gegen die sie seit vier Jahren kämpft. „Ich dachte lange, wir haben das im Griff. Insgeheim wusste ich von der Schwere der Krankheit, aber man denkt ja nicht zu viel darüber nach“, reflektiert die Iserlohnerin. Als vor einiger Zeit klar wurde, dass sie den Kampf in absehbarer Zeit verlieren wird, habe sie das „trotzdem umgehauen“.

Ihre liebsten Märchen sind die von Andersen

Beim Besuch der Heimatzeitung ist Susanne Hilpke bemerkenswert gefasst, sogar gut gelaunt. „Man muss das akzeptieren“, sagt sie nach kurzem Überlegen zu der Frage, was sie aus ihrer Situation mache. Religiosität scheint dabei nur ein Teil der Antwort zu sein – sie besitze so etwas wie eine „innere Frömmigkeit“, sei aber nie Kirchgängerin gewesen. Ob und wie es nach dem Ende ihres irdischen Daseins für sie weitergeht, lässt sie ohne feste Überzeugung in die eine oder andere Richtung auf sich zukommen, so scheint es.

Entscheidend für den bewundernswerten Umgang mit ihrem Los sind drei Aspekte: Erstens ist Susanne Hilpke eine starke Persönlichkeit, die in ihrem Leben schon viele Krisen gemeistert hat. Von Kindesbein an, könnte man sagen. Sie liebe vor allem die Märchen des dänischen Dichters Hans Christian Andersen, erzählt sie, und entgegnet auf die Anmerkung, dass diese oft sehr ernst und traurig seien: „Wir haben als Kinder nach dem Krieg ja auch Traurigkeit erlebt.“ Erinnerungen an den Hunger und ihre Eltern, die sich für einen Kohlkopf oder eine Möhre in lange Schlangen stellten, prägten ihr späteres Denken und Handeln.

Im Hospiz ist sie „zur Ruhe gekommen“

Sie hat aber auch schöne Erinnerungen, zum Beispiel die Süßigkeiten der britischen Soldaten. Damals habe sie gelernt: „Man muss dankbar sein für Kleinigkeiten.“ Als sie bei einer Weihnachtsfeier ihren ersten Micky-Maus-Film sieht, ist das eine „überwältigende“ Erfahrung. „Wir hatten nicht viele Bücher damals, aber die kannte ich auswendig“, berichtet sie und nennt unter anderem Heinrich Heine als einen ihrer Lieblingsautoren.

Im Hospiz geht es ihr zweitens vergleichsweise gut, weil sich ihre Familie kümmert. „Mein Mann, mein Sohn, meine Schwiegertochter und meine beiden Enkel, die Prachtburschen“, zählt sie auf. Als letztere noch klein waren, habe sie noch Gute-Nacht-Geschichten erzählt: „Oma, weißt du noch eine?“, erinnert sie sich an die Zugabe-Wünsche der Kleinen. „Manchmal habe ich mir dann noch schnell eine ausgedacht“, verrät sie und lacht.

Ihre gute Laune hat nicht zuletzt auch etwas mit dem Hospiz selbst zu tun. Susanne Hilpke ist froh dort einen Platz bekommen zu haben: „Ich bin sehr warm aufgenommen worden und fühle mich behütet. Ich weiß, das mag komisch klingen, aber hier im Hospiz bin ich zur Ruhe gekommen.“ Das sagt sie vor allem mit Blick auf die Zeit, die sie zuvor in Kliniken verbracht hat.

Eine Illustratorin hat sie schon an ihrer Seite

Jetzt hat sie sich selbst „noch mal eine kleine Aufgabe gestellt“ und sucht nach Sponsoren und Unterstützern für eine Veröffentlichung. Manche ihrer Texte richten sich an Erwachsene, aber am liebsten erfreut sie Kinderherzen. Als sie vor vielen Jahren einen Abschluss per Fernstudium in Psychologie und Sozialpädagogik vorbereitete, verbrachte sie dafür einige Zeit in einem Kindergarten, berichtet sie. „Den Kindern musste ich nur beim Spielen zusehen, das war genug Inspiration“, sagt sie lächelnd. „Schreiben und Geschichten erzählen, das hat immer Spaß gemacht.“

Mechthild Richelshagen, ehrenamtliche Helferin im Hospiz, hat eine künstlerische Ausbildung genossen und steht Susanne Hilpke zur Seite. Bleistiftskizzen der 80-Jährigen hat sie liebevoll koloriert, darunter eine wiederkehrende Figur in den Geschichten: die kleine Haselmaus. Die mag in Iserlohn bereits eine gewisse Bekanntheit genießen, denn Susanne Hilpke hat so manchen Text heimischen Kindergärten zur Verfügung gestellt oder in einer Stadtteilzeitschrift veröffentlicht. Wer bei ihrem letzten Projekt helfen möchte, erreicht das Hospiz unter 02374/9219710. Für Susanne Hilpke ist ihr Werk schon jetzt ein Trost: „Man verschwindet nicht ganz“, ist sie überzeugt.

>>> Eine Kostprobe der Autorin<<<

„Die kleine Haselmaus schreibt an das Christkind“


Eine kleine Haselmaus holt Bleistift und Papier heraus, denn es wird so langsam Zeit, daß sie an das Christkind schreibt.

In der Ecke am Kamin setzt sie sich gemütlich hin, zündet auch ein Kerzchen an, damit sie gut sehen kann.

Lange überlegt sie dann, was sie alles wünschen kann, schreibt danach auf das Papier, „Liebes Christkind, bringe mir:

eine Puppe, hübsch und fein, einen Wagen, nicht zu klein, und dazu ein weiches Kissen, weil auch Püppchen schlafen müssen;

einen braunen Teddybär und ein Spiel, nicht allzuschwer, auch möcht’ ich Dich herzlich bitten, schenk’ mir einen schönen Schlitten, Ringelsocken, warme Schuh’, Zipfelmütze noch dazu, eine lange Eisenbahn und zum Spielen einen Kran, ganz zum Schluß ein Buch zum Lesen und ‘nen neuen Reisigbesen, Äpfel, Nüsse, Marzipan, Süßes, das man naschen kann, liebes Christkind glaube mir, alles das, das wünsch’ ich mir.“

Also schreibt die Haselmaus, bläst danach das Kerzchen aus und legt ihren Brief noch hin auf das Tischchen am Kamin.

Müde ist die Haselmaus nun in ihrem Mäusehaus, krabbelt in ihr Bettchen rein und schläft augenblicklich ein.

Als sie schläft in dieser Nacht, kommt ein Engelein ganz sacht, nimmt das Briefchen, steckt es ein, fliegt hinaus im Mondenschein.

Fliegt hinauf in weite Fernen, weiter noch als zu den Sternen, bringt den Brief der Haselmaus in des Christkinds Himmelshaus.

Das Christkind nimmt das Briefchen an, es lächelt lieb und schickt sodann dem Haselmäuschen einen Traum vom allerschönsten Weihnachtsbaum.

Im Traume kann das Püppchen lesen und tanzt mit einem Reisigbesen, und mit der Bahn fährt kreuz und quer ein kuschlig-brauner Teddybär.

Das Haselmäuschen schläft so süß und träumt vom Weihnachtsparadies, in dem das Christkind lieb und mild ihm alle Wünsche gern erfüllt.

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