Bahnhof

Bahnhof frustriert die Fahrgäste

Ursprünglich für den Winter 2015/16 aufgestellt, bieten die Häuschen längst keinen Schutz mehr.

Foto: Oliver Bergmann

Ursprünglich für den Winter 2015/16 aufgestellt, bieten die Häuschen längst keinen Schutz mehr. Foto: Oliver Bergmann

Letmathe.   Hauptkritikpunkte sind die langen Wege, der Komfort und der Baufortschritt. Das hat die Heimatzeitung bei einer Umfrage am Bahnhof erfahren.

Die Erleichterung war groß, als im Sommer 2015 mit der Sanierung des Bahnhofs Letmathe begonnen wurde. Den Gestank in der Unterführung und das undichte Bahnsteigdach hatten Pendler und Reisende einfach satt. Vor nunmehr zweienhalb Jahren konnten sie auch noch nicht ahnen, dass alles noch schlimmer kommen würde. Jetzt hat Letmathe einen halb fertigen – oder je nach Ansichtssache einen halb kaputten – Bahnhof.

„Mir hat der Bahnhof früher besser gefallen. Er war zwar nicht schön, aber praktischer“, sagt ein Fahrgast auf dem Bahnsteig am frühen Freitagnachmittag zur Heimatzeitung. Was ihn viel mehr stört: Die langen Wartezeiten am Bahnübergang Stenglingser Weg. „Seitdem die Fußgängerbrücke weg ist, bleibt als Alternative nur noch der kleine Bahnübergang an der Bergstraße.“ Der derzeitige Zustand wäre nicht so schlimm, wenn wenigstens etwas passieren würde – sagt eine Frau aus Werdohl. „Aber hier tut sich ja gar nichts.“ Sie steigt auf dem Weg zur Arbeit regelmäßig in Letmathe um. „Zwischen Weihnachten und Neujahr stand ich hier morgens um 7 Uhr völlig alleine in der totalen Dunkelheit, weil das Licht nicht eingeschaltet war. Schön war das nicht.“

Bahnsteig ist eigentlich zu schmal für einen Zughalt

Kurz darauf kommen zwei junge Männer aus Nachrodt den Bahnsteig entlang gelaufen. Der weite Weg ist das, was ihnen spontan als besonders störend einfällt. „Wenn die Linie 37 Verspätung hat, verpassen wir hier oft unseren Anschluss. Würde die Bahn im Bereich der Zugänge abfahren, würde uns das nicht so häufig passieren.“ Der Haltepunkt am westlichen Bahnsteigende ist nicht nur ärgerlich, sondern auch gefährlich. „Der Bahnsteig wird zum Ende hin immer schmaler und die provisorischen Unterstände nehmen zusätzlich Platz weg“, kritisiert ein Lokführer. Die haben natürlich auch eine Antenne für die Stimmung auf dem Bahnhof und leiden mit. „Hier ist in Anspielung auf ,Stuttgart 21’ längst von ,Letmathe 37’ die Rede. Und viele vergleichen den Bahnhof mit dem Berliner Flughafen“, sagt ein Kollege und schüttelt mit dem Kopf. „Wir sehen doch auch den Baufortschritt an anderen, größeren Bahnhöfen, die modernisiert werden. Eigentlich hätte dieser hier nach drei, vier Monaten fertig sein müssen.“

Etwas mehr Zeit, nämlich anderthalb Jahre, hatte die Deutsche Bahn schon einkalkuliert. Ende 2016 hätte das Thema eigentlich erledigt sein sollen. Ein dritter Lokführer glaubt den Grund für das Dilemma zu kennen: „Die Bahn sucht sich immer den billigsten Anbieter. Und wenn der pleite ist, kommt der Nächste.“ Dann zeigt er auf das weiße Schild mit dem schwarzen „H“ neben dem Gleis: „An dieser Stelle müssen wir halten. Das Schild sollte schon vor einem Jahr wieder an seinen ursprünglichen Platz umgesetzt werden. Aber ohne funktionierende Beleuchtung wird das nichts. Der Witz an der Sache ist, dass die Beleuchtung längst angeschlossen ist, aber die Abnahme steht noch aus.“

Auf den Bahnhof ihrer Heimatstadt könne sie nicht stolz sein, sagt eine junge Letmatherin. Sie ahnt schon, dass sich an dem mangelhaften Komfort nichts ändern wird. „Wenn es regnet, muss ich mich in diese Häuschen stellen, die ihren Zweck aber überhaupt nicht mehr erfüllen. Ich habe auch schon einmal unter dem neuen Dach gestanden. Aber wenn der Wind weht und der Regen von der Seite kommt, werde ich trotzdem nass.“

Auch Abellio, seit mehr als zehn Jahren auf der Ruhr-Sieg-Strecke mit den silbernen Triebwagen unterwegs, ist in die Kritik geraten. Davon erzählt ein weiterer Bahnfahrer: „Es wird ja immer durchgesagt, dass der hintere Zugteil nach Iserlohn fährt. Aber häufig ist die Bahn nur mit einem Triebwagen unterwegs.“ Die Fahrgäste müssten sich dann auf Bahnsteig 1 begeben, wo sie dann in einen bereitgestellten Wagen einsteigen könnten. „Da frage ich mich doch, warum die Züge nicht grundsätzlich dort halten. Dann wäre der Bahnhof zumindest etwas barrierefreier.“

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