Namensänderung

„Bahnhof Letmathe“ hat ausgedient

Der Bahnhof Letmathe hat den Zusatz „Iserlohn“ erhalten. Mit der Herstellung neuer Schilder ist die Angelegenheit aber noch lange nicht erledigt.

Der Bahnhof Letmathe hat den Zusatz „Iserlohn“ erhalten. Mit der Herstellung neuer Schilder ist die Angelegenheit aber noch lange nicht erledigt.

Foto: Oliver Bergmann

Letmathe.   Wirklich alles ist neu am Bahnhof: Bahnsteige, Treppen, demnächst auch Aufzügen – und der Name. Es ist ein Schritt, der gut überlegt sein will, wie sich zeigt.

Wir wissen nicht, ob Helga Bayertz schon einen Termin im Tonstudio hat – oder gehabt hat. Die Berlinerin, die uns in den Zügen auf der Ruhr-Sieg-Strecke ankündigt, wo der Zug als nächstes hält, gab am Freitagmorgen in der RB91, die gerade den Haltepunkt Dechenhöhle hinter sich gelassen hat, wie gewohnt durch: „Nächste Station: Letmathe“. Doch damit müsste es eigentlich bald vorbei sein, denn: Der Bahnhof Letmathe heißt jetzt „Iserlohn Letmathe“.

Im Zuge der umfangreichen Sanierung des Bahnhofs ist diese Namensänderung erfolgt. Dadurch ergeben sich auch Fragen. Hat die Bahn nach mehr als 40 Jahren etwa bemerkt, dass die kommunalen Grenzen neu gezogen worden sind? Aber warum dürfen dann Stationen wie Hohenlimburg oder Ergste ihre Namen behalten, obwohl die Orte inzwischen zu Hagen beziehungsweise Schwerte gehören? Und was halten eigentlich die Fahrgäste von dieser Neuerung?

Namensänderung vom NWL in Auftrag gegeben worden

Der Reihe nach: Die Deutsche Bahn ist in dieser Sache nicht der Taktgeber, obwohl ihr der Bahnhof gehört, sondern der Verkehrsverbund – also der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL). „Die Verkehrsverbunde entscheiden darüber, wer auf den Schienen in seinem Bereich fahren soll, wie viele Zugbegleiter an Bord sein sollen und wie die Stationen heißen sollen. Wir werden erst tätig, wenn wir dazu beauftragt werden“, erklärt ein Bahnsprecher und verweist an seinen Kollegen Ulrich Beele vom NWL: Er erklärt „Es gab mal vor vielen Jahren eine Initiative des NRW-Verkehrsministeriums wegen veralteter Bahnhofsbezeichnungen. Diese verfolgen wir weiter, aber nur, wenn sich Anlässe ergeben.“

Niemand dürfte abstreiten, dass eine Modernisierung kein Anlass ist. Aber konsequent wird nicht vorgegangen. Ein Blick in den Iserlohner Norden zeigt es doch: Der Bahnhof Kalthof ist im Laufe des vergangenen Jahres ebenfalls optisch und technisch im 21. Jahrhundert angekommen. Der Zusatz „Kr Iserlohn“ für den längst nicht mehr existierenden Kreis ist geblieben.

Grundsätzlich werden auf Stadtteilbahnhöfen und Haltepunkten der Ortsname groß- und der Name der Stadt klein geschrieben. Um Verwirrungen vorzubeugen, wie es seitens der DB heißt. Im Fall Letmathe könnte es damit aber jetzt erst so richtig losgehen. Das erfuhr die Heimatzeitung von Fahrgästen direkt auf dem Bahnsteig. Eine Frau, die beruflich täglich zwischen Hagen und Siegen, manchmal auch Iserlohn unterwegs ist, bringt wieder Ansagerin Helga Bayertz ins Spiel. „Ich bekomme das Problem immer wieder bei Fahrgästen mit, die nach Kreuztal wollen. Der Zug hält aber in Fahrtrichtung Siegen zuerst in Kreuztal-Littfeld. Die Leute hören nur Kreuztal, nicht den Zweitnamen und steigen dadurch am falschen Haltepunkt aus. Bis sie das bemerkt haben, fährt der Zug häufig bereits wieder weiter.“

Wo bin ich? Verwirrung bei Ortsfremden befürchtet

Letmathe, weiß sie aus Erfahrung, ist durch die Teilung der Züge in Richtung Iserlohn/Siegen und durch die Verbindung in Richtung Ruhrgebiet ein sensibler Knotenpunkt. Sie ist sich sicher: „Wenn jetzt hier in Letmathe auch noch der Name Iserlohn auftaucht, ist die Verwirrung perfekt.“ Ein junger Mann, der ihre Argumente mithört, stimmt ihr zu. „Es könnte angenommen werden, hier sei schon Iserlohn.“ Durch den kleingedruckten Stadtnamen und den erheblich größeren Ortsnamen, sagt die Bahn, soll dieses Problem eigentlich vermieden werden.

Eine andere Frau, offenbar nicht aus der Gegend, reagierte überrascht auf die Frage, ob der Namenszusatz eine Bedeutung für sie habe. „Ich dachte, Letmathe sei eine eigene Stadt, immerhin hat es eine eigene Postleitzahl und eine eigene Vorwahl.“ Für einen anderen jungen Mann hat die Umbenennung überhaupt keine Bedeutung. „Letmathe gört seit zig Jahren zu Iserlohn. Es ist doch egal, was am Bahnhof steht.“

Er ist wahrscheinlich auch nicht derjenige, der jetzt dafür sorgen muss, dass überall, wo bislang der Bahnhofsname „Letmathe“ auftauchte, künftig „Iserlohn Letmathe“ zu hören und zu lesen sein wird. Und für die damit verbundenen Kosten wird er wohl auch nicht aufkommen müssen – zumindest nicht direkt. Denn letztendlich wird dafür auch der Steuerzahler zur Kasse gebeten. NWL-Sprecher Ulrich Beele: „Neben den gedruckten Fahrplänen und sämtlichen Unterlagen müssen auch die elektronischen Medien aktualisiert werden. Die elektronische Fahrplanauskunft ,efa’ lässt sich zum Beispiel nur sehr aufwendig umprogrammieren.“

Für den Haltepunkt Letmathe-Dechenhöhle soll es aktuell keine Überlegungen zu einer Umbenennung geben. „Iserlohn Letmathe-Dechenhöhle“ – das Stationsschild wäre dann beinahe so lang wie der Bahnsteig.

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