Bahnhof Letmathe

„Bahnhof wird ein Vorzeigemodell“

„Der Letmather Bahnhof wird ein Vorzeigemodell", ist sich der künftige Eigentümer Manfred Kissing sicher.

„Der Letmather Bahnhof wird ein Vorzeigemodell", ist sich der künftige Eigentümer Manfred Kissing sicher.

Foto: IKZ

Letmathe.   Er konnte nicht mitansehen, wie der Bahnhof Letmathe dem Verfall oder Abriss preisgegeben schien: Architekt Manfred Kissing fand ein Modell, wie man dem historischen Gebäude neues Leben einhauchen kann.

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Auch wenn die Kaufvertragsformalitäten mit der Stadt Iserlohn noch nicht ganz abgeschlossen sind: Der Letmather Architekten Manfred Kissing (59) wird der zukünftige Eigentümer des Letmather Bahnhofs sein. Noch in diesem Jahr will er mit dem Umbau des historischen Gebäudes beginnen. Ende nächsten Jahres soll das stadtbildprägende Baudenkmal dann schon mit Leben erfüllt sein.

Herr Kissing, warum kaufen Sie den Bahnhof?

ch sehe das Gebäude jeden Tag, wenn ich zur Arbeit und nach Hause fahre. Und ich musste über Jahre feststellen, dass dort nichts passiert. Als dann die Sorge dazu kam, dass der Abriss droht, habe ich mich dahinter geklemmt.

Hatten Sie sofort eine Vorstellung, was man aus dem Bahnhof machen könnte?

Nein. Ich kenne mich zwar mit Altbausanierung aus. Aber man kann solche Bauten nur retten, wenn man Mieter dafür hat. Da ich schon öfter mit Objekten für Behindertenwohngruppen zu tun hatte, kam ich auf die Idee, in diese Richtung zu denken. Als ich von Freunden hörte, dass der Psychosoziale Trägerverein eine Wohnung sucht mitten im Leben einer Stadt, da war die Idee geboren.

Sie suchten das Gespräch mit der Stadt?

Ja. Und ein glücklicher Zufall wollte es, dass auch die Iserlohner Werkstätten Räume für ein Projekt suchten. Das ergänzte sich so wunderbar, dass wir aus dem Bahnhof ein Vorzeigemodell machen können. Früher wurden Behinderte oft ins Abseits gedrängt, sie möchten aber mitten im Leben stehen. Das können wir jetzt vorbildhaft am Bahnhof Letmathe umsetzen.

Ist bei Projekten mit Behinderten in so exponierter Lage nicht mit Vorbehalten der Bevölkerung zu rechnen?

Nein. In anderen Städten gibt es Cafés, die von Menschen mit Behinderung betrieben werden, beispielsweise auch in Lüdenscheid und Werl. Diese Cafés sind bei allen sehr beliebt. Das liegt nicht zuletzt an der freundlichen, herzlichen Atmosphäre, die Menschen mit Behinderung in besonderer Weise ausstrahlen. Das werden die Letmather sehr schnell merken. Es wird eine Bereicherung für alle sein.

Wie wird das Bahnhofsgebäude konkret genutzt werden?Da, wo jetzt das alte Getränkelager abgerissen worden ist, wird es eine Außengastronomie geben, auch eine Boule-Bahn ist angedacht. Neben der Gastronomie im Erdgeschoss wird die Redaktion einer anspruchsvollen, bundesweit vertriebenen Zeitschrift arbeiten, die von Behinderten erstellt wird. Im Obergeschoss zieht eine Wohngemeinschaft von Männern mit Behinderung ein.

Wird man im Bahnhof künftig wieder Bahnfahrkarten kaufen können?

Das könnte ich mir vorstellen, ist aber offenbar mit der Stadt als Mieter noch nicht geklärt. Auf jeden Fall wird die Firma Abellio dort Räume nutzen. Der hässliche Bürocontainer am Bahnsteig kann dann verschwinden.

Wird sich das Bahnhofsgebäude äußerlich verändern?

Der Charakter des Gebäudes wird erhalten bleiben. Allerdings werde ich den kleinen Anbau auf der Westseite, der ursprünglich mal als Toilettentrakt gebaut worden war, gleich zu Beginn der Umbauarbeiten abreißen lassen. Dann wird der Durchgang, der von vielen als Angstraum empfunden wird, breiter und heller. Außerdem prüfen wir, ob das ungenutzte bahnbetriebstechnische Nebengebäude nicht auch abgerissen werden kann. Hier wäre dann vielleicht Platz für Fahrradabstellplätze oder Ähnliches, was man mit dem neuen Radweg Lenneroute verbinden könnte.

Man hört, Sie wollen das Gebäude unter Denkmalschutz stellen lassen.

Ja, und das nicht nur aus steuerlichen Gründen. Es handelt sich ja schließlich um ein stadtbildprägendes Gebäude mit langer Geschichte, das im Original erhalten geblieben ist.. Der Bahnhof Letmathe ist 1860 in einem für damalige Verhältnisse recht prunkvollen Stil gebaut worden, an einem sehr wichtigen Punkt der Ruhr-Sieg-Strecke, als Bahnhof für das aufstrebende Letmathe, aber auch für Iserlohn. Den Stellenwert des Gebäudes erkennt man übrigens auch an den verwendeten hochwertigen Baumaterialien. Der Bahnhof ist unbedingt erhaltenswert.

Sagen Sie das als Architekt, der gerne Altbauten saniert, oder als heimatverbundener Letmather?

Sowohl als auch. In erster Linie engagiere ich mich hier als Privatmann. Ich bin sehr froh, dass ich mit der Stadt als Hauptmieter und den Einrichtungen für Behinderte ein langfristiges Vermietungskonzept aushandeln konnte, das das Ganze finanzierbar macht.

Wird die historische Bedeutung des Bahnhofs künftig sichtbar sein?

Ja, und zwar nicht nur am Gebäude selbst. Ich möchte gern im Bahnhof eine ständige Fotoausstellung einrichten. Wer noch alte Fotos vom Bahnhof hat, kann sich gern mit mir in Verbindung setzen

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