Ortsleben

Bei „Dröschede hilft“ fehlt die Nachfrage

Dorfsprecherin Monika Stockmann erläutert im ehemaligen VHS-Pavillon (Rauhe Hardt) das Projekt "Dröschede hilft", bestehend aus Tauschring und Taschengeldbörse und diskutiert mit einem Dutzend Teilnehmern.

Dorfsprecherin Monika Stockmann erläutert im ehemaligen VHS-Pavillon (Rauhe Hardt) das Projekt "Dröschede hilft", bestehend aus Tauschring und Taschengeldbörse und diskutiert mit einem Dutzend Teilnehmern.

Foto: Alexander Barth

Dröschede.  Angebote von Helfern liegen schon vor. Das Projekt muss noch angeschubst werden, glaubt Monika Stockmann

Im Dorf soll es wieder mehr Gemeinschaft geben. „Das, was unserer Welt ein wenig fehlt“, fasst Dorfsprecherin Monika Stockmann in Worte, was vielen heute auf dem Herzen liegt. Oft ist es schwer greifbar, mehr ein Gefühl als eine sachliche Analyse. Vor allem die Älteren beklagen ihn, diesen Mangel an Zivilgesellschaft im kleinsten Maßstab, und meinen damit mehr als den Allgemeinplatz, dass früher alles besser gewesen sei. Ganz konkret ist es die Kultur von Nachbarschaftlichkeit, das Füreinander-Dasein und Aufeinander-Achtgeben, die ein Stück weit verloren gegangen sind, weil man nicht mehr so eng vernetzt ist oder sich schlichtweg gar nicht mehr persönlich kennt. Im Ergebnis bleiben einige hilflos in Situationen zurück, die mit einer helfenden Hand leicht zu lösen wären.

Monika Stockmann und ein paar Gleichgesinnte wollen Abhilfe schaffen und lassen nicht locker bei ihrem Projekt „Dröschede hilft“, das die nachbarschaftliche Hilfe institutionalisieren und dadurch beleben soll (wir berichteten). Seit der ersten Ideensammlung im August haben sich einige Unterstützer und Interessierte gefunden, denen die Dorfsprecherin vergangene Woche im ehemaligen VHS-Pavillon ihre Pläne vorgestellt hat. Die schlechte Nachricht zuerst: Noch ist die Resonanz verhalten, die Leute stehen nicht gerade Schlange, um mitzumachen. „Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit, noch ist es etwas holprig“, räumt Monika Stockmann ein. Die gute Nachricht mag überraschen: Diejenigen, die sich gefunden haben, wollen alle helfen – was fehlt, sind geeignete Empfänger.

Dass es davon im Dorf genügend gibt, ist kaum zu bezweifeln. Im Grunde zeigt sich hier genau der wunde Punkt, an dem das Projekt ansetzen soll: bei der Vermittlung. Wie die funktionieren soll, dazu hatten die hilfsbereiten Dröscheder durchaus noch so manche Frage, deshalb hat Monika Stockmann noch einmal genau erklärt, wohin die Reise gehen soll. Zunächst sind es tatsächlich zwei Plattformen, die aufgebaut werden sollen: eine Taschengeldbörse und die Nachbarschaftshilfe.

Das Projekt soll keine Jobvermittlung werden

Erstere richtet sich an Jugendliche, die mit kleineren Arbeiten ihr Taschengeld aufbessern wollen. „Den Rasen mähen, einen Einkauf erledigen, Sachen aus dem Keller hochtragen“, nennt Monika Stockmann drei nahe liegende Beispiele. Besonderes Gewicht legt sie dabei auf der reinen Vermittlerrolle, die das Team von „Dröschede hilft“ einnimmt und dass es sich um einmalige oder bestenfalls gelegentliche Aufgaben überschaubaren Ausmaßes handeln soll. „Es sollen keine Arbeitsverhältnisse entstehen, wir sind keine Jobvermittler. Die Details machen die beiden Parteien unter sich aus, wir stellen nur den Kontakt her.“

Bei der Tauschbörse soll überhaupt kein Geld fließen, vielmehr sollen ausschließlich „Arbeitsstunden“ getauscht werden. Damit verdienen sich Hilfeleistende Punkte, die sie wiederum für Hilfe von anderen einlösen können. „Dahinter steht aber kein Zwang“, betont die Dorfsprecherin. Wer also sein Anfangsguthaben ausgibt, ist nicht verpflichtet, diese Punkte wieder zu „erarbeiten“. So oder so könne es nicht darum gehen, bei der Verrechnung „päpstlicher als der Papst“ zu sein. Das Projekt soll in erster Linie Menschen in Kontakt bringen.

„Den Datenschutz müssen wir gewährleisten“, macht Monika Stockmann auf einen weiteren Fallstrick aufmerksam, an dem die gute Sache nicht scheitern soll. Auch Missbrauch müsse aufgedeckt und geahndet werden – den Hund zum Aufpassen abgeben und nicht mehr abholen oder eine komplette Renovierung in Auftrag geben, solche Verstöße dürften nach den bisherigen Überlegungen nur eine Konsequenz nach sich ziehen: „Dann wird man vom Tauschring ausgeschlossen. Gewerbliche Arbeiten zu verrichten ist nicht Sinn der Sache.“

Blumenladen soll zur ersten Anlaufstelle werden

Zwei Herausforderungen muss das Vorhaben noch bewältigen: Die praktische Durchführung und die Annahme im Dorf. Beides ist noch im Werden, als erste Anlaufstelle soll bis auf Weiteres der Blumenladen „Blüte & Stil“ von Konstanze Kappenstein am Hellweg 1 dienen, dort soll noch ein Aushang angebracht werden. Um das Projekt zu bewerben, diskutierten die Anwesenden das Verteilen von Flyern, eine Idee, die sich des Aufwands wegen nicht durchsetzte. „Solche Zettel im Briefkasten werden meistens ungelesen weggeworfen. Am besten ist immer noch Mundpropaganda“, gab Kai Uwe Herget zu bedenken.

Für andere Fragen gibt es schon Antworten, so sollen etwa die „Verwalter“ jeden Monat einen kleinen Prozentsatz des Punkteguthabens der Teilnehmer als Ausgleich für die so investierte Zeit erhalten. Das ganze müsse jetzt nur ordentlich angeschubst werden, zeigte sich Dorfsprecherin Monika Stockmann zuversichtlich, dann werde sich die Sache verselbstständigen: „Das hat anderswo auch funktioniert“, sagt sie mit Blick auf Vorbilder in anderen Städten. Bis zum nächsten Treffen am Dienstag, 5. November, 19 Uhr im ehemaligen VHS-Pavillon an der Rauhen Hardt will sie das Konzept verschriftlichen.

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