Glaube

Boangos sind in Letmathe angekommen

Nathalie, Sedon, Emmanuel und Mercis (v. li.) Boango nehmen alle Herausforderungen an.

Nathalie, Sedon, Emmanuel und Mercis (v. li.) Boango nehmen alle Herausforderungen an.

Foto: Annabell Jatzke

Letmathe.  Die Pastoren-Familie aus dem Kongo wagt ein großes Abenteuer und bekommt viel Unterstützung.

Bereits 2010 bei einem Partnerschaftsbesuch im Kongo fiel Pfarrer Burckhardt Hölscher Emmanuel Boango auf. Er beschreibt ihn damals wie heute als einen intelligenten Mann. Dass er fast genau zehn Jahre später als ökumenischer Mitarbeiter nach Letmathe kommt, hätte damals keiner gedacht. Auch Pastor Emmanuel Boango hätte es sich keinesfalls träumen lassen, auf welches Abenteuer seine Familie und er sich begeben.

Am 22. Dezember war es endlich soweit, die Boangos kamen in Letmathe an. Der schwerste Schock stand ihnen gleich zu Beginn ihres Aufenthalts bevor. Im Kongo waren es zur Zeit des Abflugs ungefähr 28 bis 30 Grad. Im fernen Deutschland erwarteten die Familie Minustemperaturen, auf die sie sich erst einmal einstellen musste. Ansonsten sind die Boangos sehr anpassungsfreudig. Kaum ein negatives Wort über ihre neue Heimat auf Zeit kommt ihnen über die Lippen, weder Emmanuel Boango noch den Kindern. Stattdessen zeigen sie sich begeistert. Am beeindrucktesten ist die Tatsache, dass es Strom und fließendes warmes Wasser gibt, wann immer man es braucht. Auch wenn die Globalisierung dafür sorgt, dass es in Afrika auch Fortschritte gibt, Strom oder fließend Wasser sucht man in der Heimat der Boangos vergeblich.

Eine ganze Gruppe steht für Hilfen bereit

Dass die Boangos sich in Letmathe innerhalb kürzester Zeit sehr gut eingelebt haben, ist den engagierten Helfern zu verdanken. „Familie Zimmermann, Familie Strombach, Familie Hundshagen, Heike Völk­ner, Dr. Ute Müller und Georgette Rau“, zählt Pfarrer Burckhardt Hölscher die wichtigsten unter vielen auf. Auch die Begleitgruppe mit zehn bis zwölf Mitgliedern, die sich regelmäßig trifft, und die Neuankömmlinge bei allem unterstützt, ist ein wichtiger Bestandteil dafür, dass die Familie schnellstmöglich inte­griert wird. Ein ebenso wichtiger Schlüssel zur Integration ist die Verständigung. Im Kongo werden vier verschiedene Sprachen gesprochen, im Norden ist es Lingala. Französisch ist die Amtssprache, und auch etwas Englisch sprechen die Boangos. Ansonsten wird momentan noch mit Händen und Füßen kommuniziert. Damit dies bald ein Ende hat, besuchen Emmanuel und Nathalie Boango von montags bis freitags eine Sprachschule in Dortmund. Ende Juni hoffen beide, ihr Zertifikat zu erwerben.

Kindern fällt die Integration meist ohnehin leichter. Der 16-jährige Sedon besucht das Berufskolleg in Letmathe und sein drei Jahre jüngerer Bruder Surpradi geht auf die Hauptschule. An beiden Schulen gibt es jeweils eine Inte­grationsklasse, in der sprachliche Barrieren abgebaut werden. Mercis, das sechsjährige Küken der Familie, geht in die Grundschule. Neben der Sprache ist bei den drei Jungs ganz klar das runde Leder der Schlüssel zur Verständigung. Alle drei spielen bereits bei ASSV Letmathe Fußball.

Wenn Emmanuel Boango dann sein Sprachzertifikat in den Händen hält, soll auch die eigentliche Arbeit beginnen. In der evangelischen Kirchengemeinde Letmathe soll der 48-Jährige in der Seelsorge und in Gottesdiensten eingesetzt werden. Wenn es sprachlich machbar ist und die Gemeinde es auch akzeptiert, ist für Pfarrer Hölscher auch denkbar, dass sein Amtsbruder Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen übernimmt. Als große Vision hat Hölscher ein gemeinsames Tauffest an der Lenne. In den Kreisen und Gruppen der Gemeinde soll Emmanuel Boango über die Partnerschaftsgemeinde im Kongo berichten. Außerdem soll er in den Partnerschaftskreis einbezogen werden. Auch soll es einen Blick über den Tellerrand der evangelischen Kirchengemeinde Letmathe hinaus geben, so ist eine Kooperation mit der Christusgemeinde und der evangelischen Kirchengemeinde Dröschede/Oestrich geplant.

Werben für Partnerschaft und Entwicklungsarbeit

Die Mitarbeit von Familie Boango soll den Horizont vor Ort weiten, für Entwicklungsarbeit und die Partnerschaft werben. „Die Familie gibt dem Ganzen ein Gesicht“, so Pfarrer Hölscher. Dass so etwas gut funktioniert, hat sich bereits Anfang der 1980er gezeigt. Damals war ebenfalls ein Kongolese als „Botschafter“ in Dortmund. Ihm ist es indirekt auch zu verdanken, dass 1985 die Partnerschaft zwischen der evangelischen Kirchengemeinde Letmathe und dem Kongo zustande kam. „Wir sind in der Mission vereint und stärken uns gegenseitig im Glauben“, so Hölscher, dem der Austausch auf Augenhöhe wichtig ist.

Drei Bewerber gab es auf den Aufruf, als ökumenischer Mitarbeiter nach Letmathe zu gehen. Via Skype führte der Pastor der Jüngerkirche sein Bewerbungsgespräch mit dem weit entfernten Deutschland. Am Ende hatten der Partnerschaftsausschuss des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn, die Evangelische Kirche von Westfalen und die Vereinte Evangelische Mission (VEM) die schwere Wahl. Die fiel aber übereinstimmend auf Emmanuel Boango.

Wie kam er darauf, sich zu bewerben und sein bisheriges Leben für drei bis sechs Jahre hinter zu lassen? Drei Hauptgründe haben den Familienvater bewegt. Einerseits möchte er die Partnerschaft im Dienste Jesus Christus stärken, andererseits möchte er seine Erfahrungen aus dem Kongo weitergeben und sie vor Ort mit den Menschen teilen. Die Möglichkeit für Afrikaner, in Europa zu arbeiten, wird als große Chance angesehen, so brauchte es gar nicht lange, die Familie zu überzeugen. Fest an seiner Seite stand bei der Entscheidung Ehefrau Nathalie. Auch die 44-Jährige soll hier eingebunden werden. So ist eine Mitarbeit der gelernten Schneiderin beim Handarbeitskreis angedacht.

Erste Herausforderungen gemeistert

Ihre ersten persönlichen Meilensteine hat sie bereits hinter sich. Kochen und Backen auf einem elektrischen Herd sowie das Bedienen der Waschmaschine hat sie in der Wohnung „Im Oberdorf“ schnell mit Hilfe von tatkräftigen Unterstützern erlernt. Gemeinsam findet sich die Familie, zu der noch die älteste Tochter Elienne zählt, die allerdings für Ausbildung und Studium im Kongo bleibt, in der neuen Umgebung zurecht. Einkäufe wurden schon binnen kürzester Zeit ohne fremde Hilfe erledigt. Die Boangos haben sich in ein für sie großes Abenteuer aufgemacht, der Glaube an Gott begleitet sie dabei und gibt stetig bei neuen Herausforderungen Kraft. Und die Letmather machen es ihnen leicht, haben sie die Boangos doch von Beginn an mit offenen Armen aufgenommen.

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