Wirtschaft

Breitband im Gewerbe mäßig gefragt

Das Gewerbe- und Industriegebiet Dröschede: Gemäß aktueller Zahlen von Stadt Iserlohn und Wirtschaftsförderung ist das Interesse an schnellem Netz hier nur gering.

Das Gewerbe- und Industriegebiet Dröschede: Gemäß aktueller Zahlen von Stadt Iserlohn und Wirtschaftsförderung ist das Interesse an schnellem Netz hier nur gering.

Foto: Michael May

Dröschede/Iserlohn.  Am Gewerbegebiet Dröschede lässt sich die Ausbau-Problematik exemplarisch zeigen

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es war nur ein Nebensatz, doch er ließ aufhorchen: Vor einigen Tagen berichtete die Heimatzeitung zum Stand des Breitband-Ausbaus in Iserlohn. Im Gespräch dazu sprach der städtische Breitbandbeauftragte Uwe Ziemann auch über das Gewerbegebiet Dröschede. Dort sollen bald die Bagger anrollen, um bis April Glasfaserkabel zu verlegen. Die Unternehmen wurden angeschrieben – „aber nur zehn Prozent haben überhaupt Interesse bekundet“, so Ziemann.

Wie kann das sein, wo doch überall das Rufen nach schnellem Netz laut ist? Bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (GfW) sind Geschäftsführer Thomas Junge und Prokurist Thomas Haude eher mäßig überrascht. Laut ihrer aktuellen Statistik für Letmathe hatten zuletzt sogar nur vier von 32 angeschriebenen Unternehmen überhaupt reagiert. In der Vergangenheit habe es sich auch in anderen Gewerbegebieten kaum anders verhalten.

Der Hauptgrund vor allem bei kleinen Mittelständlern dürfen die Kosten und unübersichtliche Förderverfahren sein. In Dröschede müssten Unternehmen laut Haude beispielsweise 799 Euro für einen gewerblichen Anschluss zuzahlen. In anderen Gebieten, wo andere Förderverfahren zum Tragen kommen, kann dies gänzlich anders (gewesen) sein. Hinzu kommen monatliche Gebühren zwischen 100 und 1000 Euro. „Vielen ist das einfach zu viel Geld“, hatte schon Ziemann gesagt.

„Es gibt viele Probleme mit den Förderverfahren“, sagt Thomas Haude. Kriterien können die Zahl der Arbeitsplätze mit Internet-Bedarf, Maschinen und weiteres sein. Ausschreibung, Bewerbung, Entscheid, dazu kommen mangelnde Tiefbaukapazitäten, denn verbaut werden muss das Geld ja schließlich auch noch. „Die Verfahren sind irre kompliziert.“

Auch in Letmathe und Iserlohn laufen mehrere Programme aktuell wie berichtet parallel. Zudem wurde die Tragweite der Probleme in Deutschland allgemein lange verschlafen. Erst 2015 legte der Bund eine größere Fördermaßnahme im Umfang von vier Milliarden Euro auf. Laut einem Bericht der „Tagesschau“ sind drei Jahre später erst drei Milliarden Euro davon für Projekte zugesagt und erst ein Bruchteil tatsächlich verbaut.

Ein weiteres Problem sei laut Haude ein gewisser „Streuungsverlust“, weil in Sachen Glasfaser-Ausbau stets die Haus- und Grundstücksbesitzer angeschrieben würden und nicht zwingend die Unternehmen, die eine Immobilie zur Miete nutzen. Ausbau-Anfragen erreichen also nicht immer den eigentlichen Adressaten. „Und viele Unternehmen sehen auch einfach den Bedarf nicht.“

Entwicklung droht Betriebe irgendwann zu überrollen

Blickt man nach Dröschede, so finden sich hier Schlosser-, Sanitär-, Gerüstbau, Schlauchsystem- oder auch Logistik-Unternehmen.

Brauchen die wirklich alle schnelles Netz? Thomas Haude glaubt, zumindest mittelfristig: ja.

„Keins zu haben, ist irgendwann ein ,No-Go’“, sagt der GfW-Prokurist. Egal, in welchem Unternehmenszweig. „Wir reden heute von 100 MBit/s, aber bald schon reicht das eventuell nicht mehr.“

Er warnt vor einer Entwicklung, die irgendwann den einen oder anderen Betrieb überrollen könnte. Stichwort Vectoring, also das Verfahren, von einem mit Glasfasern angeschlossenen Verteiler ein das Tempo verlangsamendes Kupferkabel zu den Haushalten zu verlegen: „Vor zwei oder drei Jahren klang das toll, später lacht man darüber“, sagt Haude angesichts der rasant gewachsenen Ansprüche. Selbst Kfz-Werkstätten als nur ein Beispiel könnten für notwendige Software-Updates für Kontroll-Software künftig auf eine schnelle Leitung angewiesen sein.

„Schnelles Netz sollte heute eine Erschließungskomponente sein wie Gas, Wasser und Strom. Das müsste vorgegeben sein“, meint Thomas Junge. Der Bund hätte da bereits vor 15 Jahren anders ansetzen müssen. „Man hat das Problem in seiner ,Bandbreite’ einfach nicht erkannt.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben