Notre-Dame

Das „Herz von Letmathe“ ist gut geschützt

Die Feuerwehr übt den Ernstfall (hier 2012): Löscharbeiten und Personenrettung am Kiliansdom würden die Ausrüstung an die Grenzen bringen

Die Feuerwehr übt den Ernstfall (hier 2012): Löscharbeiten und Personenrettung am Kiliansdom würden die Ausrüstung an die Grenzen bringen

Foto: Josef Wronski

Letmathe.  Ein Brand wie in Paris wäre auch im Kiliansdom verheerend. Bei der Sanierung gelten deshalb strenge Sicherheitsauflagen.

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Volker Bellebaum braucht nicht zu fragen worum es geht, als er am Dienstagvormittag die Nummer der Heimatzeitung auf dem Display sieht. Mit dem Anruf hat er gerechnet, seit er die Berichterstattung über das Inferno von Paris bis in die späten Abendstunden verfolgt hat. „Es war eine kurze Nacht“, erklärt der Chef-Renovierer des Kiliansdoms und klingt tatsächlich etwas weniger energetisch als sonst.

Die Verwüstung, die der Großbrand am Montagabend in Notre-Dame angerichtet hat, geht dem Handwerksmeister nahe. „Das war ein Schock. Eine Tragödie, was da passiert ist“, sagt Bellebaum ernst. Die Szenen gehen ihm nicht aus dem Kopf: Als der Spitzturm über dem Mittelschiff einstürzt und die Flammen den mittelalterlichen Dachstuhl verschlingen, sieht er mit einem Auge den Letmather Dom vor sich.

Absolute Sicherheit gibt es nicht beim Brandschutz

Auch wenn „seine“ Kirche ihm näher ist, hat er die gotische Kathedrale auf der Île de la Cité ins Herz geschlossen. An seinen letzten Besuch denkt er jetzt mit Wehmut zurück: „Notre-Dame ist etwas Besonderes.“ Brandschutz war und ist auch im Kiliansdom ein wichtiges Thema, während der Sanierung ganz besonders. Dass es keine absolute Sicherheit geben kann, ist allen Beteiligten schmerzlich bewusst. „Bei so einer Maßnahme darf nichts passieren, aber natürlich kann es das immer“, räumt Volker Bellebaum ein. Ein umfangreiches Paket aus Schutzmechanismen und Verhaltensrichtlinien soll dazu beitragen, das Risiko so gering wie möglich zu halten.

Den Anfang mache ein absolutes und strikt kontrolliertes Rauchverbot sowohl im gesamten Gebäude, als auch vor den Eingängen. Keine übertriebene Vorsicht: Nicht nur der Dachstuhl im Kiliansdom ist, wie bei Notre-Dame und im Unterschied zum Kölner Dom, der ein Stahlskelett hat, aus Holz, erklärt Bellebaum: „Viele stellen sich das so vor, aber es ist nicht alles Stein. Decken und Gewölbe, Fußboden, Bestuhlung, Kreuz und Kreuzweg, die Orgel – alles Holz. Wenn es ein Feuer gibt, wird es schnell so heiß, dass auch Kabel und die Farbe an der Wand brennen.“

Der kleinste Funken kann im Zuge von Sanierungsarbeiten, wenn Staub und Späne auf dem Boden und in der Luft verteilt sind, in kürzester Zeit lodernde Flammen hervorrufen – zumal, wenn sie zusätzliche Nahrung wie Abdeckplanen finden. Vor allem dürfe man jedoch die architektonischen Rahmenbedingungen nicht unterschätzen: „So eine Kirche wirkt wie ein Kamin, auch ein zunächst kleines Feuer kann von allen Seiten Luft ansaugen und wächst sehr schnell in die Höhe“, beschreibt der Chef-Renovierer seinen persönlichen Alptraum.

Deshalb sei Funkenschlag tabu, selbst wenn diese Auflage die Arbeiten erschwert. Auch die Stahlträger des alten Glockenstuhls seien nicht mit einem Trennschleifer zerteilt worden, sondern mit einer speziellen Sägetechnik, versichert Volker Bellebaum: zeitintensiv, aber funkenfrei. Am Ende jeder Arbeitsschicht werde der Dom stets von Elektrogeräten mit Akkus, die sich entzünden oder explodieren könnten, geräumt: „Hier lädt niemand seinen Akkuschrauber über Nacht, schon zum Schutz vor Diebstahl werden die Sachen jeden Tag mitgenommen und eingeschlossen.“

Auch Einbrecher und Gewitter haben es schwer

Ein feuerfester Safe stehe zur Verfügung und die wertvollsten Teile des Inventars seien für die Dauer der Sanierung ohnehin ausgelagert. Auch den Naturgewalten ist der Kiliansdom nicht schutzlos ausgeliefert: Blitzableiter sind großzügig auf den Dächern verteilt, allein vom Hauptturm führen vier Leitungen hinab, um die Elektrizität von Gewittern zu erden. Und nicht zuletzt wacht ein elektronisches Sicherheitssystem über das „Herz von Letmathe“: Wird dieses ausgelöst, wird die Pfarrgemeinde alarmiert – Tag und Nacht. „Dadurch konnte die Polizei vor zwei Jahren Einbrecher fassen“, stellt Bellebaum die Effektivität des Systems auch gegen kriminelle Energie heraus.

Bis auf den Brand einer Krippe, der in den 80er Jahren glimpflich ausging, ist der Kiliansdom verschont geblieben. Die Vorstellung, er könnte in der letzten Phase der Sanierung noch Schaden nehmen, ist Volker Bellebaum ein Graus: „Das wäre eine Katastrophe. Wenn es bei uns im Dachstuhl brennen würde, wären die Schäden sicherlich ähnlich gravierend wie in Paris.“ Dank eines Standrohres, das bis zum Turmboden hinaufführt, ließe sich im Ernstfall auch in luftiger Höhe Wasser entnehmen – was natürlich nur etwas nütze, wenn man dann noch von innen nach oben gelange. Auf die bestehenden Schutzmaßnahmen vertraut er aber: „Ich denke und hoffe, da stehen wir in Letmathe auf der sicheren Seite.“

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