„Das ist das schönste Treffen, das es gibt“

Virgin trat beim 18. Oldtimertreffen auf der Grürmannsheide auf.

Virgin trat beim 18. Oldtimertreffen auf der Grürmannsheide auf.

Foto: Emily Karacic

Grürmannsheide.  Ein tolles Wochenende erlebten die Oldtimerfreunde Grürmannsheide mit über 700 historischen Fahrzeugen, vielen Besuchern und bejubelter Livemusik.

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„Ich habe ihn in München Probe gefahren und konnte ihm nicht widerstehen“, erzählt der Hemeraner Thorsten Weber und streichelt mit Besitzerstolz sein Prunkstück beim Oldtimertreffen auf der Grürmannsheide. Der 48-jährige Autofan, kurz „Toto“ genannt, präsentiert mit seiner Frau „Tani“ den grünsilbrigen amerikanischen Schlitten, ein 1973 in Texas gebauter Chevrolet C 10 mit einem 5,8-Liter-Motor, V8, 220 PS. „Für 25 Dollar habe ich in Las Vegas einen Zapfhahn erstanden und ihn als Gangschaltung eingebaut“, erzählt er schmunzelnd und auch, dass er die Schürze verchromte.

Der Equipment-Manager der Roosters ist mit seinem Freund und Kollegen André Grillo zum wiederholten Male bei dem Jahrestreffen der Grürmannsheider Oldtimerfreunde dabei. Grillo hat seine zitronengelben Chevrolet 3100 mitgebracht, der 500 Pferdestärken unter der Haube hat. Auch er baute einen Budweiser-Zapfhahn als Lenkradschaltung ein. Seinen Pick-up, den er zum Zweisitzer umbaute, stattete er mit einer Eichenholz-Ladefläche aus und noch anderen Features, etwa einem USB-Anschluss im Aschenbecher. „Wenn wir unterwegs sind, gehen häufig die Daumen hoch. Die Seltenheit sorgt für Begeisterung.“ Amerika-Fan André Grillo ist ebenfalls Equipment-Manager der Iserlohn Roosters. „Die amerikanischen Autos riechen nach Benzin, das lieben die Männer. Das ist das Feeling“, schwärmt er. Seit seiner Kindheit, als ihn sein Vater zur Essener Motorshow mitnahm, sind amerikanische Autos sein Traum, erzählt der 47-jährige Hemeraner. An seinem Chevrolet-Pick-Up hat er seit acht Jahren immer wieder gebastelt. „Im Winter wird gebastelt, im Sommer wird gefahren“, erzählt er. Sein Bruder Jean Pierre Grillo, der mit seinem Ford Panel aus dem Jahr 1942 vertreten ist, nickt zustimmend. Ihr Freund Thorsten Weber zeigt sich auch von den übrigen Ausstellungsstücken begeistert. „Wenn man hier über den Platz geht, sieht man viele schöne Autos.“

Cabrios, Coupés, Kombis undKleinbusse auf der Festwiese

Über 700 Oldtimer: Limousinen, Cabrios, Coupés, Kombis und Kleinbusse aus aller Herren Länder, wohin das Auge blickt auf der Wiese von Stefan Teworte: ob Opel, BMW, Mercedes, VW, Citroën, Renault, Fiat oder Trabant. Und auch Motorräder und Trecker „anno tuck“, alle für dieses Wochenende poliert und rausgeputzt. „Das ist eines der schönsten Treffen, die es gibt“, sagt Oldtimerfan Sara Grillo, die früher Motorrad gefahren ist, aber Oldtimer mittlerweile „viel cooler“ findet. Zumal ihr Chef ihr gesagt habe: „Das sind gute Wertanlagen, besser als Aktien zu kaufen.“ Bewundernde Blicke zieht auch der rotbraune „El Camino“-Chevrolet von Marco Stelzer auf sich, erst recht, als er die Haube öffnet: 8,2 Liter Hubraum, 500 PS. „Es ist immer wieder schön, die Anerkennung der Leute zu sehen“, gesteht der 47-jährige Iserlohner. „Viele Leute kennen die Autos von damals und finden sie toll.“ Der Elektromaschinenbauer ist passionierter Bastler: „Wir machen uns gerne die Hände dreckig“, gesteht er.

„Nur gucken, nicht anfassen“, bitten etliche Oldtimer-Besitzer um Zurückhaltung bei ihren vielfotografierten Lieblingen. Das gilt auch für den Opel Admiral, vor dem sich die Altrocker von „Virgin“ nach ihrem umjubelten Auftritt mit Rockklassikern zum Erinnerungsfoto aufbauen. Apropos: Die „Rockdinos“ ließen den Sound der 70er Jahre wieder auferstehen, gefolgt von der Coverband „Second Hand“, die – unterbrochen durch einen Gewitterschauer – die Musikfans mit Rock-Klassikern zum Tanzen vor der Bühne animiert. Ruhrgebietsbarde Rainer Migenda und Klangwerker Klaus Sonntag knüpfen am Sonntag mit Countymusik daran an.

„Diese Musikmischung kam gut an“, freute sich Friedel Osthold am Sonntag. Der Vorsitzende der Gürmannsheider Oldtimerfreunde berichtet von einem „friedlichen Festverlauf mit vielen altbekannten Stammkunden und trotz des durchwachsenen Wetters von einem hohen Anteil an Laufpublikum. Wir haben guten Umsatz gemacht haben und sind sehr zufrieden.“

Familiäre Stimmung undgroße Wiedersehensfreude

„Ich habe mir schon einige Autos ausgeguckt“, erzählt eine Besucherin und zeigt auf einen VW-Bulli mit Surfbrettern. „Ich bin begeistert, wie viele alte Bullis hier sind und in was für einem geilen Zustand“, raunen sich zwei Fans zu. Glänzende Augen bei den auswärtigen Besuchern, familiäre Stimmung und große Wiedersehensfreude unter den Grürmannsheider Oldtimerfreunden, die an den Versorgungsstationen im Einsatz sind. Oder an ihren Fahrzeugen: „Soll Papa jetzt eine Tour machen?“, fragt Jonas Geitmann und lässt Kinder auf seinem Trecker Platz nehmen, einem Fiat 450 DT, Baujahr 1962, der 40 PS mitbringt bei 25 km/h Höchstgeschwindigkeit. Auf dem Gelände geht es in Schrittgeschwindigkeit los. Zur Begeisterung der Kleinen und der übrigen Familienangehörigen, die ihnen zuwinken.

Eine zweistündige Ausfahrt unter Leitung von Martin Vormann (69) unternehmen die Oldtimerfreunde mit ihren Steyr-Puch-Fahrzeugen über den Honsel, Veserde und Wiblingwerde. „Wir haben die tollen Ausblicke genossen“, erzählt Vormann. Er freut sich über Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet und sogar aus Holland. „Der Kleinwagen Steyr-Puch wurde als Lizenzbau von Fiat in Graz produziert“, erzählt er. Martin Vormann verrät seine Leidenschaft für die fahrenden „Knutsch-Kugeln“, die er seit Jahrzehnten kultiviert hat und die ihn in Kontakt mit Museen, Herstellern und Bastlern brachte. Der so genannte Haflinger wurde zunächst in Österreich und in der Schweiz von der Armee eingesetzt, später auch auf englischen Flugzeugträgern, später im Zivilschutz, auf Flughäfen, in der Garten- und Landschaftspflege und dem Weinbau.

Aus Leidenschaft fürden Motorsport entstanden

„Der Steyr-Puch-Freundeskreis ist aus der Leidenschaft für den Motorsport entstanden“, erklärt Martin Vormann. Er ist seit 20 Jahren Mitglied der Oldtimerfreunde Grürmannsheide und freut sich über den familiären Charakter des zweitägigen Sommertreffens, bei dem die Mitglieder des Vereins alle Jahre wieder einen Riesenaufwand betreiben. Mit Erfolg: „Die Resonanz in der Oldtimerszene ist klasse, weil wir auch in einer Oldtimerzeitschrift geworben haben. Ein 86-jähriger Besucher aus Haltern am See ist mit seinem Haflinger hierher gefahren. Es waren tolle treue Leute hier, einige zum sechsten Mal.“

Etliche übernachteten in Zelten, Campingwagen oder bei Oldtimerfreunden in der Region. „Wir hatten das Haus voll“, berichtet Vormann, der zu Hause und im Steyr-Puch-Zelt mit vielen Fans gemeinsame Erfahrungen austauscht. „Da sind Freundschaften gewachsen.“ Beim Abschied verabreden sie sich schon für die nächsten Oldtimertreffen.

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