Zoff feiert

Das Sauerland spielt jetzt in der Karibik

Zuletzt sang Reiner Hänsch bei „Lenne singt“, beim Brückenfest kommt er mit Band, neuer CD und vollem Programm.

Zuletzt sang Reiner Hänsch bei „Lenne singt“, beim Brückenfest kommt er mit Band, neuer CD und vollem Programm.

Foto: Stefan Janke

Letmathe.  „Zoff“ spielt mit Reiner Hänsch zum 40. Geburtstag der Band beim Brückenfest und bringt auch ein neues Album mit.

Irgendwie, irgendwann schließt sich der Kreis. Dann sind 40 Jahre vorbei – und es ist alles anders. C’est la vie, so ist das Leben, aber auf Kuba, da sitzt er jetzt nicht, der Reiner Hänsch, 66-jähriger Frontmann der legendären Band Zoff, die nach 40 Jahren und 35 Jahre nach der ersten Auflösung in Bestbesetzung ein neues Album produziert hat. Nicht „ganz langsam“, wie einer der neuen Songs heißt, sondern nur in ein paar wenigen Wochen.

In der Heimat, in knapp drei Wochen beim Brückenfest, gibt’s ein Wiedersehen mit Zoff. Passt perfekt, könnte man sagen, oder auch: „Gut, dassas jetz’ passiert ist mit einem Song des neuen Albums.“ Das hat Hänsch mit seinen Musikern, von denen – ihn eingeschlossen – noch vier aus der Original-Besetzung sind, wahlweise auf seinem Bauernhof am Jadebusen bei Oldenburg und in seinem Haus auf Ibiza produziert.

In diesem Einstieg in den Versuch eines runden Geburtstags-Textes sind fast alle Liedtexte des Albums „Für immer und ewig“ enthalten. Man erkennt es gleich, wenn man die ersten Takte hört und vor allem die ersten Liedzeilen – das ist die Stimme, die Anfang der 1980er Jahre aus dem Kassettenrekorder kam, das ist die Musik, die mitgeschnitten aus dem Radio, von der LP kopiert und bei Schützenfesten und Dorffesten mitgetanzt wurde, bis die Mischung aus Schweiß, kaltem Rauch, Pils und Aufgesetztem brodelte.

Ein Gespräch mit Reiner Hänsch über alte und neue Zeiten, die Musik und das Alter.

Woher kam die Idee fürs neue Album?

Ich hatte einfach ‘ne Menge neue Ideen für Songs, und man kann nicht nur die alten Sachen spielen, ohne die das Publikum uns allerdings auch nicht von der Bühne lassen würde. Aber es muss auch was Neues dazu, schließlich entwickeln wir uns alle weiter, und die Zeit bleibt nicht stehen, sonst sagen die Leute: Die leben im Gestern. Die Stones sind ja nun wesentlich älter und bringen immer wieder was Neues, da wollten wir auch nicht auf die Klassiker reduziert werden, aber es hat vor allem auch Spaß gemacht, neue Lieder aufzunehmen und daran rumzubasteln, bis dann alles endlich fertig ist.

Wie muss man sich das im digitalen Zeitalter vorstellen, wenn die Band im Studio ein Album produziert?

Auf jeden Fall anders als früher, man schließt sich nicht mehr mit versammelter Mannschaft monatelang im Kellerstudio ein und spielt sich das Album zusammen. Ich hab’ vieles alleine gemacht, mal zu Hause im Studio in Oldenburg, aber auch auf Ibiza, immer wenn mir wieder Ideen gekommen sind, habe ich das schnell aufgenommen. Ab und zu wurden dann auch Files zu den Bandkollegen hin- und hergeschickt, und ich habe dann alles im Studio zusammengesetzt und produziert, bis das Album fertig war.

Vor 40 Jahren spielte Zoff in einer anderen Besetzung. Wie ist die Band heute?

Ich glaube, man wird immer besser, früher war vieles spontan, so drauf los gespielt, heute klingen wir eine Spur professioneller, wobei ich die Leistung der Band vor 40 Jahren nicht schmälern will. Wir haben in einem Bauernhof in Oestrich angefangen, wie sich das gehört für eine Band aus dem Sauerland. Das war sehr rockig damals. Wenn man heute hört, wie Sauerland auch klingen kann, wenn es in der Karibik spielt, dann klingen wir heute vielleicht ein bisschen erwachsener, ohne den Spaß verloren zu haben. Vor 40 Jahren haben wir vielleicht mehr dummes Zeug gemacht. Da passen Titel wie „Gimme gummi“ oder „Total Banane“ eher in diese Zeit. Erwachsener ja, aber ohne den Witz zu verlieren.

Du bist jetzt 66 Jahre jung, fängt das Leben jetzt erst an?

Nach Udo Jürgens, ja, aber es ist auch hoffentlich noch lange nicht vorbei. Früher waren die Leute mit 50, 60 der Altersgrenze auch sichtbar näher gerückt. Ich merke nichts, mir geht es gut und nicht anders als vor 20 oder 30 Jahren. Früher haben die Leute auf die Rente gewartet, wir starten bei Zoff noch mal durch und sind dieses Jahr auch noch zu Live-Auftritten unterwegs. Am 16. August in Lüdenscheid. Und dann am 31. August beim Brückenfest in Letmathe, das Heimspiel, da gibt’s „Sauerland“ natürlich im rockigen Original, mit vielleicht ein wenig Reggae und ein paar Bläsersätzen. Heimspiel auch deshalb, weil wir – wenn ich mich richtig erinnere – unseren ersten größeren Auftritt im Saalbau in Letmathe hatten. Und kurz vor Weihnachten, am 14. Dezember, da spielen wir unplugged im Werkhof in Hohenlimburg. Da freue ich mich ganz besonders drauf, da kommen die Songs mal anders rüber.

„Sauerland“ ist und bleibt der wichtigste Hit von Zoff?

Ja, das ist keine Frage. Ich habe die Lizenzen für diverse Cover-Versionen bis nach Australien und Südafrika vergeben, das Lied läuft am Ballermann auf Mallorca und am Goldstrand in Bulgarien, aber man wird damit nicht automatisch reich, wie vielleicht manche denken. „Das Lied spielen sie noch, wenn ihr schon in der Kiste liegt“, hat mal ein geschätzter Musikerkollege von den Extrabreiten gesagt. So ist das wohl, Hierzulande, also im Sauerland, ist der Hit Folklore. Es gibt, glaube ich, keine Schützenfeste, Hochzeiten oder auch Beerdigungen, wo es nicht gespielt wird. Aber um im Hier und Jetzt zu bleiben – unsere neuen Lieder sind auch echte Knaller. Man kann sich eben auf uns verlassen. Und immerhin sind von der alten Besetzung auch noch Martin Köhm­stedt, Reiner Burmann, der auch noch in Letmathe lebt, und Jan Kazda dabei. Auch, wenn wir uns 1984 schon mal aufgelöst haben, sind wir jetzt seit über 16 Jahren wieder da und natürlich immer noch echte Sauerländer.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben