Kirche

Der Dom ist wieder aufgeschlossen

Festtagsstimmung im „neuen“ Dom. Beim Eröffnungskonzert gab es nicht nur viel zu hören, sondern auch zu sehen.

Festtagsstimmung im „neuen“ Dom. Beim Eröffnungskonzert gab es nicht nur viel zu hören, sondern auch zu sehen.

Foto: Wolfgang Meutsch

Letmathe.   Passend zum neuen Glanz wird St. Kilian mit einem prachtvollen Konzert wiedereröffnet.

1500 Kilogramm Farbe wurden auf 4000 Quadratmetern Fläche aufgetragen, wozu rund ein Kilometer Gerüststangen nötig waren. Zwei Kilometer neue Kabel wurden verbaut und 500 Wischschwämme verbraucht, um jeden Quadratzentimeter des Kiliansdoms zu reinigen. Sechs große Überseecontainer kamen nach Letmathe, um die Kirchenbänke zwischenzulagern. Und um das alles zu koordinieren, wurden rund 1000 E-Mails geschrieben und etwa 40 Telefonate täglich geführt. Ein Jahr haben die Renovierungsarbeiten gedauert, und – wohl am allerwichtigsten – es wurde niemand verletzt.

Die Zahlen, die Dombaumeister Volker Bellebaum am Pfingstsonntag den Gästen der feierlichen Wiedereröffnung vor Augen führte, waren beeindruckend und unterstreichen, welch großes Vorhaben eine komplette Innenrenovierung mit Glockenstuhlsanierung in einer derart großen Kirche ist. Ein Jahr war die Kirche im Herzen Letma­thes zugesperrt, was für viele ein großer Verlust war. Man muss sich dazu nur die Besucherzahlen ansehen: In der Zeit der Schließung kam nur Bruchteil der eigentlichen Dombesucher zu den Ausweichgottesdiensten in Oestrich – Kirche ist eben nicht gleich Kirche.

„Nun ist die Renovierung aber abgeschlossen und die Kirche ist wieder aufgeschlossen“, konnte Pastor Frank D. Niemeier, Leiter der Pastoralverbundes Letmathe, dann auch mit einiger Erleichterung am Sonntag verkünden. Auch er warf einen Blick auf die Ausmaße der Kirche – allerdings eher augenzwinkernd, indem er die kleine Prise Größenwahn auf die Schippe nahm, den die Letmather und ihren Dom schon mal umweht. Letzterer sei ja eigentlich kein richtiger Dom – ganz ohne Bischof. Dennoch sei der Lennedom natürlich die größte Hallenkirche des Märkischen Kreises. Und die neue Sakristeiglocke am Haupteingang sei auch die größte Sakristeiglocke des Märkischen Kreises – „Ein Schelm, der dabei an Größenwahn denkt“, scherzte der Pfarrer.

Nun erstrahlt dieser Dom in neuem Glanz, und passend zu der optischen Pracht gab es zu Wiedereröffnung ein Konzert, das an Klangpracht kaum zu übertreffen ist. Vorne im Altarraum nahm das Märkische Jugend-Sinfonieorchester unter der Leitung von Thomas Grote Platz und ließ ein höchst glanzvolles Programm mit Musik von Mozart und Bach hören.

Symphonische Pracht und wuchtige Chöre

Als Hauptwerk erklang Mozarts „Jupiter-Sinfonie – mehr festlicher Glanz und symphonische Pracht geht gar nicht. Und oben an der Orgel fand sich unter der Leitung von Heinrich Mainka ein mächtiger und vielköpfiger Chor aus Mitgliedern der Kirchenchöre St. Kilian und St. Josef sowie des Letmather Kolpingchores und des Elseyer-Nahmer Männerchores ein, der Edward Elgars „Klänge der Freude“ (aus „Pomp and Circumstance“) und Beethovens wuchtigen Chor „Die Himmel rühmen“ in das Kirchenschiff donnern ließ. Das war wirklich ein groß gedachter Musikrausch, der dem neuen Glanz des Domes in nichts nachstand.

Grußworte kamen von Landrat Thomas Gemke und Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens. „Der Kiliansdom ist mehr als eine Kirche“, sagte Ahrens und hob die Bedeutung der Kirche auch als Wahrzeichen und identitätsstiftendes Element für Letmathe hervor. Zudem sei eine solche umfangreiche Renovierung ein starkes Signal in Zeiten von immer mehr Kirchenschließungen. Gemke lobte vor allem die reibungslosen Arbeiten im Zeit- und Kostenrahmen und machte Volker Bellebaum als Hauptverantwortlichen dafür aus: Er sei mit Herzblut bei der Sache und kenne jeden Stein persönlich. Einen großen Beitrag zum Gelingen hat aber auch der Verein der Freunde des Kiliansdomes geleistet, für den Diakon Peter Trotier die Werbetrommel rührte. Denn natürlich werde das Millionenprojekt zu 75 Prozent vom Bistum finanziert. Dennoch müsse die Gemeinde einen hohen Abteil tragen und die Spendengelder seien bei der einjährigen Renovierung im Verborgenen nicht so gesprudelt wie bei der vorangegangenen Dachsanierung, die jeder täglich verfolgen konnte.

Der Dom soll immer für alle geöffnet sein

Doch auch die Renovierung bringt einige offensichtliche Änderungen mit sich. Im rechten Seitenschiff wurde eine Kapelle geöffnet, die nun als „Event-Kapelle“ genutzt werden soll. Die Marienstatue wurde umpostiert, links neben dem Altarraum wurde die Kilianskapelle eingerichtet und links und rechts neben dem Haupteingang haben die Taufkapelle mit der Familie Jesu und die Kriegergedächtniskapelle mit der Pietà ihren Platz. Ändern sollte sich auf jeden Fall noch etwas an der Lautsprecher-Anlage, denn am Sonntag waren die Redebeiträge nicht überall in der Kirche gut zu hören. Eins soll sich aber auf keinen Fall ändern. Der Kiliansdom soll auch zukünftig entgegen der eigentlichen Auflage des Bistums für jeden, der das Gebet und die Stille sucht, immer offen sein.

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