Oldtimertreffen

Der Jeep, der 1945 bei der Kapitulation war

Gabriele und Lutz Fuhrmann aus Genna mit einer Rarität. Der Willys-Jeep aus Beständen der US-Army war dabei, als die letzten deutschen Truppen im April 1945 auf dem Schillerplatz in Iserlohn kapitulierten.

Gabriele und Lutz Fuhrmann aus Genna mit einer Rarität. Der Willys-Jeep aus Beständen der US-Army war dabei, als die letzten deutschen Truppen im April 1945 auf dem Schillerplatz in Iserlohn kapitulierten.

Foto: Björn Braun

Grürmannsheide.  Gabriele und Lutz Fuhrmann zeigen mit ihrem Jeep aus dem Jahr 1945 beim Oldtimertreffen einen historischen Schatz aus US-Army-Beständen.

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Traumwetter, Traumbeteiligung und Oldtimerschätze satt gab’s an diesem Wochenende auf der Grürmannsheide. Ob Sammler und Kenner oder Laien – sie alle erlebten zwei Tage lang großes Veteranen-Kino beim 17. Oldtimertreffen: Auf dem Acker gaben sich Bullis, Cabrios, Enten, Limousinen, Sportwagen, Lkw, Trabis, Trecker und Landmaschinen sowie Motorräder aus vielen europäischen Ländern oder Übersee die Ehre. Leuchtende Augen bei stolzen Besitzern und den Schaulustigen. Zufriedene Gesichter bei den Organisatoren, die von einer Rekordbeteiligung sprechen. Über 1200 Teilnehmer-Fahrzeuge schätzte der Vorsitzende der Grürmannsheider Oldtimer Freunde Friedel Osterhold, der viele „Wiederholungstäter“ auf der Heide begrüßte.

„Kerr, was hab ich geputzt, mit Leder und allem, das war Maßarbeit“, verrät der Fahrer eines Chevrolet-Pick-ups, Baujahr 1957. Teure chrom-blitzende Schlitten stehen neben Liebhaber-Fahrzeugen für kleinere Preisklassen. Die Begeisterung steckt junge und ältere Besucher an, Jungens und Mädchen, Frauen und Männer. Eine schöne Atmosphäre bis spät in die Nacht, wo nachmittags die Rockabilly-Truppe Jonny & The Boom Chucks aufspielt, und abends im stimmungsvollen Sonnenuntergang die Lokalmatadoren von Fireball mit musikalischen Gästen aus anderen Bands Audio Space und Second Hand für ausgelassene Rockparty-Stimmung sorgen.

US-Jeep aus Einzelteilen zwei Jahre lang zusammengebaut

Mit dabei ein Jeep und ein Pärchen im originalgetreuen Military-Look, angefangen bei den US-Uniformen bis hin zu Accessoires wie Feldtelefon, Lampen, Kompass und Klappspaten. Eine historische Entdeckung erster Güte: Bei ihrem olivgrünen Fahrzeug handelt es sich um einen Willy Overland MB. „Die Abkürzung steht für Military Modell“, erläutert Besitzer Lutz Fuhrmann aus Genna. „Es ist ein Militärjeep aus dem Zweiten Weltkrieg, der im Februar 1945 gebaut wurde“, verrät seine Frau Gabriele im Tropenoutfit des Women’s Army Corps mit sichtlichem Besitzerstolz. „Er wurde am 14. Februar 1945 in Dienst gestellt, deswegen haben wir ihn Valentine genannt“, betont sie die besondere Symbolik und verweist auf den Valentinstag. „Wir haben ihn in Einzelteilen zerlegt in München gekauft und mit dem Transporter abgeholt. Auf dem Jeep lässt sich ablesen, dass er zum 394. Infanterie-Regiment der 99. US Infanterie-Division gehörte. Diese Einheit hat 1945 in Iserlohn auf dem Schillerplatz die Kapitulation des Ruhr-Kessels entgegen genommen, und den Zweiten Weltkrieg hier beendet. Die letzten deutschen Panzereinheiten haben sich den Amis dabei ergeben.“

Die Autoliebhaber restaurierten diesen Wagen in zweijähriger Kleinarbeit und brachten ihn nach einigen Umrüstungen für den deutschen Straßenverkehr im Dezember 2017 durch den TÜV, wie Gabriele Fuhrmann erzählt.

„Ist da ein Gewehr mit dabei?“ fragt ein Schaulustiger. Lutz Fuhrmann schüttelt den Kopf und zieht einen Regenschirm aus der Gewehrhülle. Mit der US-Flagge drauf. „Haben Sie keine Angst, dass jemand zugreift?“ Der 54-jährige Diplom-Ingenieur, der auch die Captains-Uniformjacke mit Divisionsabzeichen dabei hat, winkt ab: „Hier sind nur nette Leute.“ Im Alltag fährt der Leiter der Mechanischen Instandhaltung der Deutschen Nickel Werke einen Mazda CX 5 SUV und seine Gattin ein Renault-Cabrio. „Der Jeep ist ein reines Freizeit-Auto“, erläutert der Autoliebhaber. „Nächstes Jahr fahren wir mit ihm zum 75. Jahrestag der Landung der Amerikaner in der Normandie. In Frankreich gibt es eine riesige Szene.“

Grauer Ford Panel Baujahr 1942 ist ein echter Hingucker

Mit von der Oldtimer-Partie ist auch Jean-Pierre Grillo aus Dröschede mit seinem grauen Ford Panel Baujahr 1942. „Damals wurden nur wenige gebaut während des Krieges“, weiß er. „Seit ich 12 bin, interessiere ich mich für Autos, habe ich mit Papa Autos repariert“, verrät der 51-jährige bekennende Autofreak. „Er wurde 2014 komplett restauriert, hat eine neue Sitzbank bekommen“, verrät er Interessierten. „Das Highlight ist der Tacho, der ist 76 Jahre alt. Der Wagen verfügt über einen 5,7-Liter V8-Motor.“ Er genießt es, wenn er mit dem Wagen durch die Gegend fährt und „an jeder zweiten Ampel jeder Zweite den Daumen hoch hält und Fragen stellt“. Er ist selbstständig im An- und Verkauf von Wohnmobilen und arbeitet im Tiefbau. Im Alltag fährt er einen Mercedes E-Klasse 350 CDI Cabrio.

Michael Börenz von der früheren „Letmather Wundertüte“ ist mit seinem Ford-Transit aus dem Baujahr 1968 zum Oldtimertreffen gekommen. „Das war früher ein Ü-Wagen fürs Radio“, erzählt der 51-jährige Inhaber, der ihn noch zu D-Mark-Zeiten erworben und damit schon viele Deutschland-Touren unternommen hat. Zusammen mit der 42-jährigen Imken Kohlmeier teilt er die Leidenschaft für Oldtimer. „Wir waren schon etwa zehnmal beim Oldtimertreffen auf der Grürmansheide“, erzählt Börenz, der hinterm Lenkrad die vorbeituckernden Fahrzeuge begutachtet.

Arnd Bergmanns Werbung für Opel-Stammtisch im Heidebad

Arnd Bergmann zeigt seinem neunjährigen Sohn Timo einen rot-schwarz-silber-lackierten Ford Hot Rod mit Turner Speed Maschine aus dem Jahr 1909: „Ein typisches Mafiosi-Auto“, sagt er schmunzelnd, was es mit den „getunten Moonshiner-Autos in Amerika“ auf sich hatte: „In der Zeit der Prohibition haben die Schwarzbrenner ihre Autos getunt, um der Polizei zu entkommen.“

Der Sümmeraner ist selbst mit seinem liebevoll restaurierten grünen Opel aus dem Jahr 1934 dabei. Er hat die Aufschrift „Bäckerei Bergmann, Brot- und Milchwaren“. Arnd Bergmann macht Werbung mit Fotos von der Restaurierung seines Oldtimers für den Opel-Stammtisch: „Wir haben ihn vor zwei Monaten gegründet. Er findet immer am letzten Mittwoch im Monat in der Gaststätte Heidebad statt. In diesem Monat ausnahmsweise am 18. Juli um 19 Uhr. Alle Besitzer und Beifahrer sind eingeladen. Beim Essen wollen wir uns über unser gemeinsames Hobby austauschen.“

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