Unterhaltung

Der Mann, dem die Knackis vertrauen

Joe Bausch ist ein kantiger Kerl mit Gardemaß, ein Promi, der die Bodenhaftung nicht verloren hat und eine große soziale Ader besitzt. Das alles und noch viel mehr war bei den „Tischgesprächen“ mit Thomas Reunert Thema.

Foto: Michael May

Joe Bausch ist ein kantiger Kerl mit Gardemaß, ein Promi, der die Bodenhaftung nicht verloren hat und eine große soziale Ader besitzt. Das alles und noch viel mehr war bei den „Tischgesprächen“ mit Thomas Reunert Thema. Foto: Michael May

Lössel.   Der Schauspieler und Arzt Joe Bausch lüftete bei den Tischgeschprächen mit Thomas Reunert im Romantik Hotel Neuhaus Geheimnisse aus seinem Leben.

Eines der markantesten Gesichter, die momentan im deutschen Fernsehen zu sehen sind, hat am Wochenende im Zusammenspiel mit Thomas Reunert, dem Chefredakteur der Heimatzeitung, für famose Unterhaltung gesorgt: Joe Bausch, der aus nächster Nähe sonst nur zu erleben ist, wenn man zuvor ein ganz dickes Ding gedreht hat, nahm an zwei Abenden auf der kleinen Bühne des Lösseler Romantik Hotels Neuhaus platz. Am Freitag- und Samstagabend schlug wieder die Stunde der Kulturbüro-Reihe „Tischgespräche“, die einst für Leute wie Joe Bausch erfunden worden zu sein schien. Leute, die natürlich bekannt sind, die Humor und viel zu erzählen haben.

Man kennt ihn aus dem Kölner Tatort, wo er seit 20 Jahren die Rolle des Rechtsmediziners Joseph Roth spielt. Dass er aber gleichzeitig auch noch Arzt in der berüchtigten JVA Werl ist, gab den Abenden den entscheidenden Pfiff. Wer wusste schon, dass Bausch die Stelle 1986 hauptsächlich deshalb erhielt, obwohl ihm seine Vorgesetzten eine verdächtige optische Nähe zur Klientel attestierten?

Eigener Häftlingstraum platzte an der Pforte

Oder dass er einmal versucht hat, selbst im Knast zu landen? In Marburg, wo Bausch Theaterwissenschaft, Politik, Germanistik und Rechtswissenschaften studierte – das Medizinstudium folgte erst im Anschluss in Bochum – bekam er eines Tages einen Strafzettel, bezahlte ihn aber nicht. „Ich wollte stattdessen zehn Tage im Knast absitzen. Aber da kam und kam nichts. Also bin ich abends persönlich hingegangen, um dort zu bleiben. Die Beamten prüften die Sache und schickten mich wieder weg. Meine Mutter hatte den Strafzettel inzwischen bezahlt.“

Joe Bausch, der 1953 als Hermann Joseph Bausch-Hölterhoff zur Welt kam ist, wuchs auf dem elterlichen Bauernhof im hessischen Teil des Westerwaldes auf. Als Erstgeborener sollte er den Hof eines Tages übernehmen, doch schon früh wurde dieser Plan durchkreuzt – durch den Hausarzt der Familie. „Er riet meinen Eltern, mich aufs Gymnasium zu schicken. Mein Vater drohte später immer wieder damit, dass ich wieder auf dem Hof lande, sollte ich auch nur einmal sitzen bleiben.“ Auf dem Land fühlte sich der Junge durchaus wohl. Er hatte Spaß am Traktorfahren und genoss seine behütete Kindheit und Jugend. Damals war er noch weit weg vom Prototypen des kernigen drahtigen Kerls gewesen, der ihn heute so unverwechselbar macht. Joe Bausch zu Jugendzeiten, das war ein schüchterner Bursche mit langen roten lockigen Haaren, erzählt er und beruft sich auf frühere Mitschüler. Trotzdem zog es ihn früh auf die Theaterbühne, er jobbte zusätzlich, zunächst als Kabelhelfer, später dann als Aufnahmeleiter beim WDR. Dass es eines Tages den Arzt Joe Bausch geben würde, ahnte er zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht. „Ich wohnte in Marburg mit drei Medizin-Studenten in einer WG und dachte dachte mir eines Tages: Was die können, kann ich auch – auswendig lernen.“

Sogar das Menü ist für einen flotten Reunert-Spruch gut

An dieser Stelle läutete Thomas Reunert die erste Pause ein, nicht allerdings ohne das hungrige Publikum ein weiteres Mal zum Lachen zu bringen. Die Karte des viergängigen Menüs liefert zuverlässig Steilvorlagen. Während die ersten beiden Gänge, bestehend aus Rauchlachspraline, Grünkohlsalat und Buchweizenküchlein, sowie Kohlrabi-Crème mit brauner Butter und Walnüssen noch nachvollziehbar klangen, merkte Reunert zum rückwärts gegarten, rosafarbenes Roastbeef auf Kartoffel-Mousseline an: „Früher hätte man dazu Kartoffelbrei gesagt.“ Klangvoll und ebenso köstlich wie die drei vorangegangenen Gänge war auch das Dessert, bestehend aus Schokoladen-Mandel Tarte mit Eierlikör-Parfait.

Die Justizvollzugsanstalt Werl: Es ist, wie Thomas Reunert betonte, nicht der Ort, an dem Parksünder ihre Strafe verbüßen. Um dorthin zu gelangen, muss man schon etwas Großes auf dem Kerbholz haben. Dort behandelt der 64-Jährige inzwischen, aber nicht mehr allzu lange, Häftlinge aus mehr als 50 Nationen. Als er in den 80er Jahren dort einstieg, sei das noch ganz anders gewesen.

Gesellschaftlicher Wandel wirkt sich auf Knast aus

„Damals war es auch noch so, dass von zehn Häftlingen sechs etwas gelernt hatten. Heute ist es einer von zehn. Gestiegen ist dagegen die Zahl der psychisch kranken Straftäter.“ Unvergessen ist ihm der inhaftierte Patient, der einen Hammer haben wollte, um die Zeit totzuschlagen. Ebenso lebendig ist die Erinnerung an seine Anfangszeit. Die Häftlinge seien gut auf ihren neuen Doc zu sprechen gewesen. Sie wussten, dass er in Serien wie „Der Fahnder“ häufig den Bösewicht gespielt hat. Daraufhin zählten seine Patienten schnell eins und eins zusammen. „Für sie war ich einer von ihnen.“ Tatsächlich gibt es feine Unterschiede zwischen den Inhaftierten. „Typen, die wie Litfaßsäulen aussehen und genauso bunt tätowiert sind, sind mir noch die Liebsten. Schlimm sind die Kleinen, dieser der Typ Berti Vogts.“

Neben lustigen Dialogen, die den ganzen Saal in schallendes Gelächter ausbrechen ließen, wurde Bausch auch ernst. Angesprochen auf die Stimmung in Werl sagte er: „Das Misstrauen beherrscht alles.“ Suizide, Selbstverstümmelungen, Gewaltausbrüche, Erpressungsversuche kämen immer mal wieder vor. Zwiespältig fiel die Reaktion auf Senioren im Knast aus. Auch demente Straftäter müssen hinter Gitter. „Einer sprach mal davon, dass er hier in einem so schönen Heim sei. Wir lachen darüber, aber vielen geht es im Knast tatsächlich besser.“

Damit es anderen Menschen besser geht, die nicht so viel Glück gehabt haben wie er, ist Joe Bausch viel unterwegs. Tatort – Straßen der Welt ist ein Verein, den er gemeinsam mit seinen Tatort-Kollegen Dietmar Bär und Klaus Jürgen Behrendt gegründet hat. In 20 Jahren seien rund 4,5 Millionen Euro für Straßenkinder in der philippinischen Hauptstadt Manila zusammengekommen.

Für’s soziale Engagement gab es das Bundesverdienst

Ein weiteres unter vielen Projekten hat Schulkinder aus Familien in Deutschland im Blick, in denen das Geld für eine vernünftige Ausstattung zur Einschulung fehlt. Für sein Engagement ist ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen worden.

Die Haftanstalt wird er im November dieses Jahres verlassen – der Ruhestand ruft. Auf der Bühne und im Fernsehen möchte er aber auf jeden Fall präsent bleiben.

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