Wirtschaft

Der Sonntags-Schock wirkt noch nach

Gustav-Dieter Edelhoff (links) und Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens traten im Winner-Forum vor den Mitgliedern der SIHK in den Dialog.

Foto: Oliver Bergmann

Gustav-Dieter Edelhoff (links) und Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens traten im Winner-Forum vor den Mitgliedern der SIHK in den Dialog. Foto: Oliver Bergmann

Oestrich.   Das SIHK-Wirtschaftsgespräch bei Winner stand unter dem Eindruck der erfolgreichen Verdi-Klage. Aber auch abseits davon gibt es viele Themen, die angepackt werden müssen.

Als die Einladungen der südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) zum Wirtschaftsgespräch im Winner-Forum an ihre Mitglieder verschickt wurden, konnte niemand ahnen, dass dieser Termin am 9. Mai derart viel Gesprächsstoff bereit halten würde. Während davon auszugehen war, dass die bevorstehende Landtagswahl ein Thema wird, schlug die Absage des verkaufsoffenen Sonntages in Iserlohn gewaltig ein. Zwei Tage später saß der Schock noch tief. Zahlreiche Betroffene nahmen im Vortragsraum des Forums Platz – unter anderem Autohändler Christian Will und Christiane Dornbracht, Inhaberin des Geschäfts „Kotte am Markt“, die sich im Laufe der gut zweistündigen Veranstaltung immer wieder zu Wort meldeten.

Die Frage, wie die SIHK ihren Mitgliedern zur Seite stehen könnte, ließ nicht lange auf sich warten. Stephanie Erben, die Leiterin der Kammer für die Fachbereiche Handel- und Dienstleistungen, sagte dazu: „Der gesetzliche Rahmen muss so gesetzt werden, dass die verkaufsoffenen Sonntage rechtssicher umgesetzt werden können. Das ist eine langfristige Sache. Gespräche mit Verdi und dem Wirtschaftsministerium laufen.“ Sie empfahl den Mitarbeitern der Geschäfte, die kein Problem damit haben, vier Mal im Jahr auch sonntags zu arbeiten, sich ebenfalls an die Gewerkschaft zu wenden. In Iserlohn steht der nächste verkaufsoffene Sonntag am 6. August an, begleitend zu „Genuss pur“. Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens sagte dazu, dass die Chancen gut stünden, dass dann die Geschäfte öffnen dürften – allerdings nur rund um den Marktplatz.

Stephanie Erbens ursprünglich vorgesehenes Thema war die grundsätzliche Situation der Einzelhändler in den Innenstädten. Die Einkaufszentren auf der Grünen Wiese und inzwischen auch der Handel übers Internet setzen den Fußgängerzonen zu. Allerdings werde an einer Trendwende gearbeitet. Die Aktion „Heimatshoppen“ gehört dazu. „Sie lebt davon, dass die Händler zeigen, wie wichtig sie für den Ort sind“, erläuterte die Referentin. Als weitere Instrumente zur Stärkung der Innenstädte sprach sie das Einzelhandelslabor an, in dem den Händlern beispielsweise gezeigt werde, wie sie sich selbst eine Internetpräsenz aufbauen. Zudem spielte das Einzelhandelskonzept der Handelskammer eine Rolle. Es sieht vor, dass es bestimmte Produkte nur noch in den Innenstädten geben soll – und eben nicht „auf der grünen Wiese“.

Ob eine Innenstadt attraktiv ist oder nicht, mag vom subjektiven Empfinden abhängen. Bürgermeister Dr. Ahrens ließ jedenfalls auf Iserlohn nicht viel kommen. Er hob die historische Bausubstanz und die Renovierung vor einigen Jahren hervor, verschwieg aber auch die Probleme und Herausforderungen nicht. „Als 1999 das Citymanagement gegründet wurde, waren in kürzester Zeit 120 Mitglieder dabei. Heute sind es nur noch 23 Einzelhändler.“ Daneben existiert noch das Stadtmarketing, auch wenn das seit Martin Bußkamps Ausscheiden ohne Führung dasteht. Eine direkte Nachfolge sei nun nicht mehr vorgesehen – für das Stadtmarketing soll es künftig einen Beirat geben. Bauliche Veränderungen sind bekanntlich am Schillerplatz ins Auge gefasst, mit dem Kauf des Karstadt-Hauses ist die größte Hürde genommen. „Wir wollen nicht ewig deren Eigentümerin sein“, sagte Ahrens. Er sprach die Überlegung an, ein Shop-in-Shop-Konzept bei Karstadt zu verwirklichen. Ein weiteres Ziel sei es dann, die Immobilie in einem europaweiten Investorenwettbewerb anzubieten.

Verfügbare Gewebeflächen gehen allmählich zu neige

Die Stadt hat noch mehr im Angebot – kurzfristig verfügbare Gewerbeflächen zum Beispiel. 10,5 Hektar sind es derzeit nach Auskunft von Jochen Schröder, dem Geschäftsführer der Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung im Märkischen Kreis. Damit belegt Iserlohn im kreisweiten Vergleich zwar auf den ersten Blick einen vorderen Platz, allerdings liegen die einzelnen verfügbaren Flächen über das Stadtgebiet verstreut. Das könnte mittelfristig zu einem Problem werden.

Gastgeberin Gudrun-Winner-Athens übte sowohl in ihrer Begrüßungsansprache, als auch in einem Statement zum Schluss vehement Kritik am Zustand der Infrastruktur in NRW. Diesen bekämen die Fahrer ihres Unternehmens täglich zu spüren.

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