Verkehr

Deutsche Bahn unzufrieden mit Bahnhof Letmathe

Ein Aufzug ist schon fertig, wird aber erst freigegeben, wenn Nummer zwei auch nutzbar ist.

Ein Aufzug ist schon fertig, wird aber erst freigegeben, wenn Nummer zwei auch nutzbar ist.

Foto: Michael May

Letmathe.  Unternehmen nimmt auf Nachfrage der Heimatzeitung Stellung zu den immer noch nicht abgeschlossenen Arbeiten am Bahnhof Letmathe.

„Wir arbeiten mit Hochdruck an der Fertigstellung der Modernisierung“ – mit diesen Worten endet eine Antwort der Kommunikationsabteilung der Deutschen Bahn auf die Nachfrage der Heimatzeitung. Ein weiteres Kapitel aus der unendlichen Baugeschichte des Bahnhofs Letmathe.

Rückblick: 2018 bereits sollten sämtliche Arbeiten dort abgeschlossen sein. Für den Sommer diesen Jahres dann wurde die Fertigstellung der Aufzüge angekündigt – wer gestern einen Blick darauf geworfen hat, weiß, dass auch dieser Termin nicht gehalten wurde. In der Bahn-Mitteilung heißt es dazu: „Die Inbetriebnahme der beiden Aufzüge sollte ursprünglich im dritten Quartal erfolgen. Ein Aufzug ist bereits fertiggestellt. Nach Abwägung der Vor- und Nachteile einer zeitversetzten Öffnung der Aufzüge haben wir uns dazu entschlossen, beide Aufzüge zeitgleich für den Kunden freizugeben, um eine durchgängige Stufenfreiheit für mobilitätseingeschränkte Reisende sicherzustellen und zu gewährleisten.“ Weiter heißt es, dass die Arbeiten bis Jahresende fertiggestellt sein sollen. „Ursache hierfür sind Kapazitätsengpässe und unerwartete Verzögerungen im Bauablauf. Generell sind wir mit dem Bauablauf in Letmathe nicht zufrieden und bedauern die Verzögerungen für unsere Gäste“, heißt es weiter in der Stellungnahme des Unternehmens.

Die Bahn erinnert auch an die erfolgreiche Verlegung des Zughalts an den modernisierten Teil des Mittelbahnsteigs Ende 2018. Und daran, dass im ersten Quartal 2019 die Arbeiten auf den Bahnsteigen und an der Personenunterführung größtenteils abgeschlossen worden seien. Dass die Fahrgäste, die in Richtung Iserlohn unterwegs waren, damals aber noch im Regen stehen mussten, weil die Lokführer nicht bis in den Bereich der Sitzgelegenheiten vorgefahren sind, verschweigt die Deutsche Bahn.

„Ich kann die Ausredennicht mehr hören“

„Die spinnen doch so langsam, das erinnert mich an den Berliner Flughafen“, sagt ein Senior, der schnaufend aus der Unterführung kommt. Er dürfe immer mal wieder nicht Auto fahren und sei mit Blick auf Arztbesuche auf die Bahn angewiesen, so wie gestern auch. „Ich kann die Ausreden nicht mehr hören, das ist doch lächerlich“, entfährt es ihm.

Ähnlich sieht es eine etwa gleichaltrige Dame, die eine Bekannte am Bahnhof abholen möchte: „Jetzt warten wir schon so lange, dass alles komplett fertig ist, das kann ja wohl nicht sein. Warum können die nicht wenigstens den fertigen Aufzug freigeben?“ Das Gebäude inklusive „Bahnsteig 42“ sei ein „Schmuckstück, das aber nur in vollem Glanz erstrahlt, wenn man es auch poliert und pflegt“. Und eben diese Pflege im Sinne von Fertigstellung und Instandhaltung lasse sehr zu wünschen übrig.

Bahn wirbt mitBarrierefreiheit

Die Deutsche Bahn eröffnet ihre Stellungnahme mit dem Hinweis: „Der Bahnhof Letmathe wird im Rahmen der Modernisierungsoffensive 2 (MOF 2) modernisiert und erstmals barrierefrei erschlossen.“ Eine Passantin kommentiert das mit einem Lächeln: „Bis hier Barrierefreiheit herrscht, wird der Bahnhof wahrscheinlich schon geschlossen sein, weil die Bahn ihre Strecken ändert oder sowas.“ Abgesehen von der fehlenden Möglichkeit, die Aufzüge zu nutzen, sieht sie auch einen optischen Mangel: „Das ist doch keine Visitenkarte für Letmathe, wenn hier über Jahre nur Dreck und Krach herrschen. Da steigt man nicht gerne aus dem Zug.“

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