Bildung

Die Erfolgsgeschichte geht weiter

MAV-Geschäftsführer Josef Schulte stellte gemeinsam mit Layth Samer Salman und Mohamad Faour, Andreas Weber, Özgür Gökce und Tanja Schubert (von links) das aktuelle Flüchtlingsprojekt vor.

MAV-Geschäftsführer Josef Schulte stellte gemeinsam mit Layth Samer Salman und Mohamad Faour, Andreas Weber, Özgür Gökce und Tanja Schubert (von links) das aktuelle Flüchtlingsprojekt vor.

Foto: Oliver Bergmann

Genna.   MAV, Jobcenter und die Euro-Schulen machen 15 Flüchtlinge fit für den Beruf. Bestärkt werden die Akteure durch die gemachten guten Erfahrungen.

Josef Schulte, Geschäftsführer des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV), brachte Zufriedenheit und Entschlossenheit zum Ausdruck. „70 Prozent aller Teilnehmer sind in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt worden, das sind etwa 150 Personen. Das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann und die uns zeigt, dass wir weitermachen müssen.“ Gesagt, getan: Der MAV und die Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne schreiben gemeinsam mit den Euro-Schulen und dem Jobcenter ihre Erfolgsgeschichte fort, junge Flüchtlinge in drei Phasen für eine Ausbildung in Berufen der Metall- und Elektroindustrie zu qualifizieren.

Die Projekt-Teilnehmer feilen unter der Obhut der Euro-Schulen zunächst in einer achtwöchigen ersten Phase an ihren Sprachkenntnissen unter besonderer Berücksichtigung des berufsbezogenen Vokabulars. Özgür Gökce, Geschäftsführer der Euro-Schulen im Märkischen Kreis, sagte bei der Vorstellung des Projektes, dass es nicht nur darum gehe, Arbeitsanweisungen zu verstehen oder sich mit den Kollegen am Arbeitsplatz verständigen zu können.

Gute Sprachkenntnisse schützen vor Unfällen

„Gute Sprachkenntnisse tragen zu Sicherheit und Unfallverhütung bei.“ Ganz am Anfang werde neben dem Sprachniveau auch die handwerkliche Kompetenz getestet. „Für Kandidaten, die zwei linke Hände haben, ist das Projekt eher weniger geeignet“, beschreibt Gökce die ersten Schritte.

An diese zweimonatige Phase schließt sich eine technische Grundausbildung bei der Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne am Letmather Standort an der Gennaer Straße an. Deren Leiter Andreas Weber hat im Laufe der Jahre von Projektjahrgang zu Projektjahrgang etwas festgestellt. „Wir können mittlerweile zeigen, dass unser Vorhaben funktioniert, denn die Teilnehmer haben mittlerweile die Möglichkeit, sich mit Auszubildenden zu unterhalten, die einst selbst das Projekt durchlaufen haben. Sie sehen, dass der Weg, den wir ihnen aufzeigen, zum Ziel führt. Und das verschafft uns letztendlich mehr Glaubwürdigkeit.“

Der aktuellen Gruppe gehören 15 junge Erwachsene an. Mit Layth Samer Salman Alsamaree, einem 22-jährigen Iraker, und dem drei Jahre älteren Libanesen Mohamad Faour nahmen zwei von ihnen am Gespräch mit den Medienvertretern teil. Deutsch lernen und eine Ausbildung absolvieren – darauf arbeiten die beiden hin.

Während Salman, der 2016 nach Deutschland kam, in seiner ursprünglichen Heimat lediglich die Schule besucht hat, aber immerhin schon ein Praktikum bei Kirchhoff vorweisen kann, handelt es sich bei Mohamad Faour um einen ehemaligen Jura-Studenten, der zuhause nebenbei bereits in einem metallverarbeitenden Betrieb gearbeitet hat.

Beide sind vom Jobcenter für die Teilnahme empfohlen worden. Ohne die gemeinsame Einrichtung der Agentur für Arbeit und des Märkischen Kreises wäre das Projekt kaum zu stemmen. Das Jobcenter zahlt den Sprachunterricht, und trägt die Lehrgangs- sowie die Fahrtkosten der Teilnehmer. Sie stehen noch am Anfang ihres vielversprechenden Weges. Vor knapp drei Wochen ging es los, Anfang Dezember beginnt die technische Grundausbildung, an zwei Nachmittagen pro Woche wird weiterhin an der Sprache gearbeitet. Im Februar schließt sich ein zweimonatiges Praktikum an.

Glänzende Perspektiven für die Projektteilnehmer

Dennoch lässt sich jetzt schon feststellen, dass ihre Perspektiven und die der weiteren Teilnehmer glänzend sind. Andreas Weber schilderte, dass ihm von den Unternehmen stets mehr Praktikumsplätze angeboten werden, als er besetzen kann. Josef Schulte ging sogar noch weiter. „Der Ausbildungsmarkt ist zum Bewerbermarkt geworden. Statistisch gesehen kommt auf einen Bewerber ein Ausbildungsplatz. Aber anspruchsvolle Jobs können nur schwierig besetzt werden, weil die Bewerber häufig nicht dafür geeignet sind. Deshalb kommen wir nicht drumherum, neue Gruppen für unsere Unternehmen zu erschließen.“

Arbeitgeberverband zögerte nicht lange

Das erkannte der MAV-Vorsitzende Horst-Werner Maier-Hunke schon vor drei Jahren, als die große Flüchtlingswelle über Deutschland schwappte. „Wir müssen etwas tun“, war damals sein erster Gedanke, der schnell konkret wurde. Anfang 2016 kam es zu Gesprächen mit den heutigen Partnern. Josef Schulte verdeutlichte: „Die Projekte, die letztendlich zur beruflichen Integration führen sollen, sind nur mit professionellen Partnern möglich. Wir sind lediglich der Ideengeber, der am Ende aber auch dafür sorgt, dass die Teilnehmer ihre Praktikumsplätze und im besten Fall eine Ausbildung erhalten.“

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