Saalbau

Die Pracht des „Kaisersaals“ soll nach Letmathe zurückkehren

Eine Computergrafik zeigt den Saalbau nach dem Ausbau der Zwischendecke und der Wiederherstellung der Rundbogenfenster.

Eine Computergrafik zeigt den Saalbau nach dem Ausbau der Zwischendecke und der Wiederherstellung der Rundbogenfenster.

Foto: Privat / IKZ

Letmathe.  Ab April wird der Städtische Saalbau für die nächste Phase der Sanierung gesperrt. Ein Teil des früheren Glanzes soll innen sichtbar werden.

Anfang April soll es weitergehen mit der umfassenden Sanierung des Städtischen Saalbaus. Im Vergleich mit der ursprünglichen Planung haben sich sowohl eine zeitliche Verzögerung als auch höhere Kosten ergeben – dafür dürfen sich die Letmather (und nicht nur diese) auf ein Ergebnis freuen, das noch beeindruckender ausfallen dürfte als bislang angekündigt.

Der Blick geht dabei nach oben: In seinem schlichten und zweckmäßigen Gewand lässt es das Gebäude heute kaum erahnen, aber die 1896 errichtete Veranstaltungshalle des benachbarten Gasthofs, heute bekannt als Haus Schmale-Hannig, bot Besuchern eine prachtvolle Kulisse mit Rundbogenfenstern und einer so genannten preußischen Kappendecke, verkleidet mit „Rabitz“, einer 1878 patentierten Putztechnik, bei der Stuckateure den Mörtel auf ein Drahtgitter auftragen, das die Konstruktion im Vergleich zu den damals üblichen Holzgerippen stabiler und langlebiger machen sollte.

Prunkvolle Decke sollte eigentlich verborgen bleiben

Eine seltene historische Aufnahme macht deutlich, dass die selbstbewusste Namensgebung „Kaisersaal“ – ein großes „W“ über der Bühne stand für „Wilhelm“ – nicht als Etikettenschwindel gelten kann. Eine prunkvolle Galerie über dem Eingangsbereich und Zierstuck um eine zentral gelegene Öffnung, die der Belüftung diente, setzte dem herrschaftlichen Ambiente die Krone auf. Eigentlich wollte die Stadt bei der Sanierung aus Sparsamkeit noch nicht einmal die vorhandene Zwischendecke, die eher den Charme einer Supermarkthalle ausstrahlt, ersetzen, sondern einfach eine neue darunter einziehen und die vertikale Verzwergung in Kauf nehmen.

Am Ende einer gründlichen Untersuchung standen bereits im Frühjahr 2019 zwei Erkenntnisse: Die zunächst vorgesehene neue Zwischendecke hätte, zusammen mit dem Gewicht der alten, die Statik des Gebäudes übermäßig belastet. Zweitens ist die Kuppeldecke besser erhalten als erwartet, so dass diese, statt den Innenraum vor herabstürzenden Putzbrocken schützen zu müssen, renoviert werden kann. Vorbehalte, dass dies zu teuer würde, haben sich inzwischen in Luft aufgelöst, denn: Die Kosten für eine Restauration sind tatsächlich nahezu identisch mit dem für den Einbau einer Zwischendecke, die den statischen Gegebenheiten Rechnung tragen würde.

Bei einem Ortstermin mit der heimischen FDP, vertreten durch den Vizevorsitzenden der Ratsfraktion, Dr. Volker Dresp, und die Kreistagsabgeordnete Martina Stenger erläuterte Frank Göcking, der zuständige Architekt des Büros Brill und Göcking, gemeinsam mit dem kommissarischen Verwaltungschef Michael Wojtek (der damit Geschäftsführer des Saalbau-Vereins ist) und Stellvertreter Achim Vornweg den Stand der Planungen.

Frank Göcking steht vor einer Herausforderung: Zwischen Anfang April und Ende August sollen jetzt zwei Phasen der Sanierung gleichzeitig erfolgen: Der Große Saal und das Außengelände müssen bis dahin fertig sein, sonst droht Letmathe eine mittelschwere Katastrophe. „Das Gelände wird dann für die Kirmes gebraucht“, stellt der Architekt nüchtern fest. Der Parkplatz soll, das ist unter freiem Himmel die einschneidendste Veränderung, bei Veranstaltungen zukünftig den Mietern des Saalbaus exklusiv zur Verfügung stehen. Versenkbare Poller und eine elektronisch steuerbare Schranke kommen dabei zum Einsatz, erklärt Göcking: „Am Vortag werden die dann so eingestellt, dass man nur noch vom Parkplatz wegfahren kann.“

Angesichts der jetzt schon beklagten Parkraumnot in der Innenstadt wird dieses Konzept nicht bei jedem auf Gegenliebe stoßen, zumal eine höhere Terminfrequenz Teil des Grundgedankens ist. Nicht nur soll der fertig sanierte Saalbau mit einer – sofern das Brandschutzkonzept mitspielt – höheren Kapazität den Wegfall der Iserlohner Parkhalle kompensieren. „Der Bedarf ist groß“, betont Michael Wojtek. Um die Kosten, die inzwischen bei mehr als 1,4 Millionen Euro liegen, schneller wieder einzufahren, sollen insgesamt auch hochkarätigere Veranstalter in den Saalbau gelockt werden. „Denen muss man etwas bieten können, nach Parkmöglichkeiten direkt vor der Halle wird immer gefragt“, argumentiert Achim Vornweg.

Die unvermeidliche bittere Pille: Für fünf Monate stehen weder der Saalbau noch der Parkplatz zur Verfügung. Dass Aufwand und Ertrag in einem der Sache angemessenen Verhältnis stehen, schien zumindest die Liberalen zu überzeugen: „Das ist etwas Gutes für Letmathe. Wenn alles fertig ist, wird das eine erhebliche Aufwertung bedeuten“, kommentierte Volker Dresp. Bei der Innenraumsanierung sollen auch Schall- und Wärmedämmung sowie die Bühnentechnik modernisiert werden.

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