Marienhospital

Die Saat des Widerstands beginnt, aufzukeimen

Hunderte kamen nicht zu der ersten Aktion für die Rettung des Marienhospitals, aber die sozialen Medien schäumen über vor Empörung und einerstes Zusammenrücken zeichnet sich ab.

Hunderte kamen nicht zu der ersten Aktion für die Rettung des Marienhospitals, aber die sozialen Medien schäumen über vor Empörung und einerstes Zusammenrücken zeichnet sich ab.

Foto: Alexander Barth

Letmathe.  Mitarbeiter, Lokalpolitiker und die Werbegemeinschaft beginnen den Kampf für den Erhalt des Marienhospitals.

Jetzt machen die Bürger mobil: Mehr als 1700 haben bis Freitagend die bislang erfolgreichste der Onlinepetitionen gegen die drohende Schließung des Marienhospitals unterzeichnet, die seit Donnerstag in den sozialen Netzwerken geteilt werden. Der 25-jährige Krankenwagenfahrer Dominik Peukmann hat auf Facebook eine Protestgruppe gegründet, er will eine Demonstration auf die Beine stellen: „Für mich ist das Marienhospital wie eine Familie geworden“, sagt er, emotional und sichtlich übernächtigt. Für Freitag hatte er zu einer ersten Aktion am Hospital aufgerufen, dafür erweiterte er die Plakatierung der Pforte mit einer Tapetenbahn: „Helft uns! Stoppt die Schließung“ lautet die aufgesprühte Beschriftung.

Zu dem kurzfristig geplanten Termin erschienen nicht viele Bürger, worüber sich der Initiator leicht enttäuscht zeigte. Die Kommentare in den sozialen Netzwerken und die vielen Reaktionen, die unsere Redaktion schon jetzt erreicht haben, sprechen jedoch eine deutliche Sprache: Die Iserlohner, und zwar Waldstädter und Lenneuferbewohner gleichermaßen, sind entsetzt und wütend über die Haltung des Aufsichtsrates der Märkischen Kliniken.

Präsenz haben am Freitag vor dem Marienhospital Lokalpolitiker von SPD, Grünen und Die Linke gezeigt, darunter der stellvertretende Bürgermeister Michael Scheffler (SPD), der schon 1996 als Landtagsabgeordneter beim Widerstand gegen das Aus der Klinik dabei war. „Die Bestrebungen damals kamen von außen, von den Krankenkassen“, macht er auf veränderte Rahmenbedingungen aufmerksam: „Jetzt will der Träger, der vor 23 Jahren an vorderster Front beim Protest mit dabei war, hier den Schlüssel umdrehen – wobei man die Argumente an vielen Stellen nicht nachvollziehen kann.“ Um auch diesen Angriff auf die Grundversorgung der Bürger abzuwehren, müssten die Letmather noch einmal gemeinsam aufstehen, zeigte sich Scheffler überzeugt.

Manuel Huff (Die Linke), Mitglied der Kreistagsfraktion seiner Partei, kritisierte den Mainstream der Landes- und Bundespolitik, der „explizit darauf abzielt, solche kleinen Häuser kaputt zu machen. Das ist der falsche Weg.“ Kampflos geschlagen geben will sich auch die Letmather Werbegemeinschaft nicht. In einer gemeinsamen Erklärung kündigt der Zusammenschluss aus Händlern an, den Widerstand zu unterstützen. Der zweite Vorsitzende, Rainer Großberndt, war gestern unterwegs, um Formulare für eine Unterschriftensammlung in Geschäften und Institutionen zu verteilen. Die Unterschriften sollen dem Kreistag zugestellt werden, der auf seiner Sitzung am 27. Juni über den Schließungsantrag entscheidet. „Das lassen wir uns nicht einfach so gefallen“, macht er deutlich.

Dominik Peukmann hat für die Kundgebung, für die er das Wochenende 15./16. Juni ins Auge fasst, schon Reisebusse bestellt, berichtet er. „Damit fahren wir nach Lüdenscheid und stellen uns vors Kreishaus.“ Der 25-Jährige sprudelt vor Ideen, als nächstes denkt er über ein Benefizkonzert nach, bei dem Spenden und Unterschriften gesammelt werden: „Einen Getränkesponsor habe ich schon, jetzt fehlt nur noch die Band.“

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