Marienhospital

Die Ungewissheit ist kaum noch zu ertragen

Ob es für das Marienhospital eine Zukunftsperspektive unter Aegide der Stadt Iserlohn gibt, hängt wesentlich von der wirtschaftlichen Einschätzung der Experten ab – die Ergebnisse stehen noch aus.

Ob es für das Marienhospital eine Zukunftsperspektive unter Aegide der Stadt Iserlohn gibt, hängt wesentlich von der wirtschaftlichen Einschätzung der Experten ab – die Ergebnisse stehen noch aus.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe/Iserlohn.  Das Wirtschaftsgutachten fürs Marienhospital verzögert sich, Patienten und Mitarbeiter hängen in der Luft.

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Der September neigt sich dem Ende zu und viele Beschäftigte im Marienhospital blicken dem Montag nervös bis ratlos entgegen. Wie für andere Arbeitnehmer auch ist für sie am Dienstag die dreimonatige Kündigungsfrist bis zum Jahresende abgelaufen. Wer in Übernahmeverhandlungen mit der Märkischen Gesundheitsholding steht, könnte damit zeitlich ähnlich unter Druck geraten wie diejenigen, die sich anderweitig orientieren oder hoffen, dass die Stadt Iserlohn eine Lösung für den Weiterbetrieb des Krankenhauses findet.

Gesundheitsamt soll schon Inspekteure geschickt haben

Diese Hoffnung ruht im wesentlichen auf dem Wirtschaftsgutachten, das die Verwaltung in Auftrag gegeben hat. Erste Ergebnisse waren in Rathauskreisen am Mittwoch erwartet worden – das hat sich nicht erfüllt. Die Experten haben sich dem Vernehmen nach mehr Zeit ausgebeten, vor Freitag oder Samstag kann die Stadt offenbar nicht mit dem Gutachten rechnen, auch nicht mit vorläufigen Ergebnissen.

Währenddessen hat die angeschlagene Klinik fast täglich mit neuen Unbilden zu kämpfen. Anfang der Woche, so berichten es Mitarbeiter, standen Vertreter des Gesundheitsamts vor der Tür, um die Einsatzbereitschaft der Röntgenabteilung zu überprüfen. Die Inspekteure sollen Einblick in die Dienstpläne und Namen von Beschäftigten verlangt haben, die für Schichten vorgesehen sind. Nur einer von vielen Vorfällen, die weiter an den bereits zermürbten Nerven vor allem derjenigen nagen, die bleiben wollen.

Auch bei Patienten machen sich Verunsicherung und Frust breit. In Gesprächen mit unserer Redaktion ist vor allem Sorge darüber deutlich geworden, wie es für solche mit chronischen Schmerzen weitergeht. Ein Beispiel sind Patienten, die sich mit einer sogenannten Schmerzpumpe behandeln lassen: kleine Geräte, die implantiert werden und kontinuierlich geringe Mengen von Schmerzmitteln direkt ins Rückenmark abgeben. Das ist deutlich effektiver als herkömmliche Verabreichungsformen wie Tabletten, bei denen sich der Wirkstoff erst über das Verdauungssystem und den Blutkreislauf im Körper ausbreiten muss.

Allerdings müssen diese Geräte regelmäßig nachgefüllt und neu programmiert werden – das kann und darf nur speziell geschultes Personal vornehmen. Eine Auskunft, wohin sie sich damit wenden können, wenn das Marienhospital, wie derzeit befürchtet, zum 31. Oktober schließt, bekämen sie nicht, sagen Patienten.

Es kommen immer noch neue Probleme hinzu

Ein Teil des Personals will weiter kämpfen: Obwohl sie derzeit über den Alltagsstress hinaus schon mit der Abwicklung der Abteilungen beschäftigt sind und sich immer wieder neue Ungewissheiten auftun. Als nächstes, heißt es aus den Reihen der Mitarbeiter, falle krankheitsbedingt auch die kommissarisch eingesetzte Pflegedienstleiterin aus, und zwar voraussichtlich für den gesamten Oktober. „Wer schreibt dann hier die Dienstpläne, wer stellt uns Arbeitszeugnisse aus?“, sorgt sich eine Betroffene.

Zu den potenziellen Arbeitsstellen in den Kliniken in Lüdenscheid und Werdohl lägen noch immer keine inhaltlichen Beschreibungen vor, lautet ein anderer Vorwurf. Die Märkische Gesundheitsholding will sich im Laufe der Woche zu Anfragen unserer Zeitung äußern.

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