Musikveranstaltungen

Dissonanzen im Volksgarten

In Sichtweite zueinander spielten am Samstag der Kolpingchor und Techno-DJs im Volksgarten auf – das gab Streit.

In Sichtweite zueinander spielten am Samstag der Kolpingchor und Techno-DJs im Volksgarten auf – das gab Streit.

Foto: Alexander Barth

Letmathe.  Das „Café im Park“ mit Gesang und das Techno-Festival von „Chuffer Events“ kamen sich am Samstag in die Quere.

Im Volksgarten war richtig was los am Samstag. Die Szene könnte auch aus dem Berliner Tiergarten stammen: Junge Leute haben es sich auf der Wiese bequem gemacht, sie plaudern und trinken. Ein Barfüßiger mit Rastazöpfen wandert zwischen den Grüppchen umher und jongliert dabei sein Diabolo-Spielgerät. Ein kleiner Junge jagt mit leuchtenden Augen den übergroßen Seifenblasen hinterher, die eine junge Frau über den Rasen schweben lässt. Vor einer Bühne wird getanzt, andere liegen auf dem Rücken im Gras und genießen die Sonne auf der Haut.

Ein Stück weiter hinten sitzen Senioren mit Kaffee und Kuchen vor der Musikmuschel und lauschen der Darbietung des Letmather Kolpingchores. Ein laues Lüftchen streichelt im Halbschatten, alles könnte perfekt sein. Doch die Gemüter sind erhitzt, und das nicht des Klimas wegen. Auf der klanglichen Ebene wollen die beiden Veranstaltungen nicht harmonieren. Das Nachsehen hat der sehr viel leisere Chor, der noch zu verstehen ist, aber der Genuss fällt unter diesen Umständen schwer. Mit 80 Dezibel, wie das Ordnungsamt später messen wird, schallen die Bässe der elektronischen Musik herüber.

Die Suche nach einem Kompromiss scheitert

Zunächst treffen die Veranstalter vor Ort aufeinander: Alfons Kersten vom Stadtverband der Chöre und Mathias Niemann von der Agentur „Chuffer Events“. Kersten will einen Kompromiss aushandeln, wie er später berichtet: „Wir sind auf die jungen Leute zugegangen und haben gefragt, ob die nicht etwas leiser spielen oder kurze Pausen einlegen können, damit wir in dieser Zeit ungestört spielen können. Dazu waren die nicht bereit.“ Niemann rechtfertigt seine Haltung gegenüber unserer Zeitung: „Das Ordnungsamt hat unsere Veranstaltung genehmigt. Für den Chor ist das schade, aber für so ein Event investieren wir mehrere tausend Euro. Die Leute kommen für die Musik her, und sobald ich die ausmache, laufen die weg.“

Alfons Kersten lässt das nicht gelten, für den Chor sei der Auftritt genau so eine wichtige Einnahmequelle, um die Tätigkeiten des Vereins zu finanzieren. Zumindest leiser zu stellen, so viel Entgegenkommen hätte drin sein müssen, ist er überzeugt. Hinzugerufene Mitarbeiter des Ordnungsamtes messen die Lautstärke und stellen fest, dass diese in dieser Entfernung über dem zulässigen Höchstwert von 60 Dezibel liegt. Kersten sieht sich bestätigt: „Dann ging es auf einmal doch leiser, aber da waren die meisten Besucher schon geflüchtet und wir mit unserem Programm durch. Das war ein großer Frust und Ärger.“ Die Verwaltung müsse sicherstellen, dass sich so etwas nicht wiederholen könne. „Wir haben nichts gegen junge Leute, aber vielleicht ist diese Musik am Seilersee besser aufgehoben.“

Unsere Nachfrage bei der Stadt hat am Montag Folgendes ergeben: „Café im Park ist nicht genehmigungspflichtig, solange kein Alkohol ausgeschenkt wird. Die musikalische Darbietung jedoch hätte angemeldet werden müssen, und davon war dem Ordnungsamt nichts bekannt. Das ist dem Veranstalter wahrscheinlich nicht bewusst“, erklärte Sprecherin Christine Schulte-Hofmann und äußerte Zuversicht, dass sich durch bessere Absprache ein solcher Vorfall nicht wiederholen werde.

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