Marienhospital

Donnerstag geht’s zur Demo nach Lüdenscheid

Am Samstag sind an der Hagener Straße weitere Unterschriften gesammelt worden.

Am Samstag sind an der Hagener Straße weitere Unterschriften gesammelt worden.

Foto: Stefan Drees

Letmathe.  Am Montagnachmittag werden Unterschriften gegen die Schließung des Marienhospitals an den Landrat übergeben.

Die Letmather bleiben beim Kampf um ihr Marienhospital entschlossen. Auch am Wochenende wurden fleißig Unterschriften gegen eine Schließung gesammelt, die am heutigen Nachmittag im Lüdenscheider Kreishaus unter anderem von Chefarzt Dr. Wolfgang Welke an Landrat Thomas Gemke (CDU) übergeben werden sollen. Am Freitagabend waren es bereits mehr als 8500 Unterschriften, es besteht durchaus die Hoffnung, dass es am Ende mehr als 10.000 Unterschriften sein werden. Am Samstagvormittag sind noch Unterschriften an einem Stand auf der Hagener Straße gesammelt worden. Dabei wurden nicht nur weitere Listen gefüllt, sondern auch Meinungen und Positionen ausgetauscht.

Bei Krankenhausbettendeutlich unter Schnitt

Unterschrieben hat am Samstag auch Marianne Neumann, die in Genna wohnt. Auch sie möchte nicht auf „ihr“ Marienhospital verzichten. Sie hat dort vor einiger Zeit mehrere Wochen wegen eines komplizierten Armbruchs gelegen. Sie war mit der Behandlung und der menschlichen Fürsorge sehr zufrieden. Und Marianne Neumann möchte auch für die Zukunft darauf setzen können, im Ernstfall mit einer ortsnahen medizinischen Versorgung rechnen zu können. Ambulanzschwester Sabrina Trenkelbach, die seitens der Belegschaft intensiv für den Erhalt des Hospitals kämpft, betreute am Samstag den Unterschriftentisch. Viele Letmather hätten dabei ihre Verbundenheit mit dem Marienhospital zum Ausdruck gebracht. „Nicht wenige sind dort geboren und haben dort selber ihre Kinder zur Welt gebracht“, berichtet Sabrina Trenkelbach im Gespräch mit unserer Zeitung. Viele würden sich im Fall der Fälle im Marienhospital gut aufgehoben fühlen und wollten nicht auf ein Krankenhaus in Letmathe verzichten.

Die Federführung bei der Unterschriftenaktion hatte die Werbegemeinschaft Letmathe. Deren zweiter Vorsitzender Rainer Großberndt lobte, dass auch die Letmather Innenstadt mit ihren Geschäften hinter dem Kampf für den Erhalt des Marienhospitals stehe. Strom sei zur Verfügung gestellt oder Waffelteig gespendet worden. Die Rock- und Popfabrik steuerte Livemusik bei. Nicht fehlen am Stand durfte das Krankenbett mit dem symbolischen Skelett.

Rainer Großberndt blickt bereits mit Spannung auf den Donnerstag, wenn im Lüdenscheider Kreistag eine entscheidende Abstimmung ansteht. Letmathe will dann mit einer großen Demonstrantenschar vor Ort sein. Mindestens 500 Teilnehmer werden angestrebt. Busse mit einer Kapazität von rund 250 Plätzen werden für die Nutzer kostenfrei um 14.15 Uhr am Marienhospital aufbrechen. Grimm-Reisen und Fischer-Reisen hätten besondere Vorzugskonditionen gewährt. Da die Buskapazität nicht reichen wird, bittet Großberndt potenzielle Demonstranten, die mit dem eigenen Auto nach Lüdenscheid fahren wollen, am 27. Juni gegen 14 Uhr zum Marienhospital zu kommen, damit dort noch Fahrgemeinschaften gebildet werden können.

Auch der Chefarzt der Schmerzklinik, Dr. Wolfgang Welke, war am Samstag vor Ort am Unterschriftenstand. Zu den Emotionen vieler Letmather steuerte er auch Argumente gegen eine Schließung bei. So gebe es im nördlichen Märkischen Kreis nur 4,3 Krankenhausbetten pro 1000 Einwohner, deutschlandweit seien es 8,1 und europaweit immerhin noch 5,1 Betten. „Anhand dieser Zahlen sieht man, dass der Nordkreis schon jetzt bei der Zahl der Krankenhausbetten schlecht aufgestellt ist. Und in dieser Situation soll dann auch noch ein Krankenhaus dicht gemacht werden“, sagte Dr. Welke. Für viele Menschen sei es ein Riesenproblem, wenn es von Hohenlimburg bis Altena kein Krankenhaus mehr gebe. „Hände weg vom Marienhospital“ pflichtet denn auch Rainer Großberndt bei.

Unterschriften gesammelt wurden auch an diesem Wochenende von der Flüchtlingshilfe Iserlohn und dem Team der Aktion Wunschbaum, die das „Café im Park“ im Volksgarten betreuten. Beim Stadtfest in Hohenlimburg gab es ebenfalls einen Unterschriftenstand. Da die Unterschriften bereits heute in Lüdenscheid abgegeben werden sollen, werden alle Vereine und Organisationen, die ebenfalls Unterschriften gesammelt haben, gebeten, die Listen bis zum heutigen Montag, 12 Uhr, an der Pforte des Marienhospitals abzugeben. Nachfragen sind unter
02374/5472044

möglich. Alternativ können diese auch im Iserlohner Rathaus am Info-Schalter im Eingangsbereich abgegeben werden. Unter genannter Telefonnummer können sich Bürger auch für die Busse zur Demonstration am Donnerstag anmelden.

Die Planungen für die Demonstration standen am Freitagabend im Mittelpunkt eines Treffens des Orga-Teams in der Schmerzambulanz des Marienhospitals. Neben Mitarbeitern nahmen daran auch Vertreter der Politik teil. Beginnen soll die Demonstration gegen 15 Uhr vor dem Lüdenscheider Kreishaus. Sylvia Olbrich von den Grünen, die die Demonstration angemeldet hat, berichtete, dass das Friedensplenum Iserlohn seine Lautsprecheranlage für die Demonstration zur Verfügung stellen werde. Im Blick hat das Orga-Team die auch für Donnerstag erwarteten hohen Temperaturen von über 30 Grad. So soll reichlich Mineralwasser vorrätig sein, hier freut man sich noch über Spenden. Auch eine medizinische Betreuung soll sichergestellt werden, aber einige Damen und Herren vom Fach dürften ja ohnehin vor Ort sein.

„Man lässt uns fallen wie eine heiße Kartoffel“

Beim Orga-Treffen verschaffte sich auch Krankenpfleger Michael Hillebrand nochmals etwas Luft: „Das Marienhospital hat acht Jahre lang schwarze Zahlen geschrieben. Und auch bei der Ausrichtung und Spezialisierung jenseits der Daseinsvorsorge haben wir alles richtig gemacht. Trotzdem lässt man uns nun fallen wie eine heiße Kartoffel.“ Die Belegschaft will sich weiterhin nicht mit einer Schließung des Marienhospitals abfinden. Und dabei tut es ihr gut, dass sie die meisten Letmatherinnen und Letmather hinter sich weiß, gleiches gilt für die Politik vor Ort.

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