Kolping

Ein Auf und Ab der Gefühle in Peru

Franziska Reich hatte einen guten Draht zu den heimischen Kindern.

Foto: Privat

Franziska Reich hatte einen guten Draht zu den heimischen Kindern.

Grüne.   Franziska Reich von der Kolpingsfamilie Grüne hat zwei intensive Wochen im Land hinter sich.

Peru ist eigentlich kein Land mehr, das Schlagzeilen produziert, die um die Welt gehen – abgesehen einmal von den Protesten, die aktuell durch die Weihnachtsamnestie für den früheren Staatspräsidenten Alberto Fujimori entfacht wurden. Wie es der Bevölkerung oder der Wirtschaft geht, erfahren hierzulande nur diejenigen, die ganz genau hinschauen. Also alles prima rund um die Hauptstadt Lima?

Die Letmatherin Franziska Reich würde das nicht unterschreiben. Im September ist sie Mitglied einer 13-köpfigen Delegation aus Deutschland gewesen, die sich rund um die Generalversammlung des internationalen Kolpingwerks in Lima zwei Wochen lang in Peru aufgehalten hat. Das, was sie in dem im Westen Südamerikas gelegenen Land erlebt hat, wirkt noch nach. „Ich gehe aufmerksamer durch den Alltag und versuche Dinge, die für uns selbstverständlich sind, stärker zu schätzen.“

Spartanische Verhältnisse im Franziskaner-Kloster

Franziska Reich ist jetzt 20 Jahre jung, hat im Sommer Abitur gemacht und inzwischen ein Psychologie-Studium in Aachen aufgenommen. Über die Kolpingsfamilie Grüne, in der sie sich heute noch um die Jugendarbeit kümmert, kam sie auf die Ebene des Diözesanverbandes Paderborn und dadurch in den Kreis der Peru-Kandidaten. Ein Vorbereitungstreffen in Frankfurt/Main und mehrere Impfungen gingen der Reise voraus, die in einem Kloster des Franziskaner-Ordens in Rimac nahe der Hauptstadt Lima begann.

Drei unvergessliche Tage erlebte sie dort, bevor es in eine sogenannte „Workcamp-Phase unter der Obhut von Pater Nikolai aus dem Bistum Essen ging. Er arbeitet in Lima als Gefängnis-Seelsorger. „Im Kloster gab es keine Heizung und der Boiler, der uns das warme Wasser zum Duschen aufbereiten sollte, war kaputt. Zum Essen sind wir häufig in ein Restaurant gegangen. Dort hieß es, dass wir aus Schutz vor Krankheiten die Gemüse-Dekoration auf den Tellern nicht mitessen sollten. Und auch vom Zähneputzen mit normalem Leitungswasser wurde uns abgeraten. Wir mussten also bei vielen Kleinigkeiten, die für uns selbstverständlich sind, aufpassen.“ Franziska Reich wusste, dass sie vor Ort auch auf Kinder treffen würde. Bestandteil des Workcamps war nämlich auch der Besuch eines Armenviertels, das im Februar von einer Flut heimgesucht wurde. Um den Kindern eine Freude zu bereiten, brachte sie von Zuhause eine Tüte Bonbons mit. „Aber die durfte ich nicht verteilen, weil die Kinder sie gar nicht vertragen hätten.“

Auch der dreitägige Blick über die Schulter von Pater Nikolai im Gefängnis hatte es in sich: Josef Radine, stellvertretender Vorsitzender der Kolpingsfamilie Grüne, weiß: „Das Gefängnis wurde vor 40 Jahren für 2000 Häftlinge gebaut, inzwischen sind dort 9500 Insassen untergebracht und 200 Mitarbeiter beschäftigt.“ Das funktioniert, wenn 50 Männer in einer 28 Quadratmeter großen Baracke hausen. Wer ein Bett haben möchte, muss dafür zahlen. „Dort ist auch ein Deutscher aus Leverkusen inhaftiert, angeblich wollte er nur ein Geschäft machen. Gleichzeitig hatten wir in unserer Gruppe auch jemanden aus Leverkusen. Also sind Telefonnummern ausgetauscht worden.“

Spende für Projekt des Kolpingwerks übergeben

In eine völlig andere Welt tauchte Franziska Reich durch die Teilnahme an der Konferenz ein, in dessen Mittelpunkt der Austausch zwischen den Kolpingwerken stand. „Das war alles eine große Erfahrung und ein großer Kontrast.“

Die Peru-Reise habe sie geerdet und soll nicht die letzte dieser Art gewesen sein. Die nächsten Ziele könnten Panama oder Mexiko sein, dorthin unterhält der Diözesanverband partnerschaftliche Verbindungen. Hinzu kommt ein Projekt des Kolpingwerkes in Brasilien, für das die Kolpingsfamilie Grüne Spendengelder gesammelt hat. 500 Euro sind zusammengekommen, den Scheck hat Franziska Reich in Peru an die zuständigen Kolping-Funktionäre übergeben.

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