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Ein Klangwunder, viel mehr als nur ein „Schifferklavier“

Das oft als „Quetschkommode“ belächelte Akkordeon kann mehr, als ihm zugetraut wird, wie Andrea Knefelkamp-West bewies.

Das oft als „Quetschkommode“ belächelte Akkordeon kann mehr, als ihm zugetraut wird, wie Andrea Knefelkamp-West bewies.

Foto: Michael May

Letmathe.  Andrea Knefelkamp-West fesselte im Gewölbekeller ihre Zuhörer und porträtierte das Akkordeon als vielseitiges Instrument.

Jeder ist vermutlich schon einmal mit diesem Instrument, das einige auch Schifferklavier, Ziehharmonika oder Quetschkommode nennen, zumindest oberflächlich in Kontakt gekommen. Es heißt natürlich richtigerweise Akkordeon – aber wann hat man schon einmal die Gelegenheit, etwas tiefer in die Geheimnisse dieses Instrumentes einzutauchen.

Der Förderverein des Hauses Letmathe hatte mit Andrea Knefelkamp-West (Initialen: AKW) eine Expertin für das Konzertakkordeon eingeladen und unter dem Titel „Akkordeon.Klang.Wunder“ (Abkürzung: AKW) gab es viel Erstaunliches und, laut Programm, auch „Unerhörtes“, zu hören. Andrea Knefelkamp-West lag viel daran, ihr Instrument, eben das Konzertakkordeon, abzugrenzen vom oft volkstümlich besetzten Begriff des Schifferklavieres oder von seiner reduzierten Verwendung als Begleitinstrument zum Gesang. Das breit aufgestellte Programm umfasste stilistisch vom Barock bis hin zu avantgardistischen Klängen des 20. Jahrhunderts reichende und geografisch in ganz Europa und, mit Piazzolla, auch in Argentinien verortete Werke.

Von virtuos-expressivbis choralhaft-sinfonisch

Sie wurden entweder speziell für das Akkordeon komponiert oder von Orgel- oder Klavierkompositionen original übertragen. Da gab es choralhaft-sinfonische Klänge (E. Elgar; G. Malcolm), tänzerisch-folkloristische Ausflüge (Czardas von V. Monti; Danza española von E. Granados), äußerst virtuos-expressive Beiträge (Paganiniana von H. Brehme; Toccata v. O. Schmidt) aber auch kammermusikalisch Konzertantes in Sonatenform (D. Scarlatti). Drei Werke französischer Komponisten schilderten in einem humoristischen tierischen Intermezzo einen „kleinen weißen Esel“, den Kuckuck und ließen sogar ein Huhn gackern. Die beeindruckende Klangfülle und -vielfalt der zahlreichen Werke basierte natürlich einerseits auf dem mit zwölf „Chören“ (Registern) und einer imposanten Bassreihe ausgestatteten Konzertakkordeon einer nicht unbekannten Weltmarke. Andererseits verstand es Andrea Knefelkamp-West mit bestechender Virtuosität, sowohl hinsichtlich der technischen Perfektion als auch ihrer hinreißenden musikalischen Interpretation, die Zuhörer zu fesseln.

Zu den Kompositionen und deren Entstehungsgeschichten wusste die Interpretin zudem interessante und unterhaltsame Hintergrundinformationen moderierend hinzuzufügen. Auch das „intime“ Ambiente und die hervorragende Akustik des Gewölbekellers boten zusätzlich ideale Bedingungen für die gelungene Präsentation eines Soloprogramms auf diesem so oft verkannten Instrument Akkordeon. Gemessen an dem begeisterten Schlussbeifall des Publikums hätte dieses künstlerisch anspruchsvolle und sehr kurzweilige Programm noch ein paar Zuschauer mehr verdient gehabt.

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