Marienhospital

Marienhospital Letmathe: Rat will Übernahme prüfen lassen

Beschluss des steinigen Wegs: Ratsmitglieder stimmen für die Anträge von SPD und CDU.

Beschluss des steinigen Wegs: Ratsmitglieder stimmen für die Anträge von SPD und CDU.

Foto: Michael May / IKZ

Letmathe/Iserlohn.  Der Rat hat die Verwaltung beauftragt, alle Möglichkeiten für eine Übernahme zu prüfen, doch dem Krankenhaus läuft die Zeit davon.

Einstimmig mit einer Enthaltung haben die Fraktionen im Rat in der gestrigen Sitzung beschlossen, alle Möglichkeiten für einen Erhalt des Marienhospitals prüfen zu lassen.

Die Enthaltung kam von Dr. Bernd Dresp als einzigem anwesenden Vertreter der FDP-Fraktion. Dresp beantragte, den Beschlussvorschlag dahingehend zu ändern, dass über die Rolle der Stadt getrennt abgestimmt werden könne: „Auch wir möchten das Hospital erhalten, sehen es aber nicht in städtischer Hand – das finanzielle Risiko ist zu groß.“ Für ihn als Letmather sei es eine „Entscheidung zwischen Herz und Verstand.“

Realisierbarkeit und Risiko: Fraktionen äußern Vorbehalte

Die Stadt habe schon jetzt mit einem Defizit zu kämpfen, müsste bei einer Übernahme den im Krankenhaus entstandenen Investitionsstau auffangen und als Ersatz für die Administration der Märkische Kliniken GmbH zusätzlich den Aufbau einer Klinikverwaltung finanzieren. „Aussichtsreicher ist es, andere potenzielle Krankenhausträger anzusprechen und zu prüfen, ob der Standort Letmathe als medizinisches Versorgungszentrum in anderer Form erhalten werden kann“, führte Dresp aus. „In jedem Fall läuft uns die Zeit davon“, sagte er mit Blick auf die vom Kreistag verabschiedete Schließung zum 31. Dezember. Vor Oktober seien keine Ergebnisse eines Gutachters zu erwarten, schon jetzt würden Mitarbeiter abgeworben: „Es wäre unverantwortlich, bei der Bevölkerung zu große Erwartungen zu schüren.“

Vizebürgermeister Thorsten Schick, der den noch immer erkrankten Dr. Peter Paul Ahrens vertrat, lehnte eine getrennte Abstimmung letztlich ab. Bedenken äußerten jedoch auch Vertreter weiterer Fraktionen. Hans Immanuel Herbers (UWG-Piraten) warnte unter Verweis auf die „vom Kreis heruntergewirtschaftete“ Klinik davor, falsche Versprechungen zu machen. Oliver Ruhnert (Die Linke) erklärte es für „fast unmöglich“, dass die Stadt in dem vorgegebenen Zeitrahmen eine Übernahme umsetzen könne, deshalb sollten Alternativen gesucht und vor allem Verhandlungen mit dem Kreis über eine Fristverlängerung geführt werden, wie sie die Kreistagsfraktion der Grünen bereits beantragt hat. Deren Vertreterin Elke Olbrich-Tripp beanstandete, dass die Verwaltung noch keine offizielle Gesprächseinladung nach Lüdenscheid verschickt hätte.

Alles versuchen, Scheitern einkalkulieren

Beigeordneter Martin Stolte korrigierte: Vertreter des Kreistags seien zur Sitzung des Arbeitskreises Gesundheit eingeladen worden, der Kreis habe abgesagt. Fabian Tigges (CDU) betonte die „schwierige Gemengelage“ und dass „wir diese Gespräche vor einem Jahr hätten führen sollen“ – die Informationen hätten früher vorliegen müssen. In Anbetracht des Zeitfensters müssten „Alternativen“ im Blick behalten werden, gestand auch Tigges zu.

Michael Scheffler (SPD) bekräftigte den Antrag seiner Fraktion und forderte den Landrat und die Märkischen Kliniken zu konstruktiver Zusammenarbeit auf. „Ich weiß von den großen Hoffnungen der Letmather Bevölkerung. Aber es wird ein schwieriger, steiniger Weg.“

Mitarbeiter des Hospitals, von denen einige die Sitzung verfolgten, haben als Handreichung für die Politik klärungsbedürftige Fragen (siehe unten) für eine Übernahme ausgearbeitet – die Liste ist lang:

1 Welche Apotheke wird uns beliefern? Woher bekommen wir Lagerartikel wie Schutzkleidung?

2 Wo werden OP-Instrumente sterilisiert? Woher beziehen wir Implantate? Wer ist für die Reinigung zuständig?

3 Wird es eine eigene Personalabteilung geben? Was wird aus den aktuellen Arbeitsverträgen? Wer übernimmt die Leitung des Krankenhauses, wer wird Chefarzt der Chirurgie, wer Oberarzt?

4 Mit welchen Anreizen soll neues Personal gewonnen werden? Wie sollen Fort- und Weiterbildungen garantiert werden und wo sollen die Kurse stattfinden?

5 Krankenhäuser sind verpflichtet, auszubilden. Wo sollen die Azubis zur Schule gehen und ihre Praxiseinsätze absolvieren?

6 Wird das Marienhospital an der Notfallversorgung teilnehmen können? Was ist mit dem sechsten Intensivbett und dem fehlenden Schockraum?

7 Wie soll die laufende Brandschutzsanierung fortgeführt werden? Wie und wann sollen Renovierungen erfolgen, vor allem in der Intensivstation?

8 Wie sieht es mit der EDV aus? Die aktuelle Software Orbis gehört den Märkischen Kliniken. Wer übernimmt die Administration und technische Hilfe bei Problemen?

9 Wo werden Laboruntersuchungen durchgeführt? Wo erfolgen pathologische Untersuchungen?

10 Woher bezieht das Krankenhaus seine Wäsche und wo soll diese gewaschen werden?

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